NÜRNBERG und UFFENHEIM 2014

 

REISE DER STUDENTENMUSIK EINSIEDELN   27. April - 1. Mai

                           

 

In einem Interview mit dem Einsiedler Anzeiger kurz vor unserer Reise nach Deutschland sagte ich, dass das Wichtigste für mich das Gemeinschaftserlebnis sei. Und genau das durfte ich auf dieser Reise wie noch selten erleben. Es war toll, wie die älteren FM-Mitglieder die jüngeren und jüngsten integriert und mitgenommen und sich um sie gekümmert haben. Und für den ältesten Teilnehmer (für die Besucher des Laetarekonzertes: den Old man) war folgendes ein neues Erlebnis: man (eigentlich müsste ich da wohl eher „frau“ schreiben) scheute sich nicht, an den Tisch des Leitungsteams zu sitzen. So geschehen beim ersten Nachtessen oder auch beim Frühstück am Mittwochmorgen. Ich habe diese Kontakte sehr geschätzt und genossen!

 

Routine und Kondition

Im vergangenen Sommer hat die Studentenmusik beinahe die Hälfte ihrer Besetzung verloren und im Herbst begann der Wiederaufbau. Ganz krass war es für das Schlagzeugregister, in dem alle vier Instrumentalisten neu waren. Leider konnten nur drei von ihnen in Deutschland dabei sein; Luca musste wegen Krankheit zu Hause bleiben. In den insgesamt sieben Auftritten haben sich alle Neuen der FM die nötige Routine geholt, welche bisher etwas gefehlt hat. Und besonders bewundernswert war die Kondition, welche gerade die Instrumentalistinnen und Instrumentalisten mit den etwas strengeren Blasinstrumenten bewiesen. Bei sämtlichen Blechblasinstrumenten ist es momentan so, dass jede Stimme nur gerade durch ein Mitglied besetzt ist! Es brauchte also sehr viel Kraft und Können, um in den beiden Schulen, in denen wir auftraten, je dreimal 45 Minuten durchzuhalten, auch wenn dazwischen jeweils eine kurze Pause lag. Ich hatte im Voraus ziemlich Angst, wie das unsere jungen Leute durchstehen würden, aber es war wirklich erschlagend, wie viel Energie alle hatten und sich bis zum Letzten einsetzten.

 

Deutsch oder Boehm?

Wir spielten am Montag in der Grundschule der Stadt Stein drei Programme für die dortigen Schülerinnen und Schüler, wobei beim letzten Auftritt auch die Bläserklasse des Gymnasiums Stein anwesend war. Am Dienstag traten wir dann in der Erich-Kästner-Schule in Reichelsdorf, einem Stadtteil von Nürnberg, in ähnlichem Rahmen auf.

Es war mit den Schulleitungen abgesprochen, dass wir nicht nur unsere Stücke spielen, sondern auch etwas Instrumentenkunde machen. Es war unglaublich, welche Kenntnisse die Kleinen an der Schule in Stein an den Tag legten. Ein Knirps fragte sogar, nach welchem System unsere Klarinettisten spielen; Deutsch oder Boehm? Luzia gab dann die entsprechende Antwort.

Einmal mehr haben es wohl alle genossen, für diese Altersstufe zu spielen. Auch wenn es zum Teil etwas unruhig werden kann, ist es jedes Mal sehr dankbar, die Reaktionen und auch das engagierte Mitgehen der Kinder zu erleben.

 

Shoppen, Schuhe und Sauna

Am Montagnachmittag nach den drei Auftritten und dem Pizzaessen im Lehrerzimmer der Grundschule in Stein waren alle von der Stadt ins Freizeitbad Kristall Palm Beach eingeladen. Das ist vergleichbar mit dem Alpamare und natürlich haben das alle sehr genossen. Es waren allerdings nicht ganz alle dort. Ein Erkälteter, Gesamtleiter Marcel und Chauffeur Marcell verzichteten auf die diversen Rutschen und den freien Fall über 16 Meter im Palm Beach und begaben sich auf Shopping-Tour in Stein. Das Resultat waren mehrere Bleistifte, Kugelschreiber und Radiergummis, welche im Fabrikshop von Faber-Castell erstanden wurden. Und ausnahmsweise waren es nicht die Frauen, welche Schuhe posteten, sondern die beiden Ältesten im Team. Natürlich waren wir entsprechend stolz auf unsere Errungenschaften.

Am Mittwoch gab es im doch recht straffen Programm etwas Freizeit und einige haben offenbar die Sauna im Hotel genutzt.

 

Geister und Henker

Am Montagabend begaben wir uns mit dem Schauspieler Marco Kirchner auf Geister-Tour. An verschiedenen Orten machten wir auf dem eineinhalbstündigen Spaziergang Halt und bekamen jeweils eine Geistergeschichte zu hören. Wir wissen nun, weshalb der heilige Sebaldus ausgerechnet am jetzigen Ort begraben wurde, wie ein Nürnberger Ratsherr des Hochverrates überführt und im Fünfeckturm eingemauert wurde oder wie der Besuch des Paracelsus in Nürnberg abgelaufen ist. Auch wissen wir jetzt, wie wir uns gegen die Trud – ein weiblicher Geist, der sich einem des Nachts auf die Brust setzt, so dass man nicht mehr rufen und kaum mehr atmen kann – schützen können. Eine Möglichkeit ist, sich eine Schüssel mit Reiskörnern auf die Brust zu stellen, so dass die Trud bis zum Morgen mit Zählen beschäftigt ist. Dann gute Nacht…

Am Dienstagabend informierte uns die Nachtwächterin auf sehr anschauliche Art über die Arbeit des Henkers. Henker Gregor folterte Klarinettistin Luzia – allerdings war sie sehr standhaft und nicht zum Geständnis zu bewegen. Kapellmeister Andreas erging es noch schlimmer; er wurde aufs Rad geflochten, nachdem ihm die Knochen zerschlagen worden waren.

Am Dienstagnachmittag hatten wir das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und das Gelände selbst besucht. Da stockte wohl mehreren von uns der Atem, die Grausamkeiten des dritten Reiches dokumentiert zu sehen und am Ort zu stehen, wo Hitler seine Hetzreden vor Hunderttausenden von sich gegeben hatte. Dies war der einzige Museumsbesuch, bei dem ich verlangte, dass alle dabei waren. Es ist mir wichtig, diese historischen Fakten zu zeigen und die Erinnerung daran nicht vergessen zu lassen.

Alle anderen Museumsbesuche und Führungen waren freiwillig und ich war sehr erstaunt, dass immer der grösste Teil der Teilnehmer dabei war und grosses Interesse am Dargebotenen zeigte, auch wenn die Temperaturen und zeitweise der Regen nicht immer angenehm waren.

Behaim und Rembrandt

Ein spezieller Höhepunkt war sicher der Besuch im Germanischen Nationalmuseum am Mittwochmittag. Der Stellvertreter des Generaldirektors, Dr. Daniel Hess, ist ein Ehemaliger der Studentenmusik und arbeitet bereits seit 15 Jahren im Museum.

Er hat uns zu einer stündigen Führung eingeladen, um einige Besonderheiten des Museums zu zeigen und auch aus seiner Arbeit zu erzählen.

So sahen wir den ältesten erhaltenen Globus, den Erdapfel von Martin Behaim aus dem 15. Jahrhundert und Daniel Hess brachte uns auf eindrückliche Weise die unglaublichen Umbrüche jener Zeit nahe. Die Welt veränderte sich damals innert 30 Jahren mit der Entdeckung Amerikas und weiterer Teile der Erde grundlegend, wie wir uns das heute kaum vorstellen können.

Weitere Besonderheiten waren ein Selbstbildnis von Rembrandt, verschiedene Werke des Nürnbergers Albrecht Dürer und dann natürlich die Musikinstrumente. So sahen wir die älteste Klarinette, die älteste noch erhaltene Posaune und eine ganze Reihe von Tasteninstrumenten, unter anderem ein Instrument, auf dem möglicherweise Mozart gespielt hat. Die im Voraus verabredete Stunde wurde natürlich weit überschritten und es hätte wohl niemanden von uns gestört, wenn die Führung noch länger gedauert hätte.

Am Mittwochabend fuhren wir nach dem gut 70 km entfernten Uffenheim, um dort das Walpurgisfest musikalisch zu eröffnen. Nicht nur der Regen, auch die etwas mangelhafte Organisation – die nach uns spielende Band hätte eigentlich während unseres Auftrittes die Bühne einrichten sollen – drückte etwas auf die Stimmung. Wir mussten unseren Auftritt vorverlegen und abkürzen, dafür durften die FM-Mitglieder dann die Kilbi-Bahnen gratis benutzen und so hat es sich schliesslich doch noch gelohnt, die Reise nach Uffenheim zu machen.

Zum Schluss danke ich meinem Mitarbeiterteam, den beiden Assistentinnen Irmgard Fuchs und Andrea Kälin und dem Chauffeur Marcell Schuler, ganz herzlich für ihre Arbeit und dafür, dass ich mich immer vollständig auf sie verlassen darf. Ebenso danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre. Ich musste sie zum Glück nicht in Anspruch nehmen.

Ich danke auch den Verantwortlichen an den Schulen und den Bürgermeistern von Stein und Uffenheim für ihre Einladungen, meinen Freunden Christa und Hubert Henn für ihre Mithilfe bei der Vorbereitung und Daniel Hess für seine spontane Einladung ins Germanische Nationalmuseum.

Und ohne die Eltern und Sponsoren, welche die Reise finanzierten, wäre gar nichts möglich gewesen. Ihnen gehört der grösste Dank.

Und allen Mitgliedern der Studentenmusik mache ich ein grosses Kompliment für ihre Disziplin – es gab nicht den geringsten negativen Vorfall – und ihre Ausdauer und Konzentration beim Musizieren und ebenso ihre hohe soziale Kompetenz. Es war für mich eine riesige Freude, mit euch unterwegs zu sein!

 

 

Marcel Schuler