Berichte

Während jeder Reise bloggen wir für unsere Verwandten und Bekannten Zuhause. Vergangene Bloggs findest du hier. "Weisch no?"

Reise nach Österreich, Ungarn und in die Slowakei 2019

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Bericht vom Samstag, 27. April. 2019:

Um Punkt 12:30 Uhr versammelten wir uns beim Theatersaal, um den Car zu beladen. Nachdem auch unser Dirigent rund 45 Minuten später eintraf (dies jedoch begründet, da er ein Konzert zu geben gehabt hatte) und die letzten fehlenden Reiseutensilien ihren Weg nach Einsiedeln gefunden hatten, startete unsere Reise um ca. 14:00 Uhr in Richtung Österreich. Die rund fünfeinhalb-stündige Fahrt wurde von einer kurzen Pause unterbrochen, damit wir uns für die Weiterfahrt nach Salzburg verpflegen konnten. Um rund 19:30 Uhr erreichten wir schliesslich das Hostel und checkten ein. Der Abend stand uns zur freien Verfügung. Die meisten FM-Mitglieder scheuten sich nach der langen Busfahrt aber nicht davor nochmals mit einem Bus ins rund zwei Kilometer entfernte Stadtzentrum, wo wir den Abend ausklingen liessen. 


Bericht vom Sonntag, 28. April. 2019:

Heute trafen wir uns um 9:00 Uhr, frisch gestärkt, in der Hostellobby, um auszuchecken. Nach zügigem Einladen der Koffer durch Toni, machten wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum. Anders als gestern, spazierten dieses Mal die meisten FM-Mitglieder rund 30 Minuten in die Altstadt von Salzburg und erkundigten die Musikstadt.
Nach der freien Zeit trafen wir uns erneut um 11:40 Uhr im Mirabellpark, um unsere Instrumente und Utensilien für ein Ständchen bereitzustellen. Bevor es losging, durfte jeder nochmals ein wenig durch den Ort gehen und sich stärken. Pascal, Samuel und Lorenz bewachten währenddessen die Instrumente und Noten. Bei durchzogenem Wetter spielten wir schliesslich ein Ständchen und fanden trotz schwierigen Verhältnissen Anklang im Publikum. Gespielt haben wir einen Ausschnitt aus dem Laetarekonzertprogramm, wie zum Beispiel Sir Duke, Tequila oder The Avengers.Nach 30 Minuten packten wir wieder zusammen und machten uns auf den Weg zum Car. 
Nach einem kurzem Unterbruch stiegen wir alle in den Car, um nach Wien weiterzureisen. Es gab auf der Strecke noch einen Zwischenstopp im Mc Donalds, ehe es weiterging in Richtung Osten.Wir erreichten Wien früher als geplant, doch aufgrund der engen Kurven und Strassen war es nicht einfach zu unserem Hostel zu gelangen. Toni meisterte diese Situation jedoch gekonnt und fuhr uns so nah wie möglich zu unserer Unterkunft. Eingecheckt, durfte jeder selbst den Abend ausklingen lassen und Wien bereits ein wenig erkunden.


Bericht vom Montag, 29. April. 2019: 

Der Tag begann um ca. 8:00 Uhr mit dem Frühstück im Hostel. Anschliessend machten wir bei leichtem Regen einen Rundgang mit unserem Stadtführer Herr Meister durch Wien, wobei wir die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, wie das Haus der Musik, den Stephansdom und den Heldenplatz besichtigten. Den restlichen Morgen konnten wir individuell gestalten, wobei alle nach Belieben die Stadt erkundschafteten. 
Am Nachmittag war ein Ständchen geplant, welches aber auf Grund des schlechten Wetters abgesagt werden musste, sodass wir mehr Zeit für andere Aktivitäten hatten. Einige FM-Mitglieder besuchten das Naturhistorische Museum, welches zur Überraschung einiger interessanter als erwartet war.Am Abend genossen wir ein gemeinsames Essen in einem traditionell österreichischen Restaurant. 
Schnitzel war das Stichwort des Abends, aber auch andere Köstlichkeiten liessen unsere Herzen höherschlagen. Dies besonders aufgrund der grossen Portionen, welche viele an ihre Grenzen brachte. Nach diesem Festmahl schwirrten wir in alle Himmelsrichtungen aus, um uns zu vergnügen. 


Bericht vom Dienstag, 30.April. 2019:

Heute starteten wir mit einem entspannten Morgen. Das eigentliche Programm war es, nach Bratislava zu fahren. Wir mussten aber wegen des Wetters sowie auch der geplanten Opernführung, die verschoben wurde, das Tagesprogramm mit dem des Mittwochs tauschen. Unser erstes gemeinsames Treffen war daher erst um 12:00 Uhr, somit konnten wir den Morgen selbst gestalten. 
Die Älteren nutzten dies um auszuschlafen, einige besuchten allerdings auch das Kunsthistorische Museum, andere vertrieben die Zeit in der Stadt. Aufgrund des starken Regens, welcher den ganzen Tag über andauerte, wurde unser Ständchen vor dem Schloss Schönbrunn abgesagt und wir fuhren daher mit dem Car durch die Stadt, um Teile Wiens und den Prater zu besichtigen. Leider war auch am gegenübergesetzten Ende von Wien das Wetter nicht besser und die meisten Schüler nutzten die freie Zeit, um in ein Café zu gehen. 
Anschliessend an unseren kleinen Abstecher, fuhren wir in Richtung Oper, wo uns der Dirigent des Bühnenorchesters bereits erwartete. Er führte uns durch die Oper und konnte uns mit Unterstützung des technischen Direktors spannende Bereiche sowie auch Details der Oper näherbringen. Die beiden nahmen uns gutgelaunt und immer mit einem Witz auf Lager auf eine Tour hinter die Kulissen und zeigten uns Orte, welche normale Touris nicht zu Gesicht bekommen. Nach dieser ausserordentlich interessanten Führung wurden wir schliesslich entlassen und durften den Abend nach unseren Belieben ausleben.


Bericht vom Mittwoch, 01. Mai. 2019

Der Tagesausflug nach Bratislava stand heute auf dem Programm. Wir fuhren um 8:30 Uhr beim Hostel ab und erreichten die Hauptstadt der Slowakei rund eine Stunde später. Da heute der erste Tag mit Sonnenschein war (endlich!), nutzten wir natürlich die Gelegenheit um einige sensationelle und äusserst kreative Gruppenfotos zu schiessen. Dafür suchten wir in der Stadt die schönsten Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten auf. Anschliessend fuhren wir in das Stadtzentrum und gaben am Ufer der Donau ein kurzes Ständchen. Kurz nach Mittag durften wir die Stadt dann frei erkunden. Um 17:00 Uhr trafen wir uns wieder beim Car und traten die Rückreise nach Wien an. Am Abend fand eine Liveübertragung der Oper "Rigoletto" von Giuseppe Verdi auf dem Opernplatz statt, welche einige von uns besuchten. Den restlichen Abend hatten wir zur freien Verfügung. 


Bericht vom Donnerstag, 02. Mai. 2019

Um 8:30 Uhr stand heute die Reise vom Hostel in Wien nach Budapest auf dem Programm. Da die Fahrt relativ früh startete und die meisten von uns nur wenig Schlaf gekriegt hatten, war es die ersten paar Stunden ungewöhnlich ruhig im Car. Nur als wir ausstiegen, um vor dem Maria-Theresien-Platz (wo das Natur-Historische-Museum und das Kunst-Historische-Museum stehen) ein letztes Gruppenfoto in Wien zu schiessen, wachten die FM-Mitglieder langsam auf. Nachdem der Schnappschuss im Kasten war, setzten wir unsere Reise nach Ungarn fort. 
Die nächste Pause legten wir erst kurz vor Budapest ein und assen, wie es sich für Reisende gehört, im Fast-Food-Laden Burgerking. Circa um 13:50 Uhr erreichten wir unser Ziel und checkten ins Hostel ein. 
Anschliessend darauf trafen wir uns in der Lobby, um die schönsten Plätze und Bauwerke Budapests zu erkundigen. Dies waren unter anderem die Kettenbrücke und das Parlament. Dabei erzählte uns Herr Meister Fakten über die Stadt und ihre Monumente. Danach durfen wir selbst die Stadt ein wenig unter die Lupe nehmen. 
Der nächste Treffpunkt war erst wieder um 18:00 Uhr für ein Ständchen auf dem Heldenplatz Hösök tere. Bei schönem Wetter und warmen Temperaturen machten wir uns bereit und spielten mit Freude vor dem Publikum. 
Nach dem Konzert ging es schliesslich ans Abendessen. Die ganze FM versammelte sich in einem Restaurant und genoss die schmackhaften (mehr oder weniger) traditionellen Speisen, die Budapest zu bieten hat. Anschliessen durfte jeder seinen Abend so gestalten, wie gewünscht. 


Bericht vom Freitag, 03. Mai. 2019

Nach einer langen Nacht in Budapest startete der letzte volle Tag der FM-Reise mit einem ausgiebigen und ausgewogenen Frühstück im Wombat's City Hostel um 8:00 Uhr. Anschliessend fand der zweite Teil der Budapestführung statt. Dieses Mal schauten wir uns den Stadtteil Buda genauer an. Dafür mussten wir zum ehemaligen Königspalast hochsteigen und der Donau entlang spazieren. Um 13:00 Uhr trafen wir uns beim Budapest Eye (ein Riesenrad) um schlussendlich aus dem wunderschönen Budapest wieder auszureisen. Nach gut viereinhalb Stunden Fahrt, welche vor allem verwendet wurden um Block! Hexa zu spielen (ein lustiges Handyspiel, welches Fabian entdeckt hat), erreichten wir das Dörfchen Ulmerfeld in der Nähe von Linz, welches gut 950 Einwohner zählt. Dort übernachteten wir in einer Burg und waren beinahe die einzigen Gäste. Wir genossen ein letztes Abendessen in einer kleinen Pizzeria im Dorf und verbrachten anschliessend den Abend gemeinsam. Ein letztes Mal sassen wir alle beisammen und lachten gemeinsam über die vergangenen Tage.


Bericht vom Samstag, 04. Mai. 2019

Heute mussten wir früh aufstehen, da wir bereits um 07:45 Uhr in Richtung Einsiedeln losfahren wollten. Deshalb beschlossen einige, dass es überhaupt nicht lohnenswert war überhaupt erst ins Bett zu gehen. Auch die, welche geschlafen hatten, schienen früh am Morgen noch etwas müde zu sein. Daher verliefen auch die ersten Stunden im Car sehr ruhig und es wurde fleissig Schlaf nachgeholt. 
Doch spätestens nach dem Mittagessen in einer Raststätte in der Nähe von Innsbruck, wachten auch die letzten Schlafmützen aus ihrem Winterschlaf auf und es kam wieder ein wenig Leben in den Car. Nach weiteren drei Stunden erreichten wir schliesslich Einsiedeln kurz nach 16:00 Uhr und begannen damit die Koffer und Instrumente auszuladen und zu versorgen. 
Nach getaner Arbeit verabschiedeten wir uns schliesslich von einander und dankten Herr Meister, Flurina und Toni für die tolle vergangene Woche in Österreich, Ungarn und der Slowakei.
Es war wie jedes Jahr ein lustiges Abenteuer mit einer coolen Truppe Leute und wird uns wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Reise nach Italien 2018

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1. Tag, Sonntag, 29.04.18

Heute Morgen trafen wir uns um 8.00 Uhr beim Theatersaal zum Einpacken der Instrumente und Verladen des Gepäcks. Anschliessend machten wir uns auf den langen Weg nach Pisa. Nach einer ruhigen, vierstündigen Fahrt assen wir an einer Raststätte südlich von Mailand zu Mittag. Um circa 13.00 Uhr setzten wir unseren Weg in Richtung Süden fort. Da Toni ordentlich auf die Tube drückte, erreichten wir Pisa sogar zwei Stunden vor der angegebenen Ankunftszeit. So konnten wir unsere Zimmer in Ruhe beziehen und sogar noch etwas ausruhen bevor es zum Zentrum ging. Dort spendierte uns Herr Meister in der besten Gelateria in Pisa «La Bottega de Gelato» ein Glacé. Später erfolgte die individuelle Erkundung der Stadt sowie das Z’nacht. Danach konnte jedes FM-Mitglied den Abend nach seinen Wünschen ausklingen lassen.

Zweiter Tag, Montag, 30.4.18


An diesem sonnigen Morgen waren wir bereits um circa 8.45 Uhr wach und genossen ein leckeres Frühstück in unserer Jugendherberge. Wie es sich für einen echten Italiener gehört, starteten auch wir unseren Stadtrundgang rund 30 Minuten, um zehn Uhr, zu spät. Wir ging zunächst zur Cittadella Nuova am Ufer des Arnos, wo uns Herr Meister grundlegende Hintergrundinformationen zu Pisa vermittelte. Anschliessen fuhren wir unseren Weg fort, in Richtung der Piazza Cavalieri. Schlussendlich endete unsere Tour beim bekannten «Schiefen Turm von Pisa». Von dort aus konnte sich jedes Mitglied individuell in der Stadt aufhalten und sich verpflegen. Der nächste Treffpunkt war um 15.30 Uhr beim Westeingang der Piazza del Duomo. Wir marschierten daraufhin zehn Minuten zu unserem Car, bei welchem wir uns alle in die Uniform umzogen. Wir kehrten schliesslich zum Turm zurück, wo wir einige Gruppenfotos schossen. Anschliessend beschlossen wir, ein kurzes Ständchen auf dem Carparkplatz zu geben. Wir wurden dann von Herr Meister zum Abendessen eingeladen und konnten den restlichen Abend nach eigenen Wünschen gestalten.

Dritter Tag, Dienstag 1.5.18

Am dritten Tag stand bereits die Abreise aus Pisa an. Von dort aus ging es mit einer 45-minütigen Fahrt weiter nach Montecatini Terme. Bei regnerischen Verhältnissen besichtigen wir zuerst Montecatini Alto, wo wir auf dem idyllischen Hauptplatz zu Mittag assen. Danach fuhren wir wieder runter ins Dorf um ins Hotel Natucci einzuchecken. Wir hielten anschliessend auf dem Dorfplatz ein Ständchen, mit welchem wir viele Einheimische anlocken konnten. Es folgte ein kurzes Fotoshooting der FM (natürlich in unserer schönen Uniform) bei den Thermen, für welche Montecatini bekannt ist. Der Abend konnte dann zur eigenen Erkundung des Städtchens sowie zur Gestaltung des Abends genutzt werden.

Vierter Tag, Mittwoch, 2.5.18


Heute erreichten wir unsere finale Reiseetappe, Florenz. Nach erfolgreichem Einchecken im Hotel erkundeten wir gemeinsam das Stadtzentrum. Besonders im Zentrum stand dabei der Dom, welchen wir auch besteigen. Von der Spitze aus hatten wir einen wunderschönen Ausblick über ganz Florenz. Anschliessend konnte mit einem speziellen Ticket nebst dem Dom auch die dazugehörenden Museen und das Baptisterio besucht werden. Ansonsten konnte die Zeit bis um 19.00 Uhr selbstständig gestaltet werden. Zum Abendessen trafen wir uns alle bei der Ponte Santa Trinita, von wo aus wir zur Markthalle spazierten und uns dort mit allerlei Spezialitäten verpflegten. Es folgte ein heiterer Abend zur freien Gestaltung.

Fünfter Tag, Donnerstag, 3.5.18

Dieser Tag war bereits der letzte volle Tag, welchen wir in Italien verbrachten. Wir starteten den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück im Hostel und einer kurzen Carfahrt zu einem Aussichtspunkt. An diesem Ort hielten wir unser letztes Ständchen bei windigen Verhältnissen (so windig, dass einige Notenständer umfielen!). Unsere Musik begeisterte die Touristen so sehr, dass sie freudig mitklatschten oder sogar tanzten. Wir trafen sogar eine Schweizer Reisegruppe, also ein wenig Heimat im Ausland. Logischerweise durfte auch das mittlerweile praktisch obligatorische Gruppenfoto vor dieser wundervollen Aussicht nicht fehlen. Anschliessend machten wir uns zu Fuss auf den Weg zu den Uffizien, welche wir in kleinen Gruppen erkunden konnten. Der restliche Nachmittag stand zur freien Verfügung. Wir genossen unser letztes Abendessen alle gemeinsam in der Pizzeria Dante und verbrachten gemeinsam noch eine lange Nacht, ehe die Sonne wieder aufging.

Sechster Tag, Freitag, 4.5.18

Nach abenteuerlichen Nachtexpeditionen (unter anderem auch Spaziergänge zum Mc Donalds, wo Lorenz einen ganzen Burger in einem Biss ass) traten wir um ca. 7.30 Uhr unseren Rückweg nach Einsiedeln an. Auch heute drückte Toni wieder ausgiebig auf das Gaspedal und setzte sogar erneut einen neuen Streckenrekord auf. Nach gut drei Stunden stiller Fahrt erreichten wir bald schon die Grenze. Langsam erwachten auch alle im Car wieder aus ihren Nickerchen. Wir verpflegten uns an einer Raststätte bei Chiasso bevor die Fahrt weiterging. In Einsiedeln angekommen, verräumten wir unsere Instrumente und verabschiedeten uns voneinander. Es war wieder einmal eine hammer FM-Reise!

Reise nach Prag 2017

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Sonntag, 7.5.17

Bereits um 7.30 besammelten sich die Mitglieder der Studentenmusik beim Theatereingang des Klosters. Unser Busfahrer Toni hatte eine spezielle Überraschung für uns vorbereitet. Als er mit dem Car angefahren kam, trug er ein FM-Hemd mit zugehöriger Kravatte und Patten. Wir hatten alle eine riesen Freude, jetzt konnte die FM-Reise starten! Die Jaa Stunden von Einsiedeln nach Prag vergingen wie im Flug, die meisten verbrachten ihre Zeit dabei mit Musik hören, schlafen oder jassen. Am Mittag verpflegten wir uns im Burgerking an einer Raststätte. Als wir in Prag ankamen, erwartete uns kühles aber sonniges Wetter. Wir richteten uns im Old Prag Hostel unweit des Hauptplatzes ein und machten es uns in der kleinen Jugendherberge bequem. Eine Stunde später besammelten wir uns wieder vor dem Eingang und machten uns auf, um die Stadt zu erkunden. Ganz verzaubert von den schönen alten Gebäuden kamen wir am Hauptplatz an. Von dort ging die Reise individuell weiter. Wir teilten uns in verschiedene Gruppen auf und suchten einen geeigneten Ort fürs Znacht. Anschliessend liessen wir den Abend in verschiedenen Bars oder im Hostel ausklingen. Wir waren alle so müde von der anstrengenden Reise, dass um 00.30 Uhr alle bereits im Bett waren. Zufrieden und gespannt auf die folgende Woche schliefen wir ein.

Montag, 8.5.17

Ungewöhnlich aber angenehm spät war unser erster Treffpunkt heute Morgen angesetzt. Nach einem einfachen aber nahrhaften Frühstück starteten wir munter in den Tag. Pünkich um 9.45 Uhr ging es mit dem Car los richtung Burg. In den vier Stunden, die uns zur Verfügung standen, konnten wir die Burg von Prag in individuellen Gruppen besichtigen. Das Highlight dabei war der grosse Turm der gotischen Kirche, der über 120m hoch in den Himmel ragte und eine wunderschöne Aussicht über ganz Prag bot. In der ganzen Altstadt rund um die Burg wurde der Befreiungstag von Prag aus dem 2. Weltkrieg mit Musik und Strassenpartys gefeiert. Nach einem kurzen Regenschauer versammelten wir uns schliesslich zum Mittagessen. Dafür war ein Besuch in einem typisch tschechischen Restaurant geplant. Die Karte war voll von tschechischen Spezialitäten und Köstlichkeiten, doch zum Schluss entschieden sich trotzdem fast alle für das Schnitzel. Nach einem deftigen Essen waren wir nun bereit für die dreistündige Probe, die ausserhalb von Prag auf uns wartete. Mit einem Reiseleiter begaben wir uns auf die Suche nach dem Probelokal, wobei wir uns nur dreimal verirrten. Wie sich später herausstellte, hatten wir die Probe bitter nötig. Da wir erst um 15.30 Uhr Zmittag gegessen hatten, war es auch nicht tragisch, dass die Probe bis um 20.15 dauerte. Die Rückfahrt nach Prag verlief wie geplant und wir konnten ab 21.00 den Abend frei nach unseren Wünschen gestalten. Auf dem Plan standen Sushi, KFC oder das Steakhouse. Anschliessend verb6rachten wir den restlichen Abend mit Spielen und interessanten Diskussionen im Hostel.

Dienstag, 9.5.17

Heute besuchten wir den alten Friedhof auf dem die berühmten Komponisten Smetana und Dvorak begraben liegen. Anschließend verbrachten wir bei kalten Temperaturen und bei unangenehmen Windböen zwei Stunden in der Vyšehrad-Burganlage. Um 12:30 fuhren wir dann zurück zu unserem Hostel, mitten in Prag, und verbrachten den Nachmittag in der Stadt. Am frühen Abend machten wir uns auf den Weg zum Konzertlokal im Náprstek Museum. Nach einer kurzen Anspielprobe fand unser einstündiges Konzert statt. Außer der FM leisteten auch noch andere Musikanten einige Beiträge. Eröffnet wurde das Konzert durch "A Klezmer Karnival". Weiter spielten wir auch noch einige Klassiker wie Joshua, Speedy Gonzales oder Tequila, mit welchem wir das Konzert nach einigen Zugaben auch beendeten. Das Abendessen genossen einige von uns mit den Organisatoren des Konzertes in einem typisch tschechischen Lokal, ehe wir zurück zum Hostel gingen.

Mittwoch, 10.5.17

Da gewisse Mitglieder der Studentenmusik am Vorabend im Ausgang waren, waren wir froh, dass wir heute erst um 10.15 bereit sein mussten. Mit Toni und seinem Car fuhren wir in ein Städtchen, das ca. 1 Stunde von Prag entfernt war. Bekannt wurde die Stadt vor allem durch ihre Relevanz in der hussischen Zeit und später durch den Reichtum durch Silberminen. Heute kennt man sie, weil sich dort eine ganz besondere Kapelle befindet. Ganz begeistert erzählte uns Herr Meister die Geschichte der Kapelle, in der sich die ganze Einrichtung aus menschlichen Knochen zusammensetzt. Während den hussischen Kriegen und in der darauf folgenden Pestepidemie starben sehr viele Leute, die auf dem heiligen Platz des Dorfes keinen Platz mehr hatten. Als eine reiche Familie an diesem Ort ein Haus bauen wollte, waren die Baustoffe recht knapp und so beschloss der zuständige Architekt, die Einrichtung aus den vielen Knochen, die keine Verwendung hatten, zu bauen. Als wir in die Kirche eintraten, waren wir beeindruckt. An der Wand hing ein Familienwappen, es gab eine Gebetskammer und sogar einen Kronleuchter aus Knochen. Die Meinung zu dieser 'Kunst' war jedoch recht unterschiedlich, während einige die Knochenmöbelierung geschmacklos oder eklig fanden, gab es durchaus Leute, denen die Kunst gefiel. Anschliessend fuhren wir in die Mitte des Städtchens und luden unser Material für das bevorstehende Konzert aus. Wir assen in verschiedenen Gruppen zu Mittag und um 14.30 gaben wir bei sonnigem Wetter und mit vielen Zuschauern ein Ständchen auf dem Hauptplatz. Anschliessend besichtigte eine kleine Gruppe die Kirche St.Barbara mit Herrn Meister zusammen. Die anderen verbrachten die 3 Stunden mit Shoppen, Jassen oder Sünnele. Um ca. 20.00 Uhr waren wir wieder im Hostel und konnten den Abend frei planen und geniessen. In der Bar direkt vor dem Hostel schlossen wir den Abend gemeinsam ab. 

Donnerstag, 11.5.17

Den letzten Tag begannen wir mit einer gemütlichen Schifffahrt auf der Moldau, welche wir vorüberwiegend mit Jassen oder reden verbrachten. Das Schiff fuhr uns direkt zum Prager Zoo, welcher als der 7. Beste Zoo der ganzen Welt gilt. Zuerst durften wir uns allein auf den Weg machen und uns den Zoo anschauen. Da der Zoo über 650 verschiedene Tierarten besitzt und wir nur wenig Zeit zur Verfügung hatten, mussten wir uns ziemlich schnell dafür entscheiden, was wir uns genau alles ansehen wollten. Von Tigern über Spinnentiere, bis zu Eisbären konnten wir beobachten. Da es sehr warm war wünschten sich mehr als einer ein kaltes Bad bei den Eisbären zu nehmen, um sich ein wenig abzukühlen. Nach dem Mittagessen in einem der dortigen Restaurants mussten wir uns auch schon bald für das Ständchen im Zoo vorbereiten. Nachdem wir alle umgezogen, die Stühle und Notenständer aufgestellt und alle Instrumente aufgebaut waren, ging es auch schon los. Wir spielten für die zahlreichen Zoobesucher unteranderem FM Klassiker wie «Tequila» von Chuck Rio, sowie auch passend zu unserer Umgebung «The Owl» und «The Big Squid» von Marco Martoia. Was auch nie fehlen durfte war natürlich «A Klezmer Karnival» von Philip Sparke. Nach dem Ständchen packten wir alle kräftig mit an und verräumten alles so schnell wir konnten, um danach nochmals für vierzig Minuten durch den Zoo streifen konnten. Es endete damit, dass einige FM-Mitglieder am Schluss zurück zum Car sprinten mussten, um noch rechtzeitig dort zu sein. Nach diesem ermüdenden Tag waren wir mehr als glücklich entspannt im Car sitzen zu können. Da es der letzte Abend war, gingen wir alle gemeinsam in ein italienisches Lokal. Es wurde nochmals über die vergangene Woche gesprochen, über neue Geschichten gelacht und natürlich auch gejasst. Nach dem Essen beschlossen einige FM-Mitglieder dann eine Karaokebar zu besuchen, welche 3 km von unserem Hostel entfernt war und direkt bei KFC und Mac Donalds vorbeiführte, wo sie sich nach dem Singen nochmals eine kleine Stärkung erlaubten, bevor sie die Woche in der Bar neben unserem Hostel ausklingen liessen.

Freitag, 12.5.17

Der Freitag startete früh, denn bereits um 7:30 mussten wir alle im Car sitzen, um dann pünktlich unsere Heimreise zu beginnen. Das Morgenessen bestand aus einem Gipfeli oder Brötchen, welches wir im Car essen konnten. Die Stille, welche den Car an diesem Morgen erfüllte, war für alle ungewohnt, da wir normalerweise immer ziemlich laut waren. Die letzte Nach war ziemlich lang gewesen und musste nun nachgeholt werden. Um circa 13 Uhr hielten wir bei einer Raststätte um uns ein Mittagessen zu gönnen. Danach ging es ziemlich schnell weiter und wir alle hatten mittlerweile wieder etwas Energie zurückbekommen. Der Car füllte sich wieder mit Leben und lauter Musik. Das Wetter war in der Schweiz jedoch nicht so toll wie unsere Laune. Es regnete in Strömen, als wir in Einsiedeln ankamen und alles Material wieder im Gymnasium unterbrachten. Trotz dem Regen endete die Woche mit einer gelassenen Stimmung und viel Freude auf die nächste Reise.


Reise nach Belgien 2016

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Tag 1: Anreise

Bereits am frühen Morgen um 6:30 Uhr besammelten wir uns vor dem Theatereingang und die Vorfreude auf die kommende Woche war deutlich spürbar. Nach dem Verladen des Materials ging die Reise in Richtung Brüssel los, wobei unser letztjähriger Chauffeur Toni erst in Pratteln dazustiess. Es folgte eine etwa siebenstündige Carfahrt, auf der wir Filme wie Herr der Ringe und Frozen schauten und die Zeit mit Jassen vertrieben. Um vier Uhr erreichten wir schliesslich unsere Jugendherberge mitten in Brüssel und hatten Zeit uns einzurichten. 
Anschliessend machten wir uns bei sonnigem Wetter und 25 Grad zum ersten Mal in das Zentrum auf. Von Anfang an haben uns die schönen Gebäude in den Bann gezogen und uns war klar, dass dies eine unvergessliche Zeit wird. Das Nachtessen fand individuell in kleinen Gruppen statt, wobei wir Älteren darauf achteten, auch die Jüngeren mitzunehmen. Der Abend stand uns zur freien Verfügung, wir erkundeten die Stadt und genossen unser erstes belgisches Bier. Es wurden bereits Wetten abgeschlossen, wer am Ende der Woche die meisten von 200 belgischen Biersorten degustiert hat. So ging der erste Tag zu Ende und wir waren gespannt auf die folgenden Tage.



 

Tag 2: Waterloo

Nach unserer ersten Nacht in Brüssel besammelten wir uns um viertelvor zehn Uhr in der Lobby, nachdem wir das Frühstück eingenommen hatten. Heute Morgen stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Während Toni den Car gekonnt durch die engen Strassen Brüssels lenkte, erfuhren wir interessante Fakten über die Stadt und sahen viele Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Atomium und den Königspalast. Auch am Europäischen Kongress und am Kanal fuhren wir vorbei.
Danach kehrten wir in unser Hotel zurück und assen das Mittagessen. Lange verweilten wir jedoch nicht im Hotel, denn bereits um 13:30 fuhren wir weiter. Den Nachmittag verbrachten wir in Waterloo, wo Napoleon seine grösste Niederlage erlitten hat. Ein Audioguide führte uns durch das Museum und ein 4D- Film konnte uns auf eindrückliche Art und Weise ins damalige Geschehen eintauchen lassen.
Dann folgte der wohl sportlichste Teil der FM-Reise: Um zum Denkmal für alle gefallenen Soldaten zu gelangen, mussten wir insgesamt 225 Stufen erklimmen, wobei einige ganz Sportliche einen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad einbauten. Sie missachteten nämlich die Treppe und wanderten den steilen Hang lieber durch das Gras hinauf.
Nach dieser lehrreichen Erfahrung kehrten wir wieder nach Brüssel zurück und liessen den Abend in grösseren Gruppen individuell ausklingen.


 

Tag 3: Leuven

Nach einer eher kurzen Nacht mussten wir heute bereits um 8:00 Uhr mit dem Car in Richtung Leuven losfahren. Dort fanden nämlich unsere ersten zwei Konzerte statt. Im Paridaensinstituut, in dem Schüler von 2 einhalb bis 18 Jahren zur Schule gehen, gaben wir zweimal ein dreissigminütiges Konzert. Besonders den Kleinsten schienen unsere Stücke sehr zu gefallen, denn als unsere Begleiterin Irmgard jeweils die Stücke Frozen, Pirates of the Carribbean und Pokémon ansagte, herrschte rege Begeisterung.
Nachdem wir in der Schule unser Mittagessen eingenommen hatten, stand eine Stadtführung in Leuven auf dem Programm. Das Spezielle daran war, dass sie von Maturanden der Schule durchgeführt wurde, die den Deutschunterricht besuchen. Leider fiel diese Führung wortwörtlich ins Wasser: Kaum hatten wir begonnen, setzte ein sehr heftiger Regenschauer ein, der uns bis auf die Knochen durchnässte. So brachen wir die Führung ab und begaben uns zurück zu der Schule. Da die Schüler jedoch viel Aufwand betrieben hatten, zeigten sie uns in einem Aufenthaltsraum via Google Street View die Stadt. Wir waren beeindruckt, wie gut sie nach nur drei Jahren Deutschunterricht die Sprache beherrschten. Nach einem kurzen Austausch mit den Schülern ging es auch schon zurück nach Brüssel, wo wir unser Nachtessen selber in Gruppen einnahmen. Danach genossen wir den Abend noch beim Spiele spielen oder beim Film schauen.

 

Tag 4: Antwerpen

Um 8:30 Uhr erwarteten uns heute Morgen unsere Begleiter beim Car. In circa einer Stunde erreichten wir Antwerpen, wo Herr Schuler für uns eine Hafenrundfahrt organisiert hatte. Auch wenn wir im Zeitplan hintendrein waren, erreichten wir das Schiff nach einem halbstündigen Fussmarsch durch die Stadt rechtzeitig und sonnten uns auf dem Deck. Zwei Stunden lang fuhren wir durch den Hafen der wichtigsten Handelsstadt und versuchten holländischen Erklärungen aus den Lautsprechern zu verstehen. Wir alle waren von seiner Grösse und dem steten Treiben beeindruckt. Ganz im Gegensatz zu gestern hatten wir heute Glück mit dem Wetter. Wir genossen das warme Wetter und den Fahrtwind und Herr Schuler ermahnte uns, die Sonnencreme nicht zu vergessen. Trotzdem kehrten einige am Abend mit einem leichten Sonnenbrand nach Hause. Anschliessend begaben wir uns gemeinsam ins Zentrum der Stadt. Das Mittagessen nahmen wir individuell ein und erkundeten danach auf eigene Faust Antwerpen, das auch als schönste Stadt Belgiens bezeichnet wird. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die älteste Holzrolltreppe der Welt. Sie führt in einen unterirdischen Gang, der unter dem Kanal hindurch führt und das Passieren des Kanals erleichtert. Auch das Mas-Gebäude war sehr interessant und verschaffte uns einen schönen Ausblick über die ganze Stadt. So verbrachten wir einen erlebnisreichen Nachmittag und wollten fast nicht nach Brüssel zurückkehren. 
Am Abend, nach Brüssel zurückgekehrt, spürten wir alle die Anstrengung und Hitze des Tages und gingen entsprechend früh ins Bett, um morgen für unser nächstes Konzert wieder fit zu sein.

 

Tag 5: Ieper, Oostende

Kurz nach 8:00 Uhr ging es heute mit dem Car los, denn uns stand die längste Busfahrt innerhalb Belgiens bevor. Meistens nutzen wir die Busfahrt, um den Schlaf der vergangenen Nacht nachzuholen, oder um Spiele zu spielen. In Ieper angelangt, machten wir uns für das nächste Konzert im College Ieper bereit. Wir spielten unser bisher bestes Konzert in einem vollen Saal und wurden dafür mit entsprechend viel Applaus beehrt. 
Nach dem Mittagessen fand auf dem Pausenplatz ein Fussballspiel statt, bei dem vor allem die männlichen Mitglieder der FM mit der grossen Trommel und Fangesängen Stimmung machten. Dies weckte in uns die Lust, selber auch ein Fussballspiel zu veranstalten. Es spielten die Flöten zusammen mit den Klarinetten und den Schlagzeugern gegen den Rest und wir hatten sehr viel Spass dabei. Verschwitzt aber zufrieden stiegen wir danach wieder in den Bus ein und fuhren nach Oostende an die Nordsee. Dort war sehr beeindruckend, wie sich, nicht wie sonst, die Wege der einzelnen Gruppen trennten, sondern wir alle gemeinsam den Nachmittag am Meer verbrachten. Im Sand spielten diesmal die ältere Generation der FM gegen die doppelt so vielen Junioren und so gingen die zwei Stunden wie im Flug vorbei. 
Der Abend stand uns dann zur freien Verfügung, nachdem wir wieder nach Brüssel zurückgekehrt waren.

 

Tag 6: Zevenkerken, Gent

An unserem letzten Tag in Belgien machten wir uns morgens um 8:30 Uhr auf zu unseren letzten zwei Konzerten. Diese gaben wir in der Abdijschool in Zevenkerken, einer Klosterschule in einem Gebäude im Stil von Harry Potter, welches von einem riesig scheinenden Wald umgeben ist. Wir spielten für die Schüler zwei halbstündige Konzerte im Freien und einige unserer Mitglieder wirkten anschliessend im Deutschunterricht der Schule mit, während die anderen die Zeit mit Fussballspielen verbrachten. Es fand ein interessanter Austausch statt, wobei beide Seiten viel Interessantes über das andere Land und desssen Sitten erfuhren.
Ungefähr um 14:00 Uhr fuhren wir weiter nach Gent, wo wir zum letzten Mal auf dieser FM-Reise eine Stadt besichtigten. In verschiedenen Gruppen begaben wir uns auf Erkundungstour und der eine oder andere genoss noch einmal beim sonnigen Wetter ein Eis.
Am Abend war bereits wieder Kofferpacken angesagt, bevor wir die FM-Reise in einem Irish-Pub, einer Karaoke-Bar, oder einfach im Hotelzimmer ausklingen liessen.


Tag 7: Adieu Belgien
Für viele von uns war die letzte Nacht nur eine sehr kurze, bevor wir am Morgen nach dem Frühstück pünktlich um 8:00 Uhr unsere Heimreise starteten. Entsprechend ruhig war es dann auch die ersten paar Stunden im Bus, bis wir am Mittag auf einer Raststätte unsere Mahlzeit einnahmen. Nur noch vier Stunden trennten uns da von unserem Zuhause und diese verbrachten wir mit Kartenspielen, einem Film und beim Musikhören.
Unsere Ankunft beim Theatereingang um 16:45 Uhr bedeutete dann das Ende der diesjährigen FM-Reise, die nicht nur für die Maturanden, sondern auch für Herrn Schuler und Irmgard Fuchs die letzte war.
An dieser Stelle wollen wir herzlich unserem Chauffeur Toni und unserer Begleiterin Irmgard danken, für die Tollen Fahrkünste in den engen Strassen und das Mitorganisieren der Reise, aber auch besonders unserem Dirigenten Herrn Schuler. Zwanzig Mal ist er mit der Studentenmusik in verschiedene Länder gereist und hat so viel Zeit und Mühe darin investiert, den FM-Mitgliedern Jahr für Jahr unvergessliche Reisen zu verschaffen. Vielen Dank für alles! 
Wir sind uns sicher, dass diese Reise uns allen in guter Erinnerung bleiben wird.

 

Die Aktuarinnen Deborah und Zoe

Reise nach Graz und Maribor 2015

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1. Tag / Sonntag, 26. April

Morgens um halb sieben versammelten wir uns müde, aber motiviert beim Theatereingang. Nachdem alles verladen und der Car bereit war, fuhren wir in Richtung Graz los. Auf der Fahrt, die wir zum ersten Mal mit Ochsner-Reisen unternahmen, vertrieben sich die einen die Zeit mit Filmen oder Spielen, die anderen mit Schlafen. Nach dem Mittagessen auf einer unerwartet idyllischen Dachterrasse einer Raststätte gab es zum Dessert selbstgebackene Muffins unserer alljährigen Begleiterin Andrea Kälin, die dieses Jahr leider nicht mitkommen konnte. 

Wir hatten auf der Reise sehr sonniges Wetter. Nur als wir um halb fünf in Graz ankamen, regnete es für einen kurzen Augenblick, doch bald darauf lichtete sich der Himmel wieder. Nachdem wir uns im Hotel eingerichtet hatten, erkundeten wir zum ersten Mal die Altstadt von Graz. Ihre ruhige Atmosphäre gefiel uns auf Anhieb. Anschliessend assen wir gemeinsam in einem lokalen Restaurant ein Riesenschnitzel, unter welchem der Teller nur noch knapp erkennbar war. Den restlichen Abend liessen wir individuell ausklingen.

 

2.Tag / Montag, 27. April

Heute Morgen um neun Uhr fuhren wir, gestärkt von einem üppigen Frühstück, los. Im Stiftsgymnasium St. Paul gaben wir unser erstes Konzert und erzielten vor allem beim jüngeren Publikum einen grossen Erfolg. Die Schüler waren voller Enthusiasmus dabei und bei 'Gangnam Style' tanzte sogar ein Schüler auf der Bühne vor. Immer wieder erfuren sowohl die Schüler des Stiftsgymnasiums, als auch wir Wissenswertes über die Verbindung zwischen dem Kloster Einsiedeln und St. Paul. Ein Beispiel wäre, dass sie eine gemeinsame Gebetsgemeinschaft haben und gegenseitig für ihre Verstorbenen beten. Nach den zwei Konzertteilen mit einer Viertelstunde Pause dazwischen wurden wir vom Schulleiter zu einem köstlichen Mittagessen mit Dessert eingeladen. 

Wieder im Hotel angelangt, stand uns der Nachmittag zur freien Verfügung. Die einen nutzten die Zeit, um shoppen zu gehen, andere um eine Siesta zu halten, damit sie fit für den Abend waren. Das Nachtessen und den restlichen Abend verbrachten wir in kleineren Gruppen. 

 

3.Tag /  Dienstag, 28. April

Schon um viertelvor acht war heute die Abfahrt des Cars. Leicht verspätet durch den Morgenverkehr kamen wir beim Bischöflichen Gymnasium Graz an. Dort spielten wir für die Unterstufe und liessen die Schüler am Schluss unsere Instrumente ausprobieren. Anschliessend folgte ein aussergewöhliches Programm: Wir hatten nämlich die Möglichkeit, uns mit dem Chor des Gymnasiums auszutauschen. Zuerst spielten oder sangen wir für einander. Danach sangen wir gemeinsam einige Lieder. Schliesslich hatten wir noch Zeit, uns auszutauschen und nach gewissen Startschwierigkeiten begannen bald viele Gespräche. Zum Mittagessen begaben wir uns in die Mensa.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel ging der Tag mit einer Stadtführung weiter, die wir trotz Regen interessiert angingen. Wir erfuhren einiges von Graz: Beispiele wären, dass ihre Altstadt Unesco-Weltkulturerbe ist, oder dass sie zur Designerstadt gewählt wurde. Der Guide führte uns zu sehenswerten Gebäuden und Innenhöfen, wie dem Kunsthaus, der Murinsel und der ehemaligen Burg des Kaisers. Im berüchtigten Bermuda-Dreieck bekamen wir noch den Tipp für den Abend und so genossen die meisten von uns nach der Stadtführung das Nachtessen beim Italiener. 

 

4. Tag / Mittwoch, 29. April

Am Mittwoch Morgen begann unser Tag mit einer Führung durch das Schloss Eggenberg. In zwei Gruppen betrachteten wir die Prunksäle, den Planetensaal und die Wohnräume. Speziell war, dass alles im Schloss nach dem Kalender gerichtet ist: Zum Beispiel beseitzt es 365 Aussenfenster für die 365 Tage im Jahr, oder vier Türen für die vier Jahreszeiten. Wieder in Graz angelangt, assen wir ein gemeinsames Mittagessen im Restaurant Gösser Bräu. Es gab Knödel mit Schweinsbraten und Sauerkraut. 

Danach nahmen wir an einer speziellen Führung teil, dem "Kriminaltango". Uns wurden wahre Gruselgeschichten erzählt, die sich im Mittelalter in der Stadt Graz abgespielt hatten. Immer wieder tauchten unerwartet Schauspieler auf, die uns in die damalige Zeit zurück versetzten. Wir hörten Geschichten, wie die einer Frau, die erdrosselt und zerstückelt worden war, oder die Geschichte des Herzenfressers. Die Führung beendeten wir mit einem Henkersmahl und Limonade für die Kleinen und Weisswein für die Grossen. Anschliessend stand uns der Abend zur freien Verfügung.


5.Tag / Donnerstag,  30. April

Am Donnerstag stand Maribor auf dem Programm. Glücklicherweise konnten wir ausschlafen, da wir erst um halb zehn losfahren mussten. Nach der einstündigen Carfahrt gelangten wir beim Einkaufszentrum Europark an, in welchem wir shoppen konnten. Um viertel nach zwei Bestand die Möglichkeit einer freiwilligen Führung durch die Stadt Maribor. Diese Gruppe sah sich unter anderem die Universität von Maribor, den Wasserturm und die Maria-Säule an, während sich die anderen in Shops wie H&M, Zara, Hugo Boss mit Kleidung eindeckten. Um fünf Uhr gaben wir ein dreiteiliges Konzert im Einkaufszentrum. Unser Busfahrer Toni überraschte uns alle immer wieder, als er plötzlich an einem anderen Ort auftauchte und lautstark applaudierte. Mit mitreissenden Stücken konnten wir rasch viele Zuschauer gewinnen und Lob ernten. Für alle von uns war es eine neue Erfahrung,  denn noch niemand hatte jemals zuvor in einem Einkaufszentrum vorgespielt. Kaum war das Konzert zu Ende, mussten wir auch sofort wieder alles zusammenpacken und die Rückfahrt nach Graz antreten. Wieder im Hotel angekommen, konnten wir selbst bestimmen, wie wir den restlichen Abend verbringen wollten. Da dies der letzte Abend war, wurde natürlich noch mal richtig gefeiert.


6. Tag / Freitag, 1. Mai

Nach einer ziemlich kurzen Nacht mussten wir leider schon die Rückreise antreten. Die Woche ist für alle wie im Flug vergangen und wir wären am liebsten noch viel länger geblieben. Der Zusammenhalt der Gruppe war besonders gross dieses Jahr. Wenn immer es möglich war, gingen wir in möglichst grossen Gruppen zusammen essen und man hat viele neue Freunde dazugewonnen. Auch die Fahrt ging schnell vorbei und schon war es wieder an der Zeit sich zu verabschieden und allen zu danken: Herr Schuler und Frau Fuchs haben wieder einmal eine Tolle Reise mit interessanten Begegnungen und guten Konzerten auf die Beine gestellt und auch unser neuer Busfahrer Toni hat uns sehr kompetent und mit vollem Eifer begleitet. Als wir von einander Abschied nahmen war allen klar: Diese FM-Reise wird uns in Erinnerung bleiben.


Zoë Schönbächler und Deborah Züger

Reise nach Nürnberg 2014

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NÜRNBERG und UFFENHEIM 2014

 

REISE DER STUDENTENMUSIK EINSIEDELN   27. April - 1. Mai

                            

 

In einem Interview mit dem Einsiedler Anzeiger kurz vor unserer Reise nach Deutschland sagte ich, dass das Wichtigste für mich das Gemeinschaftserlebnis sei. Und genau das durfte ich auf dieser Reise wie noch selten erleben. Es war toll, wie die älteren FM-Mitglieder die jüngeren und jüngsten integriert und mitgenommen und sich um sie gekümmert haben. Und für den ältesten Teilnehmer (für die Besucher des Laetarekonzertes: den Old man) war folgendes ein neues Erlebnis: man (eigentlich müsste ich da wohl eher „frau“ schreiben) scheute sich nicht, an den Tisch des Leitungsteams zu sitzen. So geschehen beim ersten Nachtessen oder auch beim Frühstück am Mittwochmorgen. Ich habe diese Kontakte sehr geschätzt und genossen!

 

Routine und Kondition

Im vergangenen Sommer hat die Studentenmusik beinahe die Hälfte ihrer Besetzung verloren und im Herbst begann der Wiederaufbau. Ganz krass war es für das Schlagzeugregister, in dem alle vier Instrumentalisten neu waren. Leider konnten nur drei von ihnen in Deutschland dabei sein; Luca musste wegen Krankheit zu Hause bleiben. In den insgesamt sieben Auftritten haben sich alle Neuen der FM die nötige Routine geholt, welche bisher etwas gefehlt hat. Und besonders bewundernswert war die Kondition, welche gerade die Instrumentalistinnen und Instrumentalisten mit den etwas strengeren Blasinstrumenten bewiesen. Bei sämtlichen Blechblasinstrumenten ist es momentan so, dass jede Stimme nur gerade durch ein Mitglied besetzt ist! Es brauchte also sehr viel Kraft und Können, um in den beiden Schulen, in denen wir auftraten, je dreimal 45 Minuten durchzuhalten, auch wenn dazwischen jeweils eine kurze Pause lag. Ich hatte im Voraus ziemlich Angst, wie das unsere jungen Leute durchstehen würden, aber es war wirklich erschlagend, wie viel Energie alle hatten und sich bis zum Letzten einsetzten.

 

Deutsch oder Boehm?

Wir spielten am Montag in der Grundschule der Stadt Stein drei Programme für die dortigen Schülerinnen und Schüler, wobei beim letzten Auftritt auch die Bläserklasse des Gymnasiums Stein anwesend war. Am Dienstag traten wir dann in der Erich-Kästner-Schule in Reichelsdorf, einem Stadtteil von Nürnberg, in ähnlichem Rahmen auf.

Es war mit den Schulleitungen abgesprochen, dass wir nicht nur unsere Stücke spielen, sondern auch etwas Instrumentenkunde machen. Es war unglaublich, welche Kenntnisse die Kleinen an der Schule in Stein an den Tag legten. Ein Knirps fragte sogar, nach welchem System unsere Klarinettisten spielen; Deutsch oder Boehm? Luzia gab dann die entsprechende Antwort.

Einmal mehr haben es wohl alle genossen, für diese Altersstufe zu spielen. Auch wenn es zum Teil etwas unruhig werden kann, ist es jedes Mal sehr dankbar, die Reaktionen und auch das engagierte Mitgehen der Kinder zu erleben.

 

Shoppen, Schuhe und Sauna

Am Montagnachmittag nach den drei Auftritten und dem Pizzaessen im Lehrerzimmer der Grundschule in Stein waren alle von der Stadt ins Freizeitbad Kristall Palm Beach eingeladen. Das ist vergleichbar mit dem Alpamare und natürlich haben das alle sehr genossen. Es waren allerdings nicht ganz alle dort. Ein Erkälteter, Gesamtleiter Marcel und Chauffeur Marcell verzichteten auf die diversen Rutschen und den freien Fall über 16 Meter im Palm Beach und begaben sich auf Shopping-Tour in Stein. Das Resultat waren mehrere Bleistifte, Kugelschreiber und Radiergummis, welche im Fabrikshop von Faber-Castell erstanden wurden. Und ausnahmsweise waren es nicht die Frauen, welche Schuhe posteten, sondern die beiden Ältesten im Team. Natürlich waren wir entsprechend stolz auf unsere Errungenschaften.

Am Mittwoch gab es im doch recht straffen Programm etwas Freizeit und einige haben offenbar die Sauna im Hotel genutzt.

 

Geister und Henker

Am Montagabend begaben wir uns mit dem Schauspieler Marco Kirchner auf Geister-Tour. An verschiedenen Orten machten wir auf dem eineinhalbstündigen Spaziergang Halt und bekamen jeweils eine Geistergeschichte zu hören. Wir wissen nun, weshalb der heilige Sebaldus ausgerechnet am jetzigen Ort begraben wurde, wie ein Nürnberger Ratsherr des Hochverrates überführt und im Fünfeckturm eingemauert wurde oder wie der Besuch des Paracelsus in Nürnberg abgelaufen ist. Auch wissen wir jetzt, wie wir uns gegen die Trud – ein weiblicher Geist, der sich einem des Nachts auf die Brust setzt, so dass man nicht mehr rufen und kaum mehr atmen kann – schützen können. Eine Möglichkeit ist, sich eine Schüssel mit Reiskörnern auf die Brust zu stellen, so dass die Trud bis zum Morgen mit Zählen beschäftigt ist. Dann gute Nacht…

Am Dienstagabend informierte uns die Nachtwächterin auf sehr anschauliche Art über die Arbeit des Henkers. Henker Gregor folterte Klarinettistin Luzia – allerdings war sie sehr standhaft und nicht zum Geständnis zu bewegen. Kapellmeister Andreas erging es noch schlimmer; er wurde aufs Rad geflochten, nachdem ihm die Knochen zerschlagen worden waren.

Am Dienstagnachmittag hatten wir das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und das Gelände selbst besucht. Da stockte wohl mehreren von uns der Atem, die Grausamkeiten des dritten Reiches dokumentiert zu sehen und am Ort zu stehen, wo Hitler seine Hetzreden vor Hunderttausenden von sich gegeben hatte. Dies war der einzige Museumsbesuch, bei dem ich verlangte, dass alle dabei waren. Es ist mir wichtig, diese historischen Fakten zu zeigen und die Erinnerung daran nicht vergessen zu lassen.

Alle anderen Museumsbesuche und Führungen waren freiwillig und ich war sehr erstaunt, dass immer der grösste Teil der Teilnehmer dabei war und grosses Interesse am Dargebotenen zeigte, auch wenn die Temperaturen und zeitweise der Regen nicht immer angenehm waren.


Behaim und Rembrandt

Ein spezieller Höhepunkt war sicher der Besuch im Germanischen Nationalmuseum am Mittwochmittag. Der Stellvertreter des Generaldirektors, Dr. Daniel Hess, ist ein Ehemaliger der Studentenmusik und arbeitet bereits seit 15 Jahren im Museum.

Er hat uns zu einer stündigen Führung eingeladen, um einige Besonderheiten des Museums zu zeigen und auch aus seiner Arbeit zu erzählen.

So sahen wir den ältesten erhaltenen Globus, den Erdapfel von Martin Behaim aus dem 15. Jahrhundert und Daniel Hess brachte uns auf eindrückliche Weise die unglaublichen Umbrüche jener Zeit nahe. Die Welt veränderte sich damals innert 30 Jahren mit der Entdeckung Amerikas und weiterer Teile der Erde grundlegend, wie wir uns das heute kaum vorstellen können.

Weitere Besonderheiten waren ein Selbstbildnis von Rembrandt, verschiedene Werke des Nürnbergers Albrecht Dürer und dann natürlich die Musikinstrumente. So sahen wir die älteste Klarinette, die älteste noch erhaltene Posaune und eine ganze Reihe von Tasteninstrumenten, unter anderem ein Instrument, auf dem möglicherweise Mozart gespielt hat. Die im Voraus verabredete Stunde wurde natürlich weit überschritten und es hätte wohl niemanden von uns gestört, wenn die Führung noch länger gedauert hätte.

Am Mittwochabend fuhren wir nach dem gut 70 km entfernten Uffenheim, um dort das Walpurgisfest musikalisch zu eröffnen. Nicht nur der Regen, auch die etwas mangelhafte Organisation – die nach uns spielende Band hätte eigentlich während unseres Auftrittes die Bühne einrichten sollen – drückte etwas auf die Stimmung. Wir mussten unseren Auftritt vorverlegen und abkürzen, dafür durften die FM-Mitglieder dann die Kilbi-Bahnen gratis benutzen und so hat es sich schliesslich doch noch gelohnt, die Reise nach Uffenheim zu machen.

Zum Schluss danke ich meinem Mitarbeiterteam, den beiden Assistentinnen Irmgard Fuchs und Andrea Kälin und dem Chauffeur Marcell Schuler, ganz herzlich für ihre Arbeit und dafür, dass ich mich immer vollständig auf sie verlassen darf. Ebenso danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre. Ich musste sie zum Glück nicht in Anspruch nehmen.

Ich danke auch den Verantwortlichen an den Schulen und den Bürgermeistern von Stein und Uffenheim für ihre Einladungen, meinen Freunden Christa und Hubert Henn für ihre Mithilfe bei der Vorbereitung und Daniel Hess für seine spontane Einladung ins Germanische Nationalmuseum.

Und ohne die Eltern und Sponsoren, welche die Reise finanzierten, wäre gar nichts möglich gewesen. Ihnen gehört der grösste Dank.

Und allen Mitgliedern der Studentenmusik mache ich ein grosses Kompliment für ihre Disziplin – es gab nicht den geringsten negativen Vorfall – und ihre Ausdauer und Konzentration beim Musizieren und ebenso ihre hohe soziale Kompetenz. Es war für mich eine riesige Freude, mit euch unterwegs zu sein!

 

 

Marcel Schuler


Reise nach Luxembourg 2013

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REISE DER STUDENTENMUSIK EINSIEDELN   29. April - 3. Mai

                            


An altvertrauten Orten mit neuen Musikern

Nach Möglichkeit versuche ich immer, ein Reiseziel auszuwählen, das möglichst wenigen bekannt ist. In den vergangenen zwei Jahren ist es mir gelungen die Mitglieder der Studentenmusik an Orte zu führen, wo sie vorher noch nie waren.

Obwohl Luxemburg vergleichsweise nahe liegt – von Einsiedeln bis dorthin sind es 480 km – kannte noch kein FM-Mitglied dieses Land. Ich selbst war nun zum vierten Mal dort und konnte bei der Vorbereitung der Reise auf die Kontakte bauen, welche mir bereits 2004 Auftritte mit der Studentenmusik in Luxemburg ermöglichten. Damals schrieb ich verschiedene Schulen und die zuständige Stelle der Stadt Luxemburg an und ohne grosse Schwierigkeiten fand ich Möglichkeiten, um mit der FM aufzutreten.

Und offenbar hat es unseren jungen Leuten dort gefallen. Die Stadt ist von zwei Tälern durchzogen – wir wohnten in der Jugendherberge im Pfaffental – und ich finde das Nebeneinander von Alt und Neu – da stehen neueste Bauten neben Ruinen aus dem Mittelalter in architektonischer Harmonie – jedes Mal faszinierend.

Ein Begleiter-Team, das sich blind vertrauen kann

Wie in den vergangenen Jahren durfte ich wieder mit meinen Assistentinnen Irmgard Fuchs, Andrea Kälin und Busfahrer Marcell Schuler zusammenarbeiten. Es ist toll, solche Mitarbeiter zu haben, die ohne viele Worte wissen, was zu tun ist und die jeweils von selbst darauf kommen, wann und wo auf was zu achten ist. Und dass Marcell und ich nicht nur im Bus gut zusammenarbeiten können, haben wir im Lycée Josy Barthel in Mamer beim Tischfussballmatch gegen Inês und Julia siegreich bewiesen.

Allen meinen Mitarbeitern bin ich unendlich dankbar. Ohne sie ginge gar nichts!

Tischfussball ist allerdings bedeutend einfacher, als mit den Verkehrsverhältnissen in Luxemburg zurecht zu kommen. Ein älterer Fremdenführer der Stadt erklärte mir, dass man mindestens ein Jahr in Luxemburg gelebt haben muss, um sich mit den komplizierten Strassenführungen auszukennen. Unsere grösste Schwierigkeit war, dass wir wohl zwei Navigationsgeräte zur Verfügung hatten, aber nicht einen PW, sondern einen Reisecar jeweils ans Ziel bringen mussten. Manchmal war es fast Cabaret-reif, wie sich TomTom und Garmin widersprachen und wir uns dann für eine ganz andere Route entscheiden mussten. Zum Glück kannte ich die meisten Strecken von der letzten Reise und der Reko-Reise im Februar her und wusste, unter welchen Brücken der Bus nicht durchfahren konnte oder auf welchen Brücken er zu schwer gewesen wäre. So trafen wir eine belgische Gruppe, welche zu Fuss die letzte Strecke zur Jugendherberge bewältigen musste, weil ihre zwei Reisecars von der falschen Seite anfahren wollten und prompt stecken blieben.

Als wir zu unseren letzten Auftritten am Lycée technique des Arts et Métiers fahren wollten, hielt uns an einer Abzweigung ein entgegenkommender Luxemburger Autofahrer auf und hinderte uns an der Weiterfahrt. Auf meine Frage, was los sei, erklärte er mir, dass auf unserem Weg alle Strassen völlig verstopft seien und man nicht weiterkäme. Er zeigte mir dann die alternative Route zu unserem Ziel und durch zum Teil beängstigend enge Strassen kamen wir trotzdem pünktlich an.

Die Studentenmusik unter Tage

Da ich unseren jungen Musikern immer auch etwas Spezielles vom Land, in dem wir sind, zeigen möchte, suche ich jeweils besondere Attraktionen. Dass wir in den letzten fünf Jahren dabei gleich drei Mal tief unter der Erde waren, ist Zufall. 2008 besuchten wir das Silberbergwerk Schauinsland bei Freiburg i. Br., vor zwei Jahren die Höhlen von Postojna in Slowenien und diesmal das Musée National des Mines in Rumelange. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre wurde im Süden von Luxemburg Eisenerz abgebaut und seit 1973 ist das ehemalige Bergwerk von Rumelange als Museum eingerichtet.

Am Vormittag des 1. Mai fuhren wir mit dem Bus zum Bergwerk und wurden dort zuerst mit den notwendigen Helmen ausgerüstet. Dass die Temperatur unter Tage konstant bei 8° liegt, wussten wir zum Voraus, allerdings nahmen das unsere Musikerinnen und Musiker unterschiedlich ernst. Ich hoffe, dass alle die Ferien nun ohne Erkältung geniessen können. Der Vater unseres Führers Dario war bei den letzten Arbeitern im Bergwerk von Rumelange und schon als Kind oft dort. Entsprechend engagiert führte er uns durch die Gänge der Eisenerz-Mine und erklärte uns die Geschichte und die Technik des Abbaus.

Konzerte, Shoppen und Freizeit (oder wie bringt man alles unter einen Hut)

Wir traten an zwei Schulen und auf dem Hauptplatz von Luxemburg, der Place d’Armes, auf. Im Lycée Josy Barthel in Mamer spielten wir drei Programme – zwei vor und eines nach dem Mittagessen – für den grösseren Teil der 1250 Schülerinnen und Schüler, welche begeistert mitmachten und sogar tanzten, wenn wir Gangnam Style spielten. Im Lycée technique des Arts et Métiers spielten wir am Vormittag zwei Programme hintereinander und bekamen vor dem Mittagessen noch eine Führung durch die Räumlichkeiten der Schule. Auch wenn hier die Stimmung etwas zurückhaltender war als in Mamer, gab es doch einige spezielle und sogar sehr persönliche Momente. Da kamen am Schluss einige der älteren Schüler zu mir, gaben mir die Hand und dankten. Einer der jüngsten wollte kurz mit mir sprechen und bat mich darum, für seine angebetete Kollegin, die heute Geburtstag hat, Happy Birthday zu spielen. Wir haben es dann gesungen. Hoffen wir, dass er sein Ziel erreicht hat…

Dass wir am 1. Mai um 16 Uhr auf der Place d’Armes auftreten durften, haben wir dem Umstand zu verdanken, dass die Kulturverantwortliche der Stadt, Frau Christine Kieffer, unseren Auftritt von 2004 in so positiver Erinnerung hatte, dass sie uns ohne Zögern engagierte.

Die Konzertprogramme waren zum Teil recht anstrengend, besonders am Dienstag in Mamer. Niemand war wohl unglücklich, dass ich die anschliessende Stadtrundfahrt auf „Fahrt“ beschränkte und den „Fuss“-Teil wegen Regens und Müdigkeit absagte. Einige gingen dann in der Jugendherberge sogar noch ein wenig schlafen. Drei Auftritte mehr oder weniger hintereinander sind doch recht anstrengend!

Der Mittwoch war mit dem Ausflug ins Bergwerksmuseum und dem Konzert am Nachmittag auch einigermassen ausgefüllt und als unsere Girls merkten, dass am 1. Mai die Geschäfte geschlossen sind, haben sie fast mit Panik reagiert und fragten mich, wann sie denn endlich zum Shoppen kämen… Das konnten sie dann am Donnerstagnachmittag in Trier nachholen.

Unsere Reisen sollen ja nebst Konzert- auch Ferienreisen sein. Wir wollen zusammen Musik machen, aber auch die Freizeit geniessen. Der Billardtisch und vor allem die Pingpong-Tische in der Jugendherberge wurden auch rege benutzt.

Die Studentenmusik als Lebensschule

Auch diesmal ist es mir aufgefallen, dass die jüngeren Musikerinnen und Musiker oft zusammen mit älteren etwas unternommen haben. Und so soll es auch sein. Dieser Kontakt über die eigene Klasse hinaus ist für mich ein wesentlicher Grund, in der Studentenmusik mitzumachen.

Und für einige war es schon fast ein Überlebenstraining, mit Hilfe des Stadtplanes den Heimweg oder beim Zwischenhalt in Strassburg bei der Heimreise den Bus wieder zu finden. Ganz toll fand ich die Girls, welche mit dem Tram in die falsche Richtung fuhren und mir am Telefon dann beruhigend sagten, sie hätten es völlig im Griff und seien nun auf dem richtigen Weg.

Dass die Mitglieder der Studentenmusik auf dem richtigen Weg sind, erfuhr ich auch in der Jugendherberge. Vor der Abreise kam ein Angestellter, der im Restaurant der Herberge arbeitet, auf mich zu, wünschte uns eine gute Reise und bemerkte, dass unsere Gruppe äusserst positiv aufgefallen sei mit ihrem Verhalten. Dasselbe hörte ich dann von der Herbergsleitung, als ich mich verabschiedete. Das macht Freude und Mut zum Weiterarbeiten und Planen der nächsten Reise.

Allerdings müssen noch einige Maturandinnen etwas daran arbeiten, die Uhr richtig zu lesen. Vielleicht hätte ich für diese ein eigenes Programm drucken sollen, in dem alle Zeiten um zehn Minuten früher angesetzt sind…

Nebst meinen Mitarbeiterinnen Irmgard und Andrea und meinem Mitarbeiter Marcell danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat. Dass nie ein Medikament nötig war auf dieser Reise ist ein weiterer erfreulicher Punkt!

Unsere Flötistinnen Inês Camilo und Céline Kälin, welche im Sommer ihre Matura machen und uns also verlassen werden, stellten nicht nur den jeweils aktuellen Bericht ins Internet, sondern bildeten auch gleich ihre Nachfolgerinnen Zoe und Deborah aus! Herzlichen Dank für diesen Aufwand!

Den FM-Mitgliedern danke ich für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Konzentration während der Konzerte – ihr habt wirklich toll gespielt – und das tadellose Verhalten. Wir haben eine Reise hinter uns, von der ich sagen kann, dass alles positiv war und niemand auf irgendeine Weise negativ aufgefallen wäre.

Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell ermöglicht haben!

Marcel Schuler


Reise nach Polen 2012

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Eine lange Vorbereitungszeit und eine weite Reise


Nachdem wir vor einem Jahr von unserer Reise nach Slowenien zurückgekehrt waren, schrieb ich im Reisebericht, dass ich daran sei, die nächste FM-Reise zu planen und die ersten Kontakte bereits hergestellt seien. Ebenso erwähnte ich, dass es mir wichtig ist, nicht nur Konzerte zu geben, sondern dass auch der Kontakt untereinander gefördert und das Blickfeld erweitert werden soll. Das Polen-Projekt war damals bereits am Gären. Meine Freunde in Polen haben dann sehr viel Arbeit geleistet, bis unsere Reise dorthin tatsächlich möglich wurde.


Und nicht nur die Vorbereitungszeit war lange, sondern auch die Reise! Wir sind sehr lange mit dem Bus gefahren, bis wir am Ziel waren!


Ich habe den Vorschlag unseres Busfahrers Marcell Schuler, mit dem ich jetzt zum zwölften Mal unterwegs war, aufgenommen und habe die Hinreise auf die Nachtstunden verlegt. Man kommt so natürlich zügiger vorwärts als am Tag, allerdings haben wohl die wenigsten gut schlafen können.


Die vielstündige Fahrt über die 1000 Kilometer ist nur mit zwei Fahrern zu bewältigen und wurde deshalb möglich, weil Marcell’s Kollege Christoph Reber eine Ferienwoche opferte und uns begleitete. Wir boten dafür den kostenlosen Aufenthalt und konnten die Erfahrung eines solchen Unternehmens weitergeben.


Dass die Reise dann durch einen Stau noch um gut eineinhalb auf 15 Stunden verlängert wurde, habe ich im Voraus für möglich gehalten, hoffte aber, dass keine solche Widrigkeiten eintreten würden. Das taten sie dann aber doch… Ein Lastwagen kippte bei einem Überholmanöver, verteilte 25 Tonnen Abbruchmaterial über die ganze Autobahn und blieb mit den Rädern nach oben im Strassengraben liegen. Es war kein schöner Anblick!


Nach der Ankunft im temperaturmässig hochsommerlichen Breslau blieb uns eine Stunde, um uns im Hostel Mleczarnia einzurichten, bevor wir uns beim Mittagessen mit ostpolnischen Spezialitäten stärkten.


 


Ein Begleiter-Team, auf das ich mich blind verlassen konnte


Wie in den vergangenen Jahren durfte ich wieder mit meiner Assistentin Irmgard Fuchs und Busfahrer Marcell Schuler zusammenarbeiten. Und wie schon erwähnt, kam neu als Fahrer Christoph Reber hinzu. Aus ganz besonderen Gründen kam unser Chemielehrer Pater Georg mit. Als ich ihm im letzten Herbst von unserem Breslau-Projekt erzählte, sagte er mir, dass seine Vorfahren von dort kommen, worauf ich ihm sagte, dass er doch mit uns reisen solle. Und so ist das dann auch geschehen. P. Georgs Vorfahren waren als Kirchen- und Kunstrestauratoren tätig und sein Grossvater wanderte von Breslau nach Einsiedeln aus. An einem freien Nachmittag ging ich mit P. Georg zusammen auf die Suche nach dem Atelier seines Grossonkels und wir wurden prompt fündig. Es war auch für mich ein besonderer Moment, vor diesem Haus zu stehen. Weniger, weil ich dazu eine persönliche Beziehung habe wie das bei P. Georg der Fall ist, sondern wegen der Umgebung, in der das Haus steht. Man geht zuerst durch eine Wohnstrasse in der Nähe des Bahnhofs, dann durch einen Durchgang in einen riesigen Hinterhof und man hat das beklemmende Gefühl, dass der Zweite Weltkrieg grad erst vor ein paar Wochen zu Ende gegangen ist. Der Anblick dieser alten Häuser mit den abgebrochenen Teilen, bei denen man noch sieht, dass da mal Wohnungen waren, die aber durch Bomben zerstört worden waren, jagten mir kalte Schauer über den Rücken. Und da leben Menschen. Hier wurden die gewaltigen sozialen Unterschiede in diesem Lande für mich am sichtbarsten.


Pater Georg reiste aber nicht nur als Ahnenforscher mit, sondern er hat mich tatkräftig unterstützt, indem er immer wieder Aufgaben übernahm, wenn ich zusätzliche Hilfe brauchte.


Meine Assistentin Irmgard war nun zum vierten Mal dabei und unterstützte mich nicht nur während der Reise, sondern sie war von Anfang an in das Polen-Projekt involviert und hat mitgeplant und mitgedacht. Allerdings war das nicht immer ganz einfach, da sie momentan ein Auslandsemester in Holland macht. So ist sie mit dem Zug aus Leiden nach Breslau angereist und kam am Schluss mit uns zusammen in die Schweiz. Sie kennt den FM-Laden aus eigener Erfahrung als Flötistin und Sousaphonistin und kann mich auf Schwierigkeiten aufmerksam machen, lange bevor diese auftauchen könnten und übernimmt alle Arbeiten, die ich nicht selbst erledigen kann.


Und unsere beiden Fahrer Marcell und Christoph haben uns nicht nur zuverlässig und sicher von Ort zu Ort gefahren, sondern haben mit ihrem Humor auch immer für eine gute Stimmung gesorgt.


Allen meinen Mitarbeitern bin ich unendlich dankbar. Ohne sie ginge gar nichts!


 


Die aktivsten und neugierigsten FM-Mitglieder


Seit der Reise nach Kreta vor 15 Jahren war dies die längste FM-Reise. Wir gaben fünf mehr oder weniger lange Konzerte, hatten aber auch viel freie Zeit zur Verfügung, um unsere Neugier auf das allen FM-Mitgliedern unbekannte Polen zu stillen und etwas zu unternehmen. Allerdings waren da nicht alle gleich aktiv und es gab doch einige, welche ziemlich träge im Hostel herumhingen und erstaunlich wenig unternahmen.


Ganz anders unsere fünf jüngsten Mädchen. Sie packten gleich die erste Möglichkeit, um die Stadt zu erkunden und wollten von mir die nötigen Angaben. Ich vermute, dass sie am meisten von Breslau gesehen haben. Sogar eine Schifffahrt auf der Oder haben sie unternommen. Ich hatte wahnsinnig Freude an diesen aktiven Girls. Sie bestätigen mich in meiner Arbeit und meinem Willen, nicht nur Musik zu vermitteln, sondern auch den Horizont zu erweitern.


Allerdings darf ich mich nicht über meine FM-Mitglieder beklagen! Sie haben tolle Musik gemacht und einen äusserst positiven Eindruck hinterlassen. So hat mir die Besitzerin des Hostel Mleczarnia aus dem Journal des Personals an der Rezeption vorgelesen. Immer wieder wurde erwähnt, wie anständig und freundlich die Gruppe sei. Es gab nicht die geringste Beanstandung.


 


Viel Musik und viele Zuhörer


Insgesamt haben wir im Moment ein Repertoire von etwa 90 Minuten Musik. Und das haben wir mehrfach gebraucht!


Der erste Auftritt fand auf einer der Oder-Inseln statt. Es gab Verzögerungen, bis wir endlich mit dem Konzert beginnen konnten, da wegen eines Kommunikationsproblems der Ort unseres Auftrittes unklar war. So verzichteten wir aus Zeitmangel – aber auch wegen der sehr hohen Temperaturen – auf unsere Uniformen. Ich hoffe, dass das zahlreiche Publikum nicht nur wegen der Bekleidung unserer hübschen Musikerinnen, sondern auch wegen der Töne, welche aus ihren Instrumenten kamen, so lange bei uns stehen blieb und zugehört hat.


Und ein Instrument war ganz speziell. Unsere Trompeterin Sonja hat ihr Alphorn mitgenommen und spielte bei jedem Auftritt ein oder zwei Stücke. Sie machte das wirklich sehr gekonnt! Und dasselbe gilt auch für unsere Gabrielibläser!


Der dritte Auftritt – vom zweiten werde ich nachher schreiben – fand ebenfalls in Breslau statt und war für mich der wichtigste. Vor einem guten Jahr hatte meine Cousine Maja die Idee, dass wir mit der FM auf dem Marktplatz von Breslau auftreten würden; ganz einfach, weil ihr das Ambiente der Altstadt und der riesige Platz gefällt. Und so lag mir sehr viel daran, dass dieses Konzert stattfinden konnte. Allerdings tönten die Wetterprognosen etwas gefährlich. Schliesslich hatten wir aber einen gewaltigen Erfolg mit unserem Auftritt und genau in dem Moment, als wir fertig zusammengeräumt hatten und im Bus sassen, brach das Gewitter los und es goss wie aus Kübeln. Es hat uns allen gut getan, vor einem so grossen Publikum – der Marktplatz war am Nationalfeiertag natürlich beinahe überfüllt – aufzutreten und alle genossen den Erfolg.


Nicht nur der 3. Mai sondern auch der 1. Mai ist in Polen ein Feiertag und alle Geschäfte sind dann geschlossen. Und das war natürlich ein Problem für unsere leidenschaftlichen Shopperinnen und diese mussten ihre Passion etwas verschieben. Und nicht nur das wurde verschoben!


 


Der verschobene Nationalfeiertag in Oleśnica


Da der Bürgermeister des etwa 30 Kilometer östlich von Breslau gelegenen Städtchens Oleśnica am Nachmittag des 2. Mai nach Brüssel reisen musste, er aber doch an der Feier zum Nationalfeiertag teilnehmen wollte, zumal Schweizer die Musik zur Feier beisteuerten, wurde die Feier kurzerhand um einen Tag vorverschoben.


Wir haben vor dem Rathaus von 11.00 bis 11.51 Uhr für ein äusserst dankbares Publikum gespielt. Ja, 11.51 Uhr! Fünf Minuten brauchte der Bürgermeister, der Punkt 12.00 abreisen musste, für seine Rede und vier Minuten beanspruchte die polnische Armee für ihre Fahnenzeremonie. Im Interesse des Friedens zwischen Studentenmusik und Polen habe ich mich genauestens an die Zeitvorgabe gehalten. Im Anschluss an unseren Auftritt kam ein Pole auf mich zu und zeigte mir voller Stolz seine 50 Jahre alte Schweizer Uhr der Marke Atlantic, die immer noch ganz genau lief.


 


Zügeln nach Süden und die Nacht im Kloster


Am Freitagmorgen fuhren wir 100 km nach Süden, um in Duszniki-Zdrój aufzutreten und dort zu übernachten.
Fast auf die Minute genau pochten wir im Franziskanerkloster an die Pforte und wurden von Pater Damian begrüsst. Er hat uns nicht nur beherbergt, sondern auch die Essen organisiert und mitgeholfen, damit wir zwei Auftritte hatten.


Der erste Auftritt fand nach der Besichtigung der im Jahre 1605 erbauten Papiermühle auf dem Hauptplatz von Duszniki-Zdrój statt. Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass wir im Programm eines Festivals (Muzyka EPOK) liefen, das nun zum vierten Male stattfand. Die jungen Stadtbehörden geben sich grosse Mühe, das kulturelle Leben zu bereichern und waren entsprechend stolz darauf, eine Schweizer Gruppe präsentieren zu können. Einmal mehr begeisterte die FM mit ihrem jugendlichen schwungvollen Musizieren und einmal mehr hielt sich das Wetter trotz drohender dunkler Wolken.


Am Abend stand noch ein spezieller Auftritt bevor. Wir spielten vor der Basilika von Wambierzyce, einem bekannten Marienwallfahrtsort in Schlesien. Es war schon sehr beeindruckend, diesen riesigen Bau plötzlich vor sich zu haben und noch beeindruckender war dann die Beleuchtung der Kirchenfassade mit den 1200 Lampen, welche bei besonderen Anlässen eingeschaltet wird – und dank der wir grad noch knapp genügend Licht hatten, um die Noten zu sehen.


Übernachtet haben wir im Franziskanerkloster; ich selbst allerdings erst, nachdem ich mit dem Guardian des Klosters und Pater Damian noch ein Bier genossen hatte. Von anderen habe ich gehört, dass sie das Bett eigentlich gar nicht gebraucht hätten, sondern die letzte Nacht mit Plaudern verbracht haben. Man konnte ja dann auf der langen Rückreise durch Tschechien und Deutschland wieder genügend schlafen. Allerdings haben diese Übernächtigten dann die Fahrt durch Prag verpasst.


Am Samstagabend kamen wir dank der sicheren Fahrweise von Marcell und Christoph wohlbehalten wieder in Einsiedeln an.


Ganz am Schluss, als schon alle weg waren, fand ich noch ein einsames Saxophon mitten auf der Strasse hinter dem Theater im Regen stehen. Ich habe mich dann des armen Instrumentes erbarmt und es in unserem Materialraum in Sicherheit gebracht.


Nebst meiner Mitarbeiterin Irmgard und meinen Mitarbeitern Georg, Marcell und Christoph danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat.


Unsere Flötistinnen Inês Camilo und Céline Kälin stellten täglich einen aktuellen Bericht ins Internet, soweit dies technisch möglich war; herzlichen Dank für diesen Aufwand!


Den FM-Mitgliedern danke ich für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Konzentration während der Konzerte – ihr habt wirklich toll gespielt – und das tadellose Verhalten. Wir haben eine Reise hinter uns, von der ich sagen kann, dass alles positiv war und niemand auf irgendeine Weise negativ aufgefallen wäre.


Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell ermöglicht haben!


Und der grösste Dank gebührt Maribel Carrillo und ihrem Mann Piotr Atamanczyk. Sie haben unseren Aufenthalt in Polen organisiert. Frau Agnieszka Ostapowicz danke ich für den Auftritt in Oleśnica, Pater Damian Stachowicz für den Aufenthalt in Duszniki-Zdrój und meiner Cousine Maja (sie ist die Gotte von Maribels und Piotrs Sohn Nathaniel) für die tolle Idee! 


Marcel Schuler

Reise nach Slowenien 2011

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Eine langjährige Freundschaft über Grenzen hinweg

Bevor ich die Vorbereitungsarbeiten für die erste Konzertreise nach Slowenien 1998 in Angriff nahm, wusste ich kaum, dass es diesen Staat überhaupt gab. Er war damals nicht ganz sieben Jahre alt. Mittlerweile habe ich viele zuverlässige und vertraute Bekannte dort, die es mir nun schon zum dritten Mal ermöglichten, mit der Studentenmusik das Land zu besuchen und dort mit unserer Musik aufzutreten.

Es macht natürlich die Organisation einfacher, wenn man die Gegebenheiten und die Personen, mit denen man zu tun hat, bereits kennt. Auch auf unserer Seite konnte ich auf erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. Meine Assistentinnen Irmgard und Andrea hatten bereits „Slowenien-Erfahrung" als FM-Mitglieder. Andrea Kälin war 1998 dabei, Irmgard Fuchs 2005 zusammen mit unserem Busfahrer Marcell Schuler.

Der engste Kontakt nach Slowenien ist für mich Jože Mlakar. Er war bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Sommer Direktor des Bischöflichen Gymnasiums Šentvid und er hat dafür gesorgt, dass unsere Beziehungen zu dieser Schule weiterhin intakt bleiben. Er hat uns dieses Mal nebst einem Auftritt am Gymnasium durch einen seiner ehemaligen Schüler auch noch ein Konzert in Pivka ermöglicht.

Auch mit Postojna habe ich durch den dortigen Kulturbeauftragten der Stadt, Miran Žitko, seit 2005 einen guten Kontakt. Auf solche Leute bin ich angewiesen, wenn ich eine Konzertreise organisieren will, die zu einem Erlebnis für die FM werden soll. Und ich denke, dass das dieses Mal ganz besonders gelungen ist.

Grosses Pech hatten zwei Mitglieder der Studentenmusik, denen leider das tolle Erlebnis unserer Slowenien-Reise ganz oder mehrheitlich versagt blieb. Trompeter Andreas musste wegen einer Infektion zu Hause bleiben und unsere Klarinettistin und Vizekapellmeisterin Bettina lag zwei Tage lang krank im Hotel, bevor sie dann doch noch mit Betreuerin Andrea wenigstens am letzten Tag Ljubljana etwas erkunden konnte.


Baden im Mittelmeer und die Nacht am Gefrierpunkt in Ljubljana

Natürlich haben wir nicht nur Konzerte gegeben in Slowenien, sondern auch Ferien gemacht. So fuhren wir nach dem Tag der Hinreise ans Mittelmeer nach Piran, besichtigten die im italienisch-venezianischen Stil erbaute Stadt mit ihrer tollen Atmosphäre und genossen die kulinarischen Köstlichkeiten; und recht viele liessen es sich nicht nehmen, die Gelegenheit zum Baden im Mittelmeer zu nutzen. Mir selbst wäre das ganz klar zu kalt gewesen.

Die Kälte war zum Teil ohnehin etwas lästig; so sanken die Temperaturen in Ljubljana in der Nacht zum Teil fast bis zum Gefrierpunkt und auch wenn die Sonne schien, war es manchmal ziemlich kühl. Sehr unangenehm spürten wir das beim Konzert im Innenhof des Gymnasiums von Šentvid. Zudem war es auch sehr windig und manchmal waren wir fast mehr mit dem Festhalten der Noten als mit Musizieren beschäftigt.


Von Kühen und Chören und anderen Sprachproblemen

Am Bischöflichen Gymnasium von Šentvid durften wir bereits zum dritten Mal auftreten. Diesmal aber spielten wir nicht in der Turnhalle wie die letzten beiden Male, sondern im Innenhof für die gesamte Schule (600 Schülerinnen und Schüler). Wie schon bei unserem öffentlichen Auftritt am Vorabend in Pivka half mir auch hier eine Dolmetscherin, damit ich einiges über die Studentenmusik und ihre Reisen erzählen konnte. 2005 machte das eine Deutschlehrerin, diesmal übernahm eine Schülerin diese Aufgabe. Lara - sie hatte diesen Namen bekommen, weil ihre Mutter „Doktor Schiwago" gelesen hatte - stammt aus Krajnska Gora und Deutsch hat sie bereits als Kleinkind am Fernsehen gelernt. Sie erzählte mir, dass sie Deutsch schon damals viel mehr liebte als ihre (sehr schwierige) slowenische Muttersprache. Sie hat dann ohne Mühe meine Kommentare ohne Zögern ins Slowenische übersetzt, nur einmal hat sie mich komisch angesehen, gezögert und gefragt „was für Kühe?". Ich hatte nämlich gesagt, dass ich die Schule von Šentvid wegen ihrer phantastischen Chöre beneide und statt „Chöre" hat sie „Kühe" verstanden, dabei aber sofort gemerkt, dass da wohl etwas nicht stimmen kann und unter grossem Gelächter haben wir das Missverständnis geklärt.

Die mir schon lange bekannten verschiedenen Chöre des Gymnasiums von Šentvid sind ganz schlichtwegs phantastisch. So hat der Frauenchor schon mehrfach in internationalen Wettbewerben erste Preise gewonnen. Da einige Schüler und Schülerinnen von uns die CD kannten, welche ich von der Rekoreise im Februar zurückbrachte, war der Wunsch da, dass wir kurz in eine Probe hinein hören können. Meinem Wunsch wurde stattgegeben und der gemischte Chor sang für uns drei Lieder. Es war absolut phantastisch, was uns da geboten wurde. Vor 12 Jahren traten die Chöre bei uns in Einsiedeln auf und 2006 war ein weiterer Besuch geplant, der dann aber nicht stattfinden konnte. Es ist sehr gut möglich, dass wir in absehbarer Zeit die Gelegenheit haben werden, die Chöre hier zu hören.

Nicht überall hatte ich so eine gewandte Übersetzerin wie in Šentvid. Auch für den Auftritt in Postojna habe ich nach jemandem gefragt, der meine deutschen Kommentare ins Slowenische übersetzt. Fünf Minuten vor dem Konzert konnte ich mich dann mit der Dolmetscherin kurz absprechen, und dabei trat ein klitzekleines Problem auf. Sie konnte kaum Deutsch und hatte mit englischen Kommentaren meinerseits gerechnet. Ich mit meiner Griechischmatura sollte nun in Englisch kommentieren... Wer mich kennt, weiss, wie das herauskommt. Ich bemerkte dann aber, dass sie sich sehr gut vorbereitet hatte und ich kaum etwas beizufügen hatte. So konnte ich mich dann auf ein paar wenige Sätze in Englisch beschränken und hängte noch drei Sätze in Slowenisch aus meinem Repertoire an und damit war das Problem beseitigt, da wir ohnehin musizieren und nicht kommentieren wollten.


Vom Party- zum Pfuus-Bus und eine defekte Türe

Bei diesen Distanzen - Ljubljana ist 750 km von Einsiedeln entfernt - verbrachten wir recht viele Stunden im Bus, zumal wir auch jeden Tag irgendwohin fuhren um zu konzertieren. Und da unser Busfahrer Marcell Schuler (es war bereits seine elfte Reise mit uns zusammen) einen sehr guten Draht zu den jungen Leuten hat, war die Stimmung auf den Fahrten entsprechend gut. In besonderen Momenten wird dann der Bus eben zum Party-Bus mit Musik und manchmal noch etwas Licht-Show. Am Morgen vor der Rückfahrt fragte Marcell unseren Kapellmeister (in einem Musikverein wäre das der Präsident) Marco, ob auf der Rückfahrt wieder Party-Bus angesagt sei. Die Antwort kam nach der wohl etwas kurzen Nacht umgehend: „nein, eher Pfuus-Bus".

Nicht nur zwischen Busfahrer und seinen Passagieren war die Stimmung gut, sondern auch untereinander. Und es gab auch keine unangenehmen Zwischenfälle. Unsere beiden Begleiterinnen Irmgard und Andrea sagten das so: „die momentane FM ist wirklich eine gute Truppe".

Für Busfahrer Marcell gab es allerdings doch noch einen unangenehmen Zwischenfall, von dem die FM kaum etwas bemerkte. Da ein Relais seinen Geist aufgab, funktionierte die hintere Türe nicht mehr und Marcell hatte wohl an die fünf Stunden Arbeit, um das wieder in Ordnung zu bringen. Mit Hilfe seines Handys und des Mechanikers in der Schweiz brachte unser routinierter Fahrer auch das wieder in Ordnung.

Für die Rückfahrt hatte ich grob geschätzt, dass wir um etwa 18 Uhr in Einsiedeln ankämen. Tatsächlich waren wir dann um 18.30 am Ziel, also sehr pünktlich für eine Distanz von 750 km.


Unsere Chicas und der Grottenolm

Wen das betrifft, verrate ich hier nicht. Nur so viel: die eine ist blond, die andere schwarzhaarig. Ab wann sie plötzlich die „Chicas" waren, habe ich nicht mitbekommen. Auf jeden Fall war auch das etwas, was der Stimmung gut tat und immer wieder für Heiterkeit sorgte. Weniger lustig fand aber wohl die schwarzhaarige Chica, dass in Postojna ein Vogel ihren Kopf auserwählte, um sich darauf zu erleichtern. Ob die blonde Chica wohl schon Kontakt mit ihrem Fan aus England aufgenommen hat, der ihr auf dem Parkplatz bei der Rast in Bellinzona plötzlich seine Facebook-Adresse in die Hand drückte?

In Postojna wurden wir für unsere Auftritte nicht nur mit einem Mittagessen, sondern auch mit einem Eintritt in die weltberühmten Grotten belohnt, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Dort leben keine Chicas, dafür aber der Grottenolm, ein besonderes Tier, das nur in den Gewässern der Karst-Höhlen vorkommt und vom Aussehen her an einen Molch erinnert. Der Olm wird etwa 100 Jahre alt und er kann, wenn es sein muss, auch mal mehrere Jahre lang keine Nahrung zu sich nehmen - aber das wird er wohl kaum freiwillig tun. Ganz sicher war es für uns alle ein phantastisches Erlebnis, diese riesigen Grotten mit den Stalaktiten, Stalagmiten und weiteren Formationen in zum Teil gigantischen Dimensionen zu sehen. Meines Wissens waren nicht nur die Grotten, sondern überhaupt Slowenien für alle Mitglieder der Studentenmusik eine Premiere.


Weitere Projekte

Es ist sehr gut möglich, dass einer oder mehrere Chöre des Gymnasiums von Šentvid Einsiedeln besuchen werden. Und beim Auftritt in Postojna hat sich ein neuer Kontakt ergeben. Wir spielten dort abwechslungsweise - und zwei Stücke sogar spontan zusammen - mit der Big Band der Musikschule von Postojna. Geleitet wird diese Formation vom Saxophonisten Tomaž Nedoh. Nicht nur die Musikalität, sondern auch die Jungs der Big Band haben offenbar ziemlichen Eindruck gemacht auf einige FM-Mitglieder (besonders auf die weiblichen).

Im Moment bin ich daran, die Reise der FM im nächsten Jahr zu planen und es sind bereits erste Kontakte hergestellt. Diese Reisen sind für mich nicht in erster Linie Konzertreisen, sondern sie sollen den Kontakt untereinander fördern, das Blickfeld erweitern (es gibt nicht nur den Kanton Schwyz) und zur Übernahme von Verantwortung zwingen. Vielleicht werden dadurch wieder ein paar Stiftsschüler und Stiftsschülerinnen - jetzige und zukünftige - damit motiviert, in der Studentenmusik mitzumachen. Vor den Höhlen von Postojna stand plötzlich ein Ehemaliger der Stiftsschule und der Studentenmusik neben mir. Er hat die Ferien mit seiner Familie mit unserem dortigen Auftritt koordiniert. Von ihm weiss ich, dass er noch 30 Jahre nach seiner Matura Kontakt ins Ausland zu Leuten hat, die er auf einer seiner FM-Reisen kennengelernt hat.


Nebst meinen Mitarbeiterinnen Irmgard und Andrea und unserem Fahrer Marcell danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat.

Unsere Klarinettistin Désirée Stebler stellte täglich einen aktuellen Bericht ins Internet; herzlichen Dank für diesen grossen Aufwand!

Den FM-Mitgliedern danke ich für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Konzentration während der Konzerte - ihr habt überraschend gut gespielt - und die Pünktlichkeit (das betrifft beinahe alle...)

Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben!


Marcel Schuler

Reise nach Holland 2010

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Die lange Reise

Es war geplant, dass wir in Einsiedeln mit dem Bus um 07.00 wegfahren und um 18.00 Uhr in Oirschot bei Eindhoven ankommen würden. Die Realität war dann, dass wir um 06.50 wegfuhren und um 17.50 ankamen. Auf fast 800 km im kaum berechenbaren Strassenverkehr war das schon fast ein Wunder. Auf jeden Fall war es ein gutes Omen für unseren Holland-Aufenthalt und was so gut begonnen hatte, ging bis zur Rückkehr in Einsiedeln weiter.
Aus verschiedenen Gründen musste ich meinen privaten PW nach Holland mitnehmen und in Begleitung meiner Mitarbeiter Irmgard und Samuel fuhr ich die Strecke im Schlepptau des Busses. Und das war nur mittelmässig spannend... Von grossem Vorteil waren die Funkgeräte, welche ich zufällig spottbillig vor einigen Wochen im Angebot eines Elektronik-Anbieters fand. So hatten wir dauernd Kontakt mit dem Bus und konnten die Pausen absprechen und uns von Buschauffeur Marcell von seiner tollen Kaffeemaschine und der guten Bedienung durch Mitarbeiterin Elena vorschwärmen lassen.
Auf den letzten 100 Kilometern wurde der Bus dann offenbar zum Party-Bus mit Discjockey Kroni. Diese tolle Stimmung habe ich dann auf den diversen Fahrten in Holland miterleben können.
Bei der Ankunft im „De Sprinkhaan" in Oirschot erwartete uns Mathematiklehrer Hannes van der Weijden zusammen mit seinem Schwager Paul Verbeek, der die Häuser verwaltet, in denen wir die nächsten Tage verbringen sollten. „De Sprinkhaan" ist ein Ferienlager für Behinderte, wird aber mittlerweile das ganze Jahr über genutzt und auch anderweitig vermietet.

Mit Eseln und Hühnern im Wald

Nein, nur keine falschen Gedanken! Ich bin weitest davon entfernt, da einen Zusammenhang zu unseren FM-Mitgliedern zu schaffen! Auf dem Sprinkhaan-Gelände waren nicht nur drei Häuser, ein Schwimmbad und diverse Spielgeräte, sondern auch ein Gehege mit verschiedenen Tieren. Die beiden Hähne konnten übrigens ziemlichen Lärm veranstalten am Morgen!
Die eine Hälfte des Leitungsteams war im etwas entfernten Hotel Best untergebracht, die andere Hälfte im Sprinkhaan. Von den Hotelbewohnern wurden wir dann nach kurzer Zeit als die „Waldmenschen" bezeichnet. Wir wohnten wirklich mitten im Wald, umgeben von einem Truppenübungsplatz der niederländischen Armee. Anfangs hatte ich etwas Bedenken, die FM abseits der Stadt unterzubringen, aber schlussendlich waren wohl alle mit dieser Situation zufrieden, zumal wir ja jeden Tag einen Ausflug machten. Und schliesslich waren wir ja in erster Linie zum Proben hierhergekommen.
Neu war auch, dass wir das Frühstück selbst zubereiteten und das hat auf Anhieb perfekt geklappt. Désirée hat das auf professionelle Art organisiert und war jeden Tag mit einer neuen Mannschaft zusammen eine halbe Stunde vor dem Frühstück in der Küche. Ihr gegenüber sind wir zu ganz grossem Dank verpflichtet! Sie hat enorm viel geleistet diese Woche! Der Dank geht aber auch an ihren Vater, der Désirée mit seinem beruflichen Fachwissen beraten und auch die ersten Einkäufe getätigt hat.
Den vielen Kochstellen in der Sprinkhaan-Küche standen die Duschen zahlenmässig proportional verkehrt entgegen. Mit meinem Mitarbeiter Samuel und den acht Jungs der fünften und sechsten Klasse teilte ich eine Dusche, ein Lavabo und ein WC! Wenigstens konnten wir etwas auf die sanitären Anlagen bei den jüngeren FM-Mitgliedern ausweichen. Dort war die Situation um einiges besser. Wenigstens waren die Räumlichkeiten grosszügig bemessen und vor kurzem erneuert worden.

Zu Gast in Waalre und der erste Geburtstag

Kurz vor dem Einspielen am Sonntagmorgen für unsere Auftritte an der Braderie in Waalre kamen Paul Verbeek und Hannes van der Weijden mit den von mir bestellten Stühlen vorbei. Auf der Rekoreise war mir aufgefallen, dass sämtliche Stühle im Haus Armlehnen hatten. Für das Spielen eines Saxophons, Horns, Sousaphons oder einer Bassgitarre ist das eine mühsame bis unmögliche Sache. Mit den 14 angelieferten Stühlen war das Problem nun gelöst.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir unserem Mathematiklehrer Hannes van der Weijden gleich zu seinem Geburtstag gratulieren. Er ist extra nach Holland geflogen, um dort mit uns zusammen seinen Geburtstag zu verbringen und uns in Waalre spielen zu hören. Die Holland-Reise ist wesentlich auf seine Idee zurückzuführen und er hat die nötigen Kontakte geschaffen. Hannes ist in Eindhoven und Waalre aufgewachsen und seine Schwester wohnt mit ihrem Mann Paul immer noch dort.
Gegen Sonntagmittag fuhren wir dann ins Städtchen Waalre, um an der Braderie zweimal je eine halbe Stunde aufzutreten. Die Braderie ist eine Veranstaltung der St.Martinszunft von Waalre. Entfernt erinnert sie etwas an das Sechseläuten in Zürich, nur wird dort nicht ein Böögg verbrannt, sondern ein Vogel abgeschossen und es findet ein grosser Markt statt.
Wegen des Regens konnten wir nicht wie vorgesehen auf der offenen Bühne spielen, sondern die FM quetschte sich unter ein Zeltdach und begeisterte von dort aus die durch den Regen flanierenden Besucher. Meine Mitarbeiterin Irmgard kommentierte unseren Auftritt auf Holländisch und erstaunte die Waalrer mit ihrer perfekten Sprache - und das nach einem Semester Unterricht! Ich danke Irmgard ganz herzlich nicht nur für diese Leistung, sondern auch für die zeitraubende Mithilfe bei der Vorbereitung der Reise!
Den späten Nachmittag und Abend verbrachten wir dann in Eindhoven und um 21.15 trafen wir uns für die Rückfahrt zum Sprinkhaan. Es war von Anfang an auffällig, wie strikt sich unsere Musikerinnen und Musiker an die abgemachten Zeiten hielten. Das war nicht bei allen Reisen so! Bei der Rückfahrt erlebte ich nun zum ersten Mal die Stimmung im Party-Bus. Discjockey Kroni und Beleuchter Marcell heizten die Stimmung tüchtig an! Zurück in unserer Waldsiedlung konnte endlich das 30° warme Wasser des Schwimmbades genossen werden. Auch wenn die Wassertiefe nur einen Meter betrug, machte es offenbar viel Spass, darin herumzuplanschen.

Proben

Der Montag war der erste volle Probentag. Der grosse Saal wurde nach dem Frühstück wie schon am Sonntag zum Probelokal umgebaut. Nach einer Gesamtprobe übernahmen mein Mitarbeiter und meine zwei Mitarbeiterinnen ihre Register in den verschiedenen Räumlichkeiten. Dank der drei Häuser konnten wir parallel in Teilproben arbeiten ohne uns gegenseitig zu stören. Irmgard Fuchs arbeitete mit dem Bassregister im Leiterzimmer, Samuel Läubli mit seinen Schlagzeugern im grossen Saal, Andrea Kälin mit dem Holzregister im Neubau und ich selbst übte mit dem Blech im „De Krekel", einem Bau, der von den Nazis im zweiten Weltkrieg als Flugbeobachtungsstation erbaut worden war und nun in mehrere Räume aufgeteilt der Verwaltung und als Aufenthaltsraum dient.
Diese täglichen mehr oder weniger langen Proben haben enorm viel gebracht und eine Maturandin äusserte sich am Schluss so, dass die Studentenmusik in der Zeit, seit sie diese kennt, nie so gut getönt habe wie jetzt. Das kann ich in vollster Überzeugung bestätigen und ich lade alle zum Laetarekonzert am 5. Juni ganz herzlich ein, um das Resultat unserer Arbeit zu hören.
Während wir probten, waren Elena und Marcell um die Einkäufe für unser nächstes Frühstück besorgt. Ich glaube, auch individuelle Bestellungen unserer FM-Mitglieder wurden dabei erledigt.
Nach Eindhoven war Breda die nächste Stadt, welche wir dann am Abend besuchten. Ich war jedes Mal erstaunt über diese tollen Städte mit den alten Bauten und riesigen Kirchen mit ihren gewaltigen Türmen.

Die Ausflüge unter dem Meeresspiegel

24% der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel, und das wollte ich unseren jungen Musikerinnen und Musikern bewusst machen. So fuhren wir am Dienstagnachmittag nach einem intensiven Probevormittag nach Zeeland, um uns dort im Informationszentrum Neeltje Jans über das Deltaprojekt informieren zu lassen und den Oosterscheldedamm zu besuchen. Es war faszinierend, diese 124 zwischen 250 und 450 Tonnen schweren Stahltore zu sehen, welche seit ihrer Fertigstellung 1986 26 Mal abgesenkt wurden, um Holland vor einer Sturmflutkatastrophe zu schützen. Das letzte Mal geschah dies im Jahr 2007.
Den Abend verbrachten wir in Middelburg, einer weiteren dieser schönen holländischen Städte. Und natürlich wurde nach der Rückkehr unser Schwimmbad wieder genossen, auch wenn es bereits etwas spät war.
Auch der Mittwoch führte uns wieder unter den Meeresspiegel, und zwar nach Amsterdam. Nach individuellem Durchstreifen der Stadt trafen wir uns gegen 17 Uhr, um auf einer Grachtenfahrt noch mehr von Amsterdam zu sehen. Fast alle von uns waren dabei. Stefan und Stefan schafften es nicht ganz, zum vereinbarten Zeitpunkt am rechten Ort zu sein, dafür haben sie einen recht ansehnlichen Teil der Stadt unfreiwillig zu Fuss erkundet. Für einige Damen stand Shoppen auf dem Programm und unser Chauffeur Marcell nahm es auf sich, schwer mit Einkaufstaschen behängt das Erstandene im Bus zu verstauen. Auch dies eine Sonderleistung unseres Fahrers, mit dem ich nun zum zehnten Mal zusammenarbeiten durfte. Dafür und überhaupt für die tolle Zusammenarbeit danke ich ihm ganz herzlich! Und nicht so schnell vergessen werden wir vom Leitungsteam das liebenswürdige Servieren der Crème brulée im Bus während der ersten Pause bei der Rückreise nach Einsiedeln. Das war wirklich eine tolle Überraschung!

Der letzte Probentag und der zweite Geburtstag

Der Donnerstag war mit Proben ausgefüllt und zwischen 15 und 16 Uhr spielten wir das neue Konzertprogramm durch. Ich glaube, alle haben bemerkt, was für einen Sprung die Studentenmusik während dieser Woche gemacht hat. Es tönte einfach alles ganz anders als vorher und dafür danke ich meinen MitarbeiterInnen Andrea, Irmgard und Samuel ganz herzlich!
Nach der letzten Probe packten wir das Instrumentarium zusammen und fuhren nach ‘s-Hertogenbosch, der letzten von uns besuchten Stadt. Dass dort ausgerechnet am Donnerstag Abendverkauf war, hat natürlich unsere Shopperinnen erfreut...
Während den Proben dieses Tages hatte ich nicht immer alle Mitglieder dabei. Zwei von ihnen waren intensiv am Vorbereiten des Abends, da Sabina an diesem Tag 18 Jahre alt wurde. Sie wurde mit Schokoladenmousse, Torten, Feuerwerk und Kerzen überrascht. Die Torten hat unsere Betreuerin Elena Stäger organisiert. Dafür und dass sie als gute Seele unseres Betriebes wiederum mitgekommen ist, danke ich ihr ganz herzlich.
Nach dem Geniessen der Torten etc. wurde natürlich wieder das Schwimmbad besucht und im hintersten Haus wurde der Abschluss der Reise gefeiert. Wie lange das gedauert hat, weiss ich nicht auf die Stunde genau, aber negative Folgen hatte es absolut keine. Und das konnte ich nicht nach allen Reisen sagen.

Wie man in 45 Minuten frühstückt und ein Haus putzt

Meine Vorgabe für den letzten Morgen: um 07.00 ist gepackt, Frühstück zwischen 07.00 und 07.15, Putzen der Häuser und der Umgebung zwischen 07.15 und 07.45, Abgabe des Hauses um 07.45, Abfahrt um 08.00.
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir das Haus nur besenrein abgeben mussten, aber wir schafften es, schon um 07.55 wegzufahren! Der Abwart, der das Haus abnahm, war völlig erschlagen über unsere Leistung und wollte gar nicht mehr alles kontrollieren.
Es ist schön zu sehen, zu welchen tollen Leistungen unsere FM-Mitglieder fähig sind. Sowohl musikalisch als auch in den weiteren Bereichen, welche so eine Reise ausmachen.
Dass wir mit nur 35 Minuten Verspätung in Einsiedeln eintrafen - und das auf 800 km Reise - machte die Woche endgültig perfekt.

Nebst den bereits im Bericht Erwähnten danke ich unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat. Ganz besonders danke ich meinem Kollegen Hannes van der Weijden für die Idee, die Kontakte und dafür, dass er sogar an Ort und Stelle war!
Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben! Ebenfalls danke ich dem ausserordentlich gut mitarbeitenden Komitee unter Kapellmeisterin Patrizia und ganz besonders Désirée, welche in verschiedenen Funktionen ganz wesentlich zum Gelingen des Holland-Projektes beigetragen hat.

Marcel Schuler

Reise nach Belgien 2009

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Improvisation mit 40 Musikerinnen und Musikern

Vor Jahren haben wir die Reisen der Studentenmusik noch mit „Tournee" bezeichnet - einige machen das heute noch. Ich bin dann in den letzten Jahren zur „Konzertreise" übergegangen und diesmal muss ich wohl einen neuen Begriff wählen.
Über Monate hinweg suchte ich Auftrittsmöglichkeiten für die FM in Belgien. Schulen wurden angeschrieben, Verwandte kontaktiert, bei Behörden herumtelefoniert, Botschaften besucht, aber viel hat dabei schlussendlich nicht herausgeschaut. Das Resultat kurz vor der Abreise war ein definitives Konzert, ein eventueller Auftritt und die Erkenntnis, dass man in Belgien zuerst eine Prüfung absolvieren muss, bevor man auf öffentlichen Plätzen auftreten darf. Einerseits hat mich diese Situation gestresst, anderseits stellte ich mich auf eine Ferienreise mit Besichtigungen, Museumsbesuchen und natürlich Freizeit ein. Ich warnte also meine Musikerinnen und Musiker, dass wir viel werden improvisieren müssen und hoffte noch auf weitere Auftritte. Beides ist dann eingetroffen. Ich war mir sicher, dass auch eine etwas improvisierte Reise gelingen würde, da ich mich auf mein Team und das Komitee mit Kapellmeisterin Lou verlassen konnte.
Nicht nur diese ungewisse Situation war neu, sondern auch der Reisebus von Chauffeur Marcell Schuler. Für ihn war es die erste grosse Fahrt mit dem vier Meter hohen und 14 Meter langen Gefährt. Ich bin mittlerweile sensibilisiert genug, um auf den Reko-Reisen nach Brückendurchfahrten unter 4 m und engen Kurven Ausschau zu halten, um diese dann zu meiden. Trotzdem ist es diesmal passiert, dass Marcell und ich bereits 20 Minuten nach der Ankunft in Brüssel den Bus versenkt haben. Ein ungeschickt in einer Kurvenausfahrt geparktes Auto verunmöglichte uns die normale Wegfahrt vom Hotel zum Parkplatz. Ich war dann gezwungen, den sich stauenden Verkehr zu regeln und wir mussten den Bus um 200 m zurücksetzen, auf einer Kreuzung wenden und einen anderen Weg nehmen. Dabei habe ich auch zwei belgische Polizisten in ihrem Fahrzeug an uns vorbeigewinkt. Bestimmt haben diese meine Fähigkeiten als Verkehrs-Dirigent bewundert...
Der Montag war dann unser erster voller Tag in Brüssel und eigentlich wäre am Vormittag eine Stadtrundfahrt vorgesehen gewesen. Der dafür Verantwortliche in unserem Jugend-Hotel teilte mir aber voller Bedauern mit, dass die Stadtrundfahrt nicht stattfinden könne, weil die Reiseleiterin einen Verkehrsunfall hatte. So entschloss ich mich halt, unseren Leuten während dieser Zeit frei zu geben und am Nachmittag mit ihnen nach Waterloo zu fahren, um dort das Schlachtgelände, das Denkmal und die Museen zu besuchen. Wenn ich die Reaktionen darauf richtig interpretiere, war diese Idee gar nicht so schlecht. Und die Geschichtslehrer sind mir vielleicht dankbar dafür, dass nun wenigstens die Mitglieder der Studentenmusik wissen, dass Waterloo nicht in England liegt.

Herzlicher Empfang in den Schulen und phantastische Stadt

Der Dienstag war der einzige Tag, dessen Programm zum Voraus detailliert geplant war und ich recht gut abschätzen konnte, was uns erwartete. Spät am Montagabend bekam ich noch einen Anruf von einem Lehrer der Schule in Zevenkerken, die wir am Dienstag besuchen wollten. Er teilte mir mit, dass doch noch ein weiteres Konzert am Donnerstag in Ostende möglich geworden sei. Das deckte sich optimal mit meinen Plänen, da ich ohnehin im Sinn hatte, an diesem Tag dorthin zu fahren. Den Kontakt zum erwähnten Lehrer habe ich unserem Mathematiklehrer an der Stiftsschule, Hannes van der Weijden, zu verdanken. Die beiden haben sich vor mehreren Jahren einmal an einer Tagung in Belgien getroffen.
So reisten wir also am Dienstagmorgen früh nach Norden und trafen pünktlich in Zevenkerken bei Brügge ein. Dort wurde natürlich auch gleich in den ersten zwei Minuten improvisiert. Ich hatte mit dem dortigen Deutschlehrer abgemacht, dass eine Gruppe von uns in seinen Unterricht kommt, um mit den Schülern auf Deutsch Konversation zu machen. Nun hatte der Französischlehrer ebenfalls dieselbe Idee und kurzfristig mussten ein paar Wagemutige gesucht werden, die sich auf dieses Experiment einliessen. Tatsächlich waren fünf von uns dazu bereit und ich glaube, auch das ist gut herausgekommen. Während dieser Schulstunde hat Pater Victor - die Abdijschool von Zevenkerken gehört zur Sint-Andries-Abtei und wird auch von Benediktinern geführt - uns die sieben Kirchen in sieben Baustilen erklärt, welche die Kirche von Zevenkerken ausmachen.
Vor dem Konzert wurde die Zeit etwas knapp und ich stand dann ziemlich erschlagen und völlig staunend vor meiner FM, um die Instrumente zu stimmen. Die hatten es doch tatsächlich geschafft, innerhalb von 27 Minuten die grosse Konzertaufstellung aufzubauen und die Uniform anzuziehen!!
Wir spielten in der Turnhalle ein Lunchkonzert, wobei die Schülerinnen und Schüler in ihren Uniformen auf dem Boden sassen und dazu ihre Brote assen. Wir füllten also ihre Mittagzeit mit Musik und das kam gar nicht schlecht an. Dabei wurden auch vier Geburtstage gefeiert. Der Direktor gratulierte einem Mitglied der Schulleitung, zwei Schülerinnen und sogar unserem Flusi!
Nach dem Konzert wurden auch wir verpflegt und ich wurde über den Auftritt am Donnerstag in Ostende informiert. Meine erste - zum Glück unberechtigte - Sorge dabei war, ob wir auch dort mit unserem Bus vor die Schule fahren können.
Den Nachmittag verbrachten wir in Brügge und so wie es mir im Februar auf der Reko-Reise ergangen ist, waren wohl alle von der Schönheit und den riesigen Ausdehnungen der Altstadt fasziniert. Einige sind auch auf den Rathausturm gestiegen, um die Aussicht zu geniessen oder haben das Schokolademuseum besucht. Wie ich das im Programm angeboten habe, sind diese dann zu mir gekommen und haben die Kosten der Eintritte von mir zurückgefordert. Meiner Ansicht nach bewährt sich dieses System und motiviert vielleicht, sich etwas mehr anzusehen als sonst.

Zu Fuss auf der Stadtautobahn und der freie Nachmittag

Am Mittwochmorgen machten wir dann doch noch die geplante Stadtrundfahrt, nachdem ich mich nicht damit zufrieden gab, dass man mir einfach die Kosten zurück erstattet. Ich wollte einen nicht verunfallten Reiseleiter und mit der FM die Stadt ansehen! Der griechisch-stämmige Christos Kritikos hat dann nicht nur zwei, sondern über zweieinhalb Sunden unseren Bus durch Brüssel gelotst und uns auf äusserst sympathische und kompetente Art die Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt. Und ich kann Ihnen allen nur empfehlen, Brüssel und überhaupt Belgien zu besuchen! Wenn Sie das allerdings mit einem 4 m hohen Bus machen, sollten Sie etwas vorsichtig sein. Erstens hat es auf den zwei Ringen um die Stadt sehr viele Tunnels, die zu niedrig sind und umfahren sein wollen und zweitens stimmen die Höhenangaben nicht immer. So standen wir plötzlich vor einer Tafel mit einer Höhenbeschränkung von 3.90 m. In der Schweiz gibt es da kein Durchkommen für einen Viermeterbus. Unser Reiseleiter meinte dann, das sei kein Problem, da komme man durch. Marcell senkte also sein Gefährt um 5 cm ab und ich stieg aus und rannte dem Bus voran, um die Durchfahrt zu kontrollieren. Und tatsächlich war es kein Problem; über dem Bus waren immer etwa 30 cm freier Raum... Wer da wohl gemessen hat?
Den Mittwochnachmittag genossen alle auf ihre Weise mit Museumsbesuchen, Shoppen oder was auch immer. Meine Assistentinnen und ich besuchten das bekannte Instrumentenmuseum und dabei konnte ich endlich die originalen zum Teil verrückten Konstruktionen des belgischen Instrumentenbauers Adolphe Sax bewundern, die ich bisher nur aus Abbildungen kannte. Nun weiss auch Elena, weshalb das Saxophon diesen Namen hat, während Irmgard die Erfahrung machte, dass es in Belgien unter den 800 Biersorten auch solche mit 13% Alkoholgehalt gibt. Das hat sie allerdings nicht im Instrumentenmuseum herausgefunden.

Der letzte Tag und das Wetter

Am Donnerstag fuhren wir also nach Ostende, um dort zuerst das dreimastige ehemalige Schulschiff „Mercator" der belgischen Handelsmarine zu besichtigen und dann nach dem Mittagessen im Sint-Andreasinstituut für 150 Schülerinnen und Schüler zu konzertieren. Trotz der kurzen Frist der Abmachung wurden wir auch an dieser Schule herzlichst empfangen und grosszügig bewirtet. Meine Sorge bei diesem Konzert war auch hier die Sprache. Wir waren im niederländisch sprechenden flämischen Teil Belgiens und nicht alle Schülerinnen und Schüler verstehen Deutsch. So musste also mein Französisch herhalten. Ich wenigsten habe mich verstanden...
Auch diesmal war es toll, wie schnell die Bühne auf- und abgebaut war. Keine Wunder, wenn der bärenstarke Michi gleich mit beiden Notenkisten daherkommt!
Vom Wetter her hatten wir entgegen den vorangehenden Prognosen unglaubliches Glück. Abgesehen von den paar Tropfen am Sonntagabend war es angenehm bis sonnig und manchmal sogar etwas warm. Diese Bandbreite war auch bei den verschiedenen Kleidungen bei uns zu sehen. Während ich oft froh war um meine dicke Winterjacke, waren einige in dreiviertellangen Hosen und T-Shirts unterwegs. Ich hoffe, dass wenigstens ein paar von ihnen nun nicht erkältet sind...
Die Rückfahrt am Freitag war für mich dann um einiges entspannter als die Hinfahrt. Trotz viel Improvisation ist uns eine interessante und angenehme Ferienreise gelungen; ich verzichte bewusst auf den Ausdruck „Konzertreise" - die FM-Mitglieder, welche das ganze Jahr über fleissig proben und auftreten, durften ruhig auch einmal auf diese Art und Weise unterwegs sein.
Ich danke meinen Assistentinnen Elena Stäger und Irmgard Fuchs ganz herzlich für ihren grossen Einsatz. Sie haben sehr viel zum Gelingen der Reise beigetragen! Auch unser Chauffeur war nicht nur als Fahrer im Einsatz, sondern auch als Teammitglied, das verschiedenste Aufgaben übernommen hat. Danke, Marcell mit zwei „l"!
Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben!
Zum Schluss möchte ich noch auf unsere Homepage hinweisen, wo die verschiedenen Berichte und die Fotos von der Reise zu finden sind (www.studentenmusik.ch); sie stammen von unserer Internet-Dame Désirée. Ihr und Dario Züger, der im Hintergrund unser Internet betreut, ebenfalls dem ausserordentlich gut mitarbeitenden Komitee unter Kapellmeisterin Lou, danke ich ganz herzlich.

Marcel Schuler

Reise nach Freiburg im Breisgau 2008

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Von Einsiedeln auf den Berg und in die Unterwelt

Nach 2001 reiste die Studentenmusik nun zum zweiten Mal nach Freiburg i. Br., um dort an verschiedenen Orten aufzutreten, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und auch etwas Ferien zu machen.
Am Montagmorgen tauchte der mittlerweile sehr vertraute grüne doppelstöckige Schuler-Bus mit seinem ebenso vertrauten Fahrer Marcell Schuler (mit zwei „l") auf.Dank der Mithilfe aller - oder sagen wir mal der meisten - und des grossen Einsatzes unseres Materialverwalters und Schlagzeugers Mathias war der Bus schnell beladen und die hintersten Winkel der Gepäckräume ausgenützt.
Über Säckingen fuhren wir durch den südlichen Schwarzwald auf den bekannten Aussichtspunkt Schauinsland (1220 m.ü.M.) hinauf, um dort das Mittagessen einzunehmen und anschliessend das Museumsbergwerk zu besichtigen.
Im Bergwerk Schauinsland wurde seit dem Mittelalter bis 1955 Silber, Blei und Zink abgebaut, was der Stadt Freiburg ihren Reichtum verschaffte und damit auch den Bau des grossartigen Münsters ermöglichte. 1955 wurde der Abbau zu unrentabel und seit 1976 macht die Forschergruppe Steiber nach und nach grössere Bereiche des 100 km langen Stollensystems wieder zugänglich.
Vor dem Einstieg ins Bergwerk fanden eine eindringliche Sicherheits-Unterweisung und dann die Ausrüstung mit Helm, Handschuhen und Kopflampe statt. Über viele Meter und mehrere Etagen stiegen wir dann auf Leitern ein Stück weit in den Berg hinab, um dort zuerst über die Geschichte des Bergwerks einiges zu erfahren und dann durch die engen Stollen verschiedene Bereiche des Abbaugebietes zu erkunden. Ich war erstaunt, wie mutig sich die FM-Mitglieder zeigten und nicht einmal die nur etwa 50 cm breiten Gänge im mittelalterlichen Teil des Bergwerks, in denen man nicht aufrecht gehen konnte, schreckten ab.
Abgeschreckt hat dann eher der Regen, der uns nach dem Aufstieg vor dem Stollen empfing.
Gegen Abend gelangten wir dann mit dem Bus vor unser Hotel und in kürzester Zeit fanden alle ihr Zimmer. Ein gemeinsamer Gang in die nahe Altstadt sollte einen ersten geographischen Überblick geben, damit alle wieder den Heimweg fanden, anschliessend konnte der freie Abend genossen werden.

Als Touristen in Titisee und die Shopper in Freiburg

Am Dienstag fuhren wir gegen Mittag zur Pädagogischen Hochschule, um dort den ersten Auftritt zu absolvieren. Schon 2001 spielte die FM dort auf dem Campus während der Mittagspause der Studenten. Beim Ausladen des Materials stürzte mein Dirigierpult ab und wurde unbrauchbar. Mit Glück werde ich es reparieren können, in Freiburg musste ich dann halt mit den Notenständern etwas improvisieren.
Punkt 12 begannen wir mit unserem Konzert, aber bereits nach fünf Minuten wurden wir wieder gestoppt. Es war vorher niemandem aufgefallen, dass während der vorgesehenen Zeit unseres Auftrittes eine mündliche Prüfung stattfand und sofort hat der Prüfling Einspruch gegen den von uns verursachten Lärm erhoben. Man hat sich dann schnell auf einen Prüfungsunterbruch geeinigt, so dass wir unser einstündiges Konzert fortsetzen konnten. Auch wenn es am Anfang nicht so ausgesehen hat, hielt sich das Wetter und in der Sonne wurde es sogar angenehm warm.
Nach unserem Auftritt waren wir von der Hochschule dank Ekkehard Geiger, der uns schon 2001 einen Auftritt ermöglicht hatte, zum Mittagessen in der Mensa eingeladen.
Knapp die Hälfte der FM fuhr anschliessend mit dem Bus nach Titisee. Es war interessant, einmal diesen typischen Schwarzwälder Touristenort zu sehen und ich fragte mich, ob die Einsiedler Souvenirläden auf die Besucher auch so wirken, wie sie das dort auf mich taten...
Die meisten unserer Musikerinnen und Musiker genossen eine Bootsfahrt auf dem See, während Marcel und Marcell sich unter anderem in Souvenirshops umsahen und Elena Stäger daran zu hindern versuchten, sich einen möglichst scheusslichen Hut zu posten. Sie war aber nicht zu bremsen und handelte sich mit ihrem Kauf den Beinamen des „grünen Monsters" ein.
Der grössere Teil der FM war in Freiburg unterwegs am Shoppen. Auch eine neue Erfahrung, dass es auf den Konzertreisen interessanter ist, Kleiderläden zu suchen anstatt an den Ausflügen teilzunehmen.

Eine verwandte Schule und die Flucht nach Frankreich

Am Mittwoch fuhren wir zum Berthold-Gymnasium. Auch hier hatten wir bereits 2001 gespielt und der Musiklehrer und Kollege Rainer Pachner (wir studierten beim gleichen Lehrer Orchesterleitung) hat uns auch diesmal sofort nach meiner Anfrage einen Auftritt ermöglicht. Die Schule ist der Stiftsschule in vielem ähnlich. Die Sprachen sind sehr wichtig - viele lernen Altgriechisch - und auf ein intensives Musikleben wird grossen Wert gelegt. Das Orchester und der Chor treten dieses Jahr mit der Messa di Gloria von Puccini in Italien und Spanien auf. Auch eine Big Band existiert am Berthold-Gymnasium; ihre Mitglieder waren alle dabei nebst den Klassen, welche zu unserem Konzert zugelassen waren. So hatten wir gut 200 Zuhörerinnen und Zuhörer, welche gebannt und konzentriert zuhörten in der akustisch überraschend guten Turnhalle. Diese Schülerinnen und Schüler sind sich gewohnt zuzuhören!
Das Berthold-Gymnasium schaut als Lateinschule in Freiburg auf eine 758-jährige Geschichte zurück.
Nach dem Konzert gingen wir zu Fuss in die benachbarte Musikhochschule, um in der dortigen Mensa das Mittagessen einzunehmen. Während des Essens begann es bereits zu regnen und ziemlich bald wurde klar, dass es keinen Sinn hat, auf den Auftritt vor dem Theater zu warten und dann festzustellen, dass es zu nass ist... So entschied ich mich, mit unseren Leuten einen Ausflug nach Colmar im Elsass zu machen und dort die Altstadt zu besichtigen. Erstaunlicherweise kam wieder nicht einmal die Hälfte mit, der Rest wollte in Freiburg bleiben und offenbar den Regen geniessen - oder die restlichen Bestände der Kleiderläden kaufen... Schnell sahen wir, dass die Elsass-Reisenden das bessere Los gezogen hatten, und auch wenn die Sonne dann erst auf der Rückreise durchbrach, war es doch trocken.
Es war interessant, wie vorwiegend die ältesten und jüngsten FM-Mitglieder die Ausflüge nützten und ich habe es sehr genossen mit ihnen zusammen!
Ich hoffe, dass im Nachhinein nicht allzu viele krank wurden. Das Temperaturempfinden meiner FM-lerinnen und vor allem FM-ler war ganz offenbar recht unterschiedlich. Während ich oft um meine dicke Jacke froh war, waren einige kurzärmlig und sogar mit kurzen Hosen unterwegs.

Auf der Suche nach dem Publikum und die Heimkehr auf verschiedenen Wegen

Am letzten Tag stand ausnahmsweise nach dem Packen und Auschecken aus dem Hotel noch ein Auftritt auf dem Programm, und zwar im Stadtgarten. Es war bald klar, dass dies mangels Publikum ein recht sinnloses Unterfangen war und so entschied ich mich eigenmächtig für ein Konzert vor dem Theater, das eigentlich am Tag zuvor hätte stattfinden müssen, aber ins Wasser gefallen war.
Der Entscheid war richtig und wir spielten für die Passanten und Touristen, welche uns nicht nur zuhörten, sondern sogar den Wink mit dem aufgestellten Instrumentenkoffer verstanden. Auch unser Maskottchen hatten wir vor uns hingestellt und einmal mehr wäre der Rabe fast von zwei Kindern entführt worden.
Leider waren an diesem Auftritt nicht mehr alle unserer Musiker beteiligt; zwei waren unfreiwillig bereits am Morgen mit dem Zug zurückgereist; aber das ist eine andere Geschichte...
Nach dem Konzert wurde der Bus für die Rückfahrt beladen und nach dem Mittagessen und etwas Flanieren oder auch an der Sonne Sitzen machten wir uns am Nachmittag auf den Weg.
Wir kamen wie vorgesehen pünktlich in Einsiedeln an und wiederum wurde äusserst zügig das Material versorgt. Dass die neue Uniform sorgfältig behandelt wird, konnte ich auch dem Umstand entnehmen, dass wir noch vier Kleiderbügel des Freiburger Hotels im Bus fanden...
Ich danke meiner Assistentin Elena Stäger ganz herzlich für ihren grossen Einsatz. Sie hat sehr viel zum Gelingen der Reise beigetragen! Auch unser Chauffeur war nicht nur als Fahrer im Einsatz, sondern auch als Teammitglied, das verschiedenste Aufgaben übernommen hat. Danke, Marcell mit zwei „l"!
Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben!
Zum Schluss danke ich unseren zwei Internet-Damen Désirée und Esther für ihre täglichen Berichte und die Fotos. Auch Dario Züger, der im Hintergrund unser Internet betreut, danke ich ganz herzlich, ebenfalls dem engagiert mitarbeitenden Komitee.

Marcel Schuler

Reise nach Deutschland 2007

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Kartoffelsalat 1
Ich muss vorausschicken, dass ich Kartoffelsalat äusserst gerne esse und während dieser paar Tage in Deutschland voll auf meine Kosten kam. Zum Kulinarischen komme ich dann noch, geographisch will ich hier etwas präzisieren: Wir weilten in Bayern, aber die Einwohner der von uns besuchten Gegend haben es gar nicht immer so gerne, wenn man sie als Bayern bezeichnet. Wir reisten also nach Franken, und zwar zuerst einmal nach Nürnberg, wo wir im Hotel Leonardo untergebracht waren.
Bevor wir am Dienstagmorgen wegfahren konnten, musste zuerst einmal das umfangreiche Gepäck im Bus verladen werden. Wegen der vielen Unterführungen in Nürnberg, die weniger als vier Meter Durchlass boten, konnte unser routinierter Fahrer Marcell Schuler nicht den doppelstöckigen Reisebus mitnehmen. Unser Gefährt war dann nur 3,7 Meter hoch und alle Plätze waren besetzt. Materialchef Mathias und sein Schlagzeugkollege Lukas nützten jeden Kubikzentimeter der Laderäume aus, so dass am Schluss noch Instrumente mitgenommen werden konnten, auf die wir sonst hätten verzichten müssen.
Nach der reibungslosen Fahrt über die 440 Kilometer bezogen wir die Zimmer im Hotel, um kurz darauf gemeinsam einen ersten Gang in die Stadt zu unternehmen. Ich wollte allen den direktesten Weg ins Zentrum der Stadt - und zurück - zeigen. Vor dem gemeinsamen Nachtessen war genügend Zeit, um selbständig die Stadt zu erkunden. Fast die Hälfte der FM trafen wir bald auf der Burg, wo sie schon den Tiefen Brunnen besichtigt hatten. Der dortige Führer beeindruckte mit seiner humorvollen Eloquenz und begeisterte wohl alle seine Zuhörer auf Anhieb für diese phantastische und historisch äusserst interessante Stadt. Als sie mir von diesem Erlebnis erzählten, waren sie gerade auf dem Weg zum höchsten Punkt der Stadt, dem Sinwell-Turm. Etwas weiter unten in der Stadt übten sich während dieser Zeit bereits einige Jungs im Mass-Stemmen. Dank der Mitgliedschaft in einem Verein der Stiftsschule - und deshalb entsprechendem Training - blieben die Folgen allerdings in Grenzen.
Um 18.30 trafen sich dann alle im Bratwurst-Röslein zum Nachtessen. Natürlich wurde die fränkische Spezialität serviert: ein halbes Dutzend Nürnberger Bratwürste und Kartoffelsalat.

Kartoffelsalat 2
Am Mittwoch reisten wir nach recht früher Tagwache - trotz Ferien mussten wir jeden Morgen um 07.15 oder 07.30 zum Frühstück erscheinen – nach Bamberg, um am Dientzenhofer-Gymnasium 3-mal je 45 Minuten aufzutreten. Wir spielten jedes Mal vor etwa 100 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Assistentin Linda moderierte den grösseren Teil der Konzerte, erklärte unser Instrumentarium, die Probenarbeit, führte aber zum Gaudi der SchülerInnen auch einen Schnellkurs in Schweizerdeutsch durch.
Ich staunte, wie unsere Musikerinnen und Musiker die drei doch recht anstrengenden Programme hintereinander praktisch ohne Pause durchstanden, ohne an Qualität einzubüssen.
Nach den Auftritten waren wir zum Mittagessen eingeladen. Das Menü war Cordon bleu und Kartoffelsalat Nummer 2. Anschliessend hatten wir Zeit, um die Stadt Bamberg etwas zu besichtigen. Die Stadt blieb im 2. Weltkrieg von Zerstörung verschont und ist heute Weltkulturerbe. Die 2 ½ Stunden Aufenthalt weckten hoffentlich bei vielen das Bedürfnis, diese wunderbare Stadt wiederum und länger zu besuchen.
Der Abend in Nürnberg war dann frei. Im Voraus hat mir mein Freund Hubert Henn – er ist Geiger im Nürnberger Opernorchester – angeboten, dass Interessierte die Oper „Faust" von Gounod besuchen können. Ich staunte, dass 17 von diesem Angebot Gebrauch machten und zusammen mit Linda den Abend im Opernhaus verbrachten und die Musik genossen. Allerdings musste Koffein etwas nachhelfen, um den Abend mit Konzentration zum Abschluss zu bringen.
Da Elena Stäger dieses Jahr leider nicht mitreisen konnte, musste ich einen Ersatz suchen, um unser mittlerweile bewährtes und routiniertes Team zu ergänzen. Ganz spontan hat sich eine ehemalige Klarinettistin, Ursula Birchler, bereit erklärt mitzuarbeiten. Sie hat jeden Abend die Anwesenheitskontrolle bei den unteren drei Klassen durchgeführt. Alle waren immer pünktlich da, und an diesem Mittwochabend hat sie ungewollt sogar ein Zimmer geweckt…Kartoffelsalat 3
Bei der Durchsicht meiner ersten Fassung des Reiseprogramms hat Linda gefunden, dass es wohl besser wäre, die Frühstückszeit immer auf 07.15 zu belassen statt sie am Donnerstag auf 07.30 zu schieben. Ich beharrte auf meiner Version; ich wollte nicht auf diese Viertelstunde Schlaf verzichten.
Beim Frühstück traf ich dann Ursula, Kapellmeisterin Yvette und Martina nebst einer Unmenge Japaner, die uns die Plätze streitig machten. Eigenartigerweise war Fahrer Marcell, der sonst immer vor uns beim Frühstück war, noch nicht da. Auch niemand sonst von der FM zeigte sich. Um 07.30 tauchte dann Linda auf und fragte mich, ob ich jetzt wirklich so ein blödes Mungo gewesen sei und nicht gemerkt hätte, dass heute der Tag sei, an dem ich eine Viertelstunde länger habe schlafen wollen…
Sehr bald waren wir dann in Nürnberg-Reichelsdorf an der Erich-Kästner-Schule. Dort unterrichtet Christa, die Frau von Hubert Henn. Ich kenne die beiden seit bald 30 Jahren und durch den Kontakt zu ihnen kam die Reise überhaupt zustande.
Wir spielten wiederum 3-mal ein Programm von annähernd 45 Minuten. Diesmal waren die Kinder etwas jünger und die erste Gruppe durfte sogar unser Instrumentarium ausprobieren. Es war wirklich für uns alle eine Belohnung für unsere Arbeit, die Begeisterung dieser Kinder zu erleben.

Zum Mittagessen gab es gegrillte Würste und – Kartoffelsalat (Nummer 3).
Auf der Rückfahrt liessen wir uns dann wieder von Marcells Tom-Tom führen. Bei einer Abzweigung war ich zwar nicht ganz einverstanden mit Lisas Stimme, die uns aus dem Navigationsgerät heraus aufforderte, rechts abzubiegen. Wir gaben ihrem Drängen nach, aber irgendwann musste ich diesem Treiben doch Einhalt gebieten. Als wird dann wieder in Reichelsdorf ankamen, hatten wir für die Runde 40 Minuten gebraucht. Ansonsten war das Tom-Tom (fast) immer perfekt.
Für den Nachmittag hatte ich das Angebot gemacht, dass wir mit unserem Bus zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände fahren können. Wer wolle, könne mitfahren und dort das Doku-Zentrum oder auch das nahe gelegene Sea Life besuchen. Und wer beides nicht will, dürfe auch auf eigene Faust Nürnberg weiter erkunden. Ich war völlig erschlagen, als alle 43 gemeinsam mit uns das Doku-Zentrum besuchten. Es war eindrücklich und beklemmend, in den Mauern dieser protzigen Nazi-Gebäude die Gräuel der schaurigen Vergangenheit zu sehen und ein ganz klein wenig zu erspüren. Das Museum ist ausgezeichnet gemacht und wir hätten wohl noch sehr viel Zeit dort verbringen können. Lukas hatte dann die gute Idee, mit dem Bus zu den Überresten auf dem Zeppelinfeld zu fahren. Wir bestiegen dort die Tribünen dieser unrühmlichen Nazi-Arena und liessen diese Steine auf uns wirken.
Den Abend gestalteten dann alle frei, aber gemäss den Ausgangsregeln. An dieser Stelle ist es angebracht, das Verhalten unserer Musikerinnen und Musiker zu erwähnen: Das war ganz einfach vorbildlich! Im Hotel wurde mir zum Voraus klar gemacht, dass Lärmbelästigung im Haus auf keinen Fall geduldet würde. Und daran haben sich alle gehalten. Als Ursula am Morgen des letzten Tages mit dem Nachtportier sprach, meinte der, dass schon sehr viel los gewesen sei in der Nacht, aber alles sei völlig ruhig abgelaufen. Dass dies so vonstatten ging, ist wohl ganz wesentlich unserer Kapellmeisterin Yvette zu verdanken, die als von allen respektierte Persönlichkeit sich nicht gescheut hat einzugreifen, bevor etwas aus dem Ruder lief.

Kartoffelsalat 4
Der letzte Konzerttag versprach sehr schwierig zu werden. Die Zeiten waren zu eng, da das Tagesprogramm kurz vor der Reise abgeändert werden musste. Allerdings habe ich da meine Truppe völlig unterschätzt. In der Grundschule von Tennenlohe brauchten wir gerade mal 25 Minuten, um aufzubauen und nach dem Schlussapplaus dauerte es 10 Minuten, bis alles im Bus verstaut war. Und das bei der grossen Materialschlacht inklusive Verstärker, Klavier etc. Ich übertreibe nicht!
So blieb auch etwas Zeit, sich vor dem Konzert noch kurz zu entspannen. Rauchpausen gibt es ja nun mittlerweile keine mehr in der FM – mangels Rauchern. Dafür werde ich dem nächsten auf die Finger klopfen, der seine Schnupftabaksdose auf meinen Klaviertasten auskippt! Die Nicht-Schnupfer (also die überwiegende Mehrheit) genoss die Sonne oder nützte die im Schulhof aufgemalten Felder des Himmel-und-Hölle-Spiels.
Auch dieses Konzert war für uns eine Belohnung. Die Kinder waren so begeistert von uns, dass ihr Schlussapplaus lauter war als wir im Stück „Gotta Get Down"; und das will etwas heissen! Der Schulleiter, Herr Gradert, fragte am Schluss die Kinder, welche Instrumente sie denn nun lernen möchten. Bei den meisten war es dann mindestens eines, das sie vorher gehört hatten.
Dank der absoluten Rekordleistung im Abbauen des Instrumentariums kamen wir pünktlich zum Mittagessen in Oberickelsheim an. Dort erwartete uns der 1. Bürgermeister der Stadt Uffenheim, Herr Georg Schöck. Die Stadt hatte uns zur Belohnung für das um 17 Uhr vorgesehene Freiluftkonzert zum Essen eingeladen. Wir genossen das Buffet. Da gab es Bratwürste, Schnitzel, Pommes-frites, Gurkensalat und andere Salate – ja, sie haben es schon erraten, auch Kartoffelsalat Nummer 4 erwartete uns schon mit listigem Grinsen.
Vermutlich entstanden die Rekordzeiten beim Auf- und Abbauen in Tennenlohe wegen der Voraussicht auf den Besuch und der versprochenen kleinen Degustation auf einem Weingut in Bullenheim. Herr Kistner führte uns durch seinen Betrieb, erklärte uns die Prinzipien des Weinbaus und zeigte seine Maschinen. Besonders stolz war er auf seinen Traktor mit Verdeck und eingebautem Radio. Allerdings erschrak er glaub doch etwas, als ich mit dem Gefährt davon fuhr. Zum Glück fand ich auch den Rückwärtsgang, um das Ding wieder zu parken. Den roten Knopf zum Abstellen musste er mir dann aber doch zeigen.
Im Weinkeller bewunderten wohl alle unseren Bassklarinettisten Stefan, der sich herausfordern liess, sich durchs Mannloch in einen leeren Weintank zu stürzen und zu demonstrieren, wie diese Tanks von innen gereinigt werden.
Zwischen 16.30 und 17.30 spielten wir dann für die Bevölkerung von Uffenheim auf einem Platz zwischen Kirche und Altersheim. Die Besitzerin der gegenüberliegenden Konditorei beschenkte uns dafür mit ihren ausgezeichneten Pralinen und die Journalistinnen von zwei Zeitungen machten ihre Interviews und äusserten sich äusserst angetan zu unserem Auftritt.
Nach der Rückfahrt nach Nürnberg genossen alle den letzten freien Abend.

Kartoffelsalat 5?
Dank Yvette, die bereits früh genug die langschlaf-gefährdeten Zimmer aufscheuchte, fuhren wir am Samstagmorgen sogar fünf Minuten zu früh weg. Einige wirkten zwar etwas müde und schliefen zum Teil auf der Fahrt, aber viele genossen auch das Video mit den Road Runner-Cartoons und andere Filme. Die Mittagspause machten wir wiederum auf einer Autobahnraststätte. Die meisten verpflegten sich im McDonald’s, einen Kartoffelsalat hat meines Wissens dabei niemand zu sich genommen.
Ich kann nun an die für mich wohl entspannendste Konzertreise mit der Studentenmusik zurückdenken, und dafür danke ich dem FM-Komitee – ganz speziell Kapellmeisterin Yvette und Materialchef Mathias – und meinem ganz tollen Team. Marcell Schuler hat uns nun zum siebten Mal als Fahrer begleitet. Wir finden jeden Weg – mit und gegen Tom-Tom. Unendlich dankbar bin ich Assistentin Linda Morgenthaler. Sie war nun bereits zum fünften Mal im Team dabei und denkt immer schon 10 Schritte weiter. Die Konzertreisen würden mit Sicherheit nicht so reibungslos über die Bühne gehen, wenn sie nicht ganz entscheidend bei der Organisation behilflich wäre und sich immer im entscheidenden Moment einmischen würde. Ob es auch ihre Pflicht wäre, die Schuhe des Dirigenten im Bedarfsfall zu putzen, wie das ein paar FM-Mitglieder meinten, ist zu diskutieren.
Ebenfalls ein Glücksfall für die FM ist Ursula Birchler. Die ehemalige Klarinettistin fand sich sehr schnell in ihrer Rolle zurecht und übernahm genau die Aufgaben, welche ich von ihr erwartete, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte.
Beruhigend für mich war auch, dass ich im Bedarfsfall jederzeit aus der Ferne medizinischen Rat hätte holen können bei meinem Nachbarn Dr. med. Simon Stäuble, Chefarzt des Regionalspitals Einsiedeln.
Ihnen allen danke ich ganz herzlich.
Ein grosser Dank gebührt aber auch den Eltern und Gönnern der Studentenmusik. Ohne ihren finanziellen Einsatz wären solche Reisen nicht möglich. Aber ich bin überzeugt, dass sich dieser Einsatz lohnt. Unsere Musikerinnen und Musiker profitieren nicht nur vom musikalischen Erlebnis, sondern auch vom Reisen und sie erweitern durch diese gemeinsamen Unternehmen auch ihre soziale Kompetenz.

Marcel Schuler

Reise nach Rom 2006

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Dass eine Konzertreise nach Rom etwas vom Kompliziertesten ist, das man sich ausdenken kann, wusste ich aus den Erfahrungen von 1999, als die Studentenmusik schon einmal in diese phantastische Stadt reiste. Während der Vorbereitungen wurden versprochene Bewilligungen für Ständchen an den besten Orten Roms wieder zurückgezogen, anderseits tauchten kurzfristig Möglichkeiten für Konzerte auf. Bis zuletzt war nicht klar, wie die Reise dann im Detail ablaufen würde.
Auf jeden Fall gelang der Start der Konzertreise optimal. Wir fuhren sogar 15 Minuten vor dem geplanten Zeitpunkt in Einsiedeln weg und trotz eines Staus bei Mailand erreichten wir Rom innerhalb der vorgesehenen Zeit. Wir reisten einmal mehr mit dem doppelstöckigen Schuler-Car und Fahrer Marcell Schuler wirkte nicht nur als routinierter Chauffeur, sondern auch als engagiertes Team-Mitglied. Er übernahm den Bus allerdings nicht in Einsiedeln, sondern erst später, um die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten.
Zum Glück waren drei FM-Mitglieder mit Pfarrer Jäger im Konfirmationslager in Ligurien. Er ist dann mit ihnen am Freitag vor der Konzertreise nach Rom gereist und zusammen haben sie noch die letzten Rekognoszierungsaufgaben erledigt. Dafür danke ich Pfarrer Urs Jäger ganz herzlich!
Das Einchecken im Hotel verlief im Gegensatz zu anderen Konzertreisen recht unkompliziert und im Nu war der Haufen Schlüssel verteilt, der Assistentin Rachel und mir ausgehändigt worden war.
Das Frühstück am Dienstagmorgen verlief sehr friedlich und ruhig – in den nächsten Tagen sollte das anders aussehen…
Die Auftritte der FM in Rom waren recht unterschiedlicher Art; und das in jeder Beziehung!
Am Dienstag war geplant, nach etwa einstündiger Fahrt (die Distanz war ungefähr 14 Kilometer) in der Schweizerschule anzukommen, um uns dort einzurichten, dann zu essen und um 14.45 für die Schülerinnen und Schüler zu spielen. Die Fahrt dauerte dann halt zwei Stunden, weil es die Römer wegen des Regens am Vormittag vorzogen, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Dazu erklärte mir eine ältere Römerin, dass noch ein sehr grosses Begräbnis ebenfalls für mehr Verkehr sorgte. Schlussendlich spielten wir dann trotzdem pünktlich auf dem Spielplatz der Schule. Zuvor war es allerdings nicht ganz einfach gewesen, uns auf dem Spielplatz einzurichten. Die kleinen Fussballer, welche dort spielten, wollten den Platz nicht freiwillig räumen und erst nach einigen Überredungskünsten und der Versicherung, dass der Direktor der Schule mir den Platz für ein Konzert überlassen habe, spielten sie ihr Spiel an einem anderen Ort im Park der Schweizerschule weiter.
Am Abend gaben wir am gleichen Ort ein Konzert für den Circolo Svizzero, nachdem wir die nahe gelegenen Katakomben von S. Agnese besucht hatten. Den Kontakt für diese Auftritte schaffte der ehemalige FM-Klarinettist Roman Kühne. Er unterrichtet seit September letzten Jahres an der Schweizerschule in Rom und wir sind ihm für seine diversen organisatorischen Hilfen zu grossem Dank verpflichtet.
Beim Katakomben-Besuch kam die Frage eines Erstklässlers, weshalb wir denn nicht eine grössere Katakombe besuchen, wenn es ja solche offenbar auch gäbe. Darauf Assistentin Linda: „Wir haben das letzte Mal schon einen Trompeter verloren in den unübersichtlichen Gängen und haben ihn nicht mehr gefunden; das wollten wir diesmal nicht riskieren“. Ob die Zuhörer in der Zwischenzeit gemerkt haben, dass das nicht so ganz stimmte?
Während unseres Auftritts für den Circolo Svizzero organisierten Marcell und Linda den reservierten Materialtransporter. Mehrfach hatte Roman Kühne mit dem Autoverleih telefoniert, um wirklich sicher zu gehen, dass das Fahrzeug für den geplanten Instrumententransport geeignet sei, was ihm jedes Mal klar bestätigt wurde. Ganz geheimnisvoll sagten dann nach dem Konzert Marcell und Linda, dass sie mir jetzt dann den Transporter zeigen würden. Das, was wir befürchteten, war eingetroffen. Da stand ein Ford Galaxy mit sieben Sitzplätzen! Marcell hatte die Sitze bereits ausgebaut und zum Glück mussten wir nicht das ganze, sondern nur einen Teil des Materials in den Vatikan transportieren für den Auftritt des nächsten Tages. Ich fuhr dann das Zeug mehr oder weniger geduldig durch den Abendverkehr in den Hof hinter der Kaserne der Schweizergarde, wie das geplant war.
Der nächste Morgen begann weniger friedlich als der Dienstag. Dass einige FM-ler vor dem Speisesaal mit den Tellern vor sich am Boden sassen, wirkte etwas eigenartig, war aber die sinnvollste Lösung angesichts des völlig überfüllten Raumes. Am Vorabend waren offenbar ein paar Busladungen Schülerinnen und Schüler aus anderen Gegenden Italiens und aus Spanien vor dem Hotel ausgekippt worden und alle wollten zur selben Zeit frühstücken. An dem Tag war Kapellmeisterin Eva noch nicht so weit, aber am letzten Morgen ist ihr offenbar dann der Geduldsfaden gerissen. Sie liebt im Hotel beim Frühstück Nutella als Brotaufstrich. Dass das geliebte Nutella am Dienstag und Mittwoch bereits weg war als sie kam, war scheinbar zu verkraften, als ihr aber ein kleiner Italiener am Freitagmorgen mit zwei Tellern Nutella an ihr vorbeizog und sie dabei frech angrinste, ist ihr der Geduldsfaden gerissen und sie hat sich einfach mit einem schnellen Griff bedient und die Welt stimmte für sie wieder.
Zurück zum Mittwoch: dies war der Tag der Extreme. Am Vormittag spielten wir vor einem Publikum von 15'000 oder auch 30'000 Menschen, am Abend vor fünf!
Am Morgen fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zum Vatikan. An der Haltestelle fuhr ein bereits voller Bus vor und einige meinten, wir sollten doch lieber den nächsten nehmen. Die sind offenbar noch nie in Rom Bus gefahren! Nicht ganz, aber doch einigermassen problemlos brachten wir unsere 45 Leute auch noch unter. A propos Busfahren. Einige Erstklässler sind zu richtigen Bus-Profis geworden. Spasseshalber sind sie in der Freizeit einfach in irgendwelche Busse eingestiegen (wir hatten ja alle eine Dreitageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel). Das Auswahlprinzip waren einfach Zahlen der Buslinien, die sie grad schön fanden. Wenn sie genug hatten, stiegen sie aus, wechselten die Strassenseite, fuhren zurück und probierten eine neue Linie. Offenbar haben sie Rom so recht gut kennen gelernt.
Wir waren am Mittwochvormittag zur Generalaudienz des Papstes geladen und durch die guten Beziehungen zur Schweizergarde wurden wir ganz vorne platziert und durften auch die Infrastruktur der Garde nutzen. So hatte ich unser Materialfahrzeug am Vorabend im Hof unter den Fenstern der päpstlichen Wohnung parkiert und ebendort rüsteten wir uns vor der Audienz mit den Instrumenten aus und zogen uns um. Ein etwas eigenartiger Ort zum Umziehen. Wir hatten dann das Privileg, auf dem kürzesten Weg innerhalb der vatikanischen Mauern mit unserem Material zum Bronzetor zu marschieren und dort auf den Petersplatz zu treten, um uns einzurichten. Was 1999 nicht möglich war, diesmal klappte es: es gab auch für uns Strom im Vatikan und Bassgitarrist Robin war nicht nur Dekoration! Ermöglicht haben uns dies die Garde und das Fernsehen.
Dass wir Papst Benedikt auf den letzten paar Metern Fahrt zu seinem erhöhten Platz an uns vorbei mit dem Stück „Tequila“ begleiteten, war keine Provokation meinerseits, wie das einige FM-Mitglieder vermuteten, sondern blosser Zufall.
Die Zeit nach der Audienz konnten die Mitglieder der Studentenmusik zur Besichtigung der Stadt nützen, während die Team-Mitglieder Knochenarbeit leisteten. Elena und Rachel organisierten die Stadtrundfahrt für den folgenden Tag und führten die FM gegen Abend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Vatikan zum Konzertraum beim EUR, während Marcell, Linda und ich mit dem Materialtransporter zum Hotel fuhren, das Picknick und den Reisebus im Hotel abholten und zum Konzertraum fuhren – oder besser gesagt, den Weg dorthin suchten und uns mehrmals verfuhren. Linda und Marcell brachten dann den Mietwagen zurück, während ich Bus und Material auf dem Parkplatz bewachte, bis dann alle pünktlich am Abend eintrafen.
Das Konzert an diesem eigenartigen Ort – eine Grotte, in der die Gottesmutter erschienen sein soll, mit Kapelle und eine Art Zelt davor - wurde zwar zum Besten, was ich von der FM je gehört habe, allerdings verkürzte ich das Konzert auf 30 Minuten. Bei dem gewaltigen Publikumsaufmarsch von fünf Personen wäre alles andere Blödsinn gewesen. Zeit und Ort waren einfach zu ungünstig für unser Konzert.
Der Donnerstag war konzertfrei. Alle konnten auf eigene Faust die Stadt erkunden - bei einigen hiess das Busfahren – und am Nachmittag genossen wir bei strahlendem Wetter die perfekt von Elena und Rachel organisierte zweistündige Stadtrundfahrt.
Die letzte Nacht verlief auch von den Mitgliedern der Studentenmusik her nicht allzu ruhig. Das Hotel war sehr abgelegen, so dass ein Nachtausgang kaum in Frage kam, dazu waren die FM-ler in einem eigenen Haus zusammen mit einer spanischen Gruppe untergebracht, die offenbar nicht so viel von Nachtruhe hielt und unter diesen Umständen griffen wir nicht ein, auch wenn es zeitweise etwas laut war. Unter anderen Umständen hätten wir das nicht geduldet; dies als Hinweis auf weitere Konzertreisen!
Am Freitagmorgen war auffallend, wie viele mit neu gekauften Taschen – im Kreis des Teams waren es Gürtel – auftauchten. Mit nur zwei Minuten Verspätung starteten wir, niemand hatte verschlafen oder zu lange rumgetrödelt. Kompliment!
Die Rückfahrt verlief wohl sehr ruhig, weil die meisten schliefen, aber nicht ganz störungsfrei. Der in Italien getankte Diesel erwies sich als ziemlich verschmutzt und verstopfte prompt den Filter der Treibstoffzufuhr des Busses. Mit Luftdruck, Nadel und Marcells technischem Know-how brachten wir die Maschine gemeinsam wieder in Gang und erreichten Einsiedeln ebenfalls wieder in der vorgesehenen Zeit.
Auf dieser logistisch sehr anspruchsvollen Konzertreise war ich auf ein engagiertes und zuverlässiges Team sehr angewiesen und alle haben tolle Arbeit geleistet. Elena, Linda, Rachel und Marcell, ich danke euch ganz herzlich!
Wir alle danken denjenigen, welche uns diese Konzertreise ermöglicht haben. Den Eltern und natürlich allen Sponsoren, die uns immer grosszügig unterstützen!
Zum Schluss möchte ich noch auf den sehr lesenswerten Bericht aus Teilnehmersicht von Kapellmeisterin Eva unter www.rom2006.ch.tf hinweisen.

Marcel Schuler

Reise nach Slowenien 2005

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Um es gleich vorwegzunehmen: im Gegensatz zum letzten Jahr würde ich mit der Studentenmusik sofort wieder verreisen. Am liebsten wäre ich bei der Ankunft in Einsiedeln gleich wieder gestartet, und dies nicht nur des schlechten Wetters wegen, sondern weil ich mit den jungen Leuten zusammen fünf ganz tolle Tage in Slowenien verbracht habe.
Am Montag, den 2. Mai trafen wir uns bereits morgens um 6 Uhr hinter dem Stiftstheater, um den Bus mit unserem Material und dem persönlichen Gepäck zu beladen. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, mit Anhänger zu reisen, aber sowohl unser Chauffeur als auch meine Assistentin Linda kamen auf die Idee, überzählige Sitze auszubauen und einen Teil des Gepäcks im Passagierraum unterzubringen. Das ermöglichte uns eine Reisegeschwindigkeit von maximal 100 km/h statt nur 80 und verkürzte natürlich die Reisezeit um einiges.
Um die Ruhezeiten-Regelung für Chauffeure einzuhalten, benötigten wir auf der Hinfahrt zwei Fahrer. Der erste führte uns bis nach Bellinzona, wo uns mein Fast-Namensvetter Marcell Schuler erwartete und uns dann die restliche Strecke nach Ljubljana fuhr. Die über 700 Kilometer brachten wir mit den Pausen in genau zehn Stunden hinter uns. Wir verkürzten uns die Zeit mit Lesen, Musik hören, Schlafen, Spielen, Videos schauen – und dann vor allem erfolglosen Reparaturversuchen des defekten Videoplayers. Marcell hat ihn dann mit ein paar gekonnten Handgriffen in Slowenien wieder in Schwung gebracht.
Auf dem Autobahnabschnitt vor Venedig sahen wir auf der Gegenfahrbahn zwei ausgebrannte Lastwagenwracks und hinter dem zweiten den entsprechenden kilometerlangen Stau. Dies veranlasste dann einen unserer Musiker beim letzten gemeinsamen Essen in Slowenien vor der Rückreise zur Frage, ob am anderen Tag wieder Stau sei nach Venedig. Ich schätze dieses grenzenlose Vertrauen in meine hellseherischen Fähigkeiten, aber ich selbst misstraue mir da wohl eher.
Nachmittags um 16 Uhr standen Linda und ich an der Rezeption unseres Hotels in Ljubljana und versuchten den herrschenden kleinen Mann hinter dem Tresen von unserem effizienten System des Eincheckens zu überzeugen. Er wollte es lieber kompliziert und stresste alle; sich selbst wahrscheinlich am meisten.
Auf jeden Fall hatten innert nützlicher Frist alle ihr Zimmer, verteilt auf zwei der insgesamt zwölf Etagen des Hotels. Das Hotel Park ist optimal gelegen und bietet sehr gute Bedingungen. Schon 1998 wohnte ich mit der Studentenmusik auf der damaligen Konzertreise in diesem Haus.
Dank der frühen Wegfahrt am Morgen hatten nun alle Zeit, die schöne Stadt ein erstes Mal zu besichtigen und sich ein feines Restaurant für das individuelle Nachtessen zu suchen.
Beim Zusammensitzen mit dem Team am Abend bewies Physiklehrerin Elena ihre Fähigkeiten als menschliches Thermometer. Ich war überzeugt, von meiner Erkältung her etwas Fieber zu haben; so um 37,6° schätzte ich. Elena meinte mit ihrem charmanten russischen Akzent, dass ich kein Fieber habe und mass mit ihren Lippen, so wie es russische Mütter machen. „Höchstens 36,6°“, meinte sie. Ich wollte es wissen und nahm das Thermometer aus dem Medizinkoffer. Unglaublich; es zeigte genau 36,62° an…
Gemäss Regeln und Abmachung mussten die FM-Mitglieder der unteren drei Klassen um 23 Uhr im Hotel sein. „Mama Stäger“, wie sie von einigen älteren FM-lerInnen genannt wurde, kontrollierte jeden Abend ihre Schützlinge und fand sie tatsächlich immer vollzählig zur richtigen Zeit im Hotel. Diese Disziplin herrschte nicht nur bei den jüngeren, sondern bei allen Mitgliedern der Studentenmusik. Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es diesmal nicht das geringste Problem in dieser Beziehung; aber auch sonst nicht! Ich darf sagen, dass es für mich die bisher angenehmste Tournee war, weil absolut keine Schwierigkeiten auftauchten und alle ihrer Verantwortung bewusst waren und mitarbeiteten.
Am Dienstagmittag war ein Konzert im Bischöflichen Gymnasium von Ljubljana-Šentvid vorgesehen. Bereits 1998 hatten wir dort gespielt und im Gegenzug besuchten uns die phantastischen Chöre des Gymnasiums ein Jahr später in Einsiedeln. Der Direktor der Schule, Jože Mlakar, hat uns nicht nur diesen Auftritt ermöglicht, sondern auch die Kontakte zu den anderen Konzertorten geknüpft. Für seine Arbeit und seine Grosszügigkeit bin ich ihm unendlich dankbar.
Kurz vor der Abfahrt vom Hotel nach Šentvid kam eine Flötistin ganz verzweifelt zu mir und zeigte mir ihre Flöte. Drinnen steckte der Putzlappen und liess sich nicht mehr bewegen. Meinen Vorschlag, den Lappen mit Benzin zu tränken und dann anzuzünden fand sie nicht so gut – höchstens eine Notlösung. Mit dem langen Schraubenzieher aus Marcells Werkzeugkiste machte ich dann das Flötenrohr wieder frei und das Gesicht der Flötistin wurde wieder fröhlicher.
Das nächste instrumentale Problem tauchte kurz vor der Vorprobe in der riesigen Turnhalle des Gymnasiums auf. Ein Trompetenkoffer war verschlossen und der Schlüssel in der im Hotelzimmer hängenden Hose geblieben. Zum Glück hatten wir genug Zeit und innert nützlicher Frist wurde der Schlüssel mit einem Taxi geholt.
Das eineinhalbstündige Konzert für die 670 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums war ein Erfolg und die Kondition unserer Bläserinnen und Bläser war ebenso bewundernswert wie das Gedächtnis und die Kompetenz meiner Dolmetscherin. Ich konnte ja mit meinen paar wenigen Sätzen und Worten das Konzert nicht in Slowenisch kommentieren.
Nach dem Konzert bewies die FM, wie selbständig sie ist. Das Team wurde gedrängt, möglichst schnell zum Mittagessen zu kommen und so übergab ich die Verantwortung für den ganzen Laden meinem Kapellmeister Samuel. „Kein Problem“, meinte er; alle packten an und innert kürzester Zeit war alles erledigt und auch die FM beim Essen.
Nach dem Mittagessen – das Team war noch zum Kaffee im Büro des Direktors eingeladen – suchte ich meine FM-Mitglieder. Sie seien beim Tanzen, wurde mir gesagt. Tatsächlich; in der Turnhalle führte Turnlehrerin Josefine einen Tanzkurz durch und kurzerhand hat sie unsere Leute eingeladen mitzumachen. Ein herrliches Bild! Da wir genügend Zeit hatten, konnten wir den Enthusiasten nicht verwehren, noch einen letzten Tango zu tanzen bevor wir ins Hotel zurückfuhren.
Der Abend war wiederum frei und das Nachtessen individuell. Auch das Team suchte sich ein gutes Restaurant aus. Dass es in Slowenien schwierig sein würde, für unseren Chauffeur sein Lieblingsdessert Crème brulée zu beschaffen, war von Anfang an klar. Wir haben Alternativen gefunden und Marcell hat die Reise trotzdem überstanden. Die unbändige Lust von P. Roman nach einem Sorbet-Wodka (oder umgekehrt) an diesem Abend war etwas schwieriger zu stillen. Wir haben dann kurzerhand ein neues Dessert kreiert: Vanilleglace mit Wodka. Marcell taufte es „Klosterkugel“. P. Roman behauptet, es sei gut gewesen…
Der Mittwochmorgen begann besser als der Dienstag. Kein Frühstückskaffee mehr, der nach Brotrinde schmeckte. Elena hat Néscafé besorgt! Auch unsere Klarinettistin Eva ist sehr heikel, was Kaffee anbelangt, allerdings wendet sie im Gegensatz zu mir das Néscafé-Pulver etwas anders dosiert an. So etwa im Verhältnis Kaffeelöffel-Suppenkelle. Das Resultat bei ihr ist dann wohl am ehesten Kaffee al dente zu nennen, aber sie meinte, es schmecke auf jeden Fall besser als der Raststättenkaffee (ein sich selbst erwärmendes karamellartiges Dosengetränk).
Draussen dann dicke Wolken und Regen; und dies ausgerechnet an dem Tag, an dem sämtliche Auftritte im Freien vorgesehen waren. Aber nicht in Ljubljana und ich war recht zuversichtlich, dass das Wetter im Westen besser würde und tatsächlich war es dann so, dass einige etwas unvorsichtig waren und am Abend von der Sonne gerötete Köpfe nach Ljubljana zurücktrugen.
In Postojna trafen wir dann vor der weltberühmten Höhle Miran Žitko, der uns für die dortigen Auftritte und das Konzert am folgenden Tag engagiert hatte.
Die Höhlen werden jedes Jahr von Touristen aus aller Welt besucht. Der Besucherrekord liegt bei ca. 1,2 Millionen pro Jahr. Wir bestritten zwei Auftritte von je 35 Minuten beim Eingang und es machte unglaublich Spass, die Freude der Besucher an unserer Musik zu erleben. Ein etwa 85-Jähriger, der zu tanzen begann oder die Japaner, welche sich kaum von uns und ihren Foto-Sessions mit uns als Hintergrundbild losreissen konnten.
Nach dem Mittagessen ging es weiter ans Meer, nach Piran und Portorož. Aber erst, nachdem Linda alle gezählt hatte. Zweimal kam sie auf 38 Teilnehmer. Auf der Liste waren 36. Physikerin Elena meinte, das komme vom schnellen Fahren mit dem Bus. Je schneller der fährt, umso mehr Leute haben wir im Bus. Das hat mit der Relativitätstheorie zu tun und das brauchen weder Sie noch ich zu verstehen. In Einsiedeln sind schlussendlich wieder 36 angekommen; es ist also niemand illegal mit uns eingereist.
Nach der Besichtigung des wunderschönen Fischerstädtchens Piran fuhren wir nach Portorož und nach millimetergenauem Parkieren des Busses (die Laterne wurde knapp verfehlt), welches den FM-lern Geräusche entlockten, die an einen verpassten Elfmeter erinnern, stellten wir uns für das eineinhalbstündige Konzert für die Passanten am Meer auf. Eingeladen dazu haben uns mehrere Hotels. Wir haben schon vor sieben Jahren am selben Ort bei Wolken und Wind gespielt, aber diesmal war das Wetter optimal. Herrlicher Sonnenschein! Für einige wohl etwas zu viel und es war interessant, zu welchen Schlüssen die einzelnen kamen, wo nun die Sonne in zehn oder 20 Minuten stehen würde. Sie haben ja bis zur Matura noch Zeit zu lernen, dass die Sonnenbahn von Ost nach West und nicht umgekehrt und in unseren Breiten nicht senkrecht nach unten führt – wenigstens im Normalfall…
Mitten im Konzert kam Elena mit zwei Paar Schuhen in der Hand und brachte sie unseren Saxophonistinnen Nicole und Patrizia. Sie hatten vergessen, rechtzeitig ihre Konzertschuhe anzuziehen und in den Socken gespielt, weil sie wussten, dass ich die Uniform nicht in Kombination mit gelben Turnschuhen mag.
Obwohl sich die Passantenzahl in Grenzen hielt, wird das Konzert doch in spezieller Erinnerung bleiben: Plötzlich tauchte ein lokales Kamerateam auf, welches die Abendstimmung am Meer und uns davor einzufangen schien. Unser Techniker Sven wurde fast neidisch auf das Mini-Mischpult, welches an die Kamera angehängt war. Leider war das Team dann schon weg, als es für uns hätte Beweismaterial sammeln können: unser Maskottchen, der Rabe, wurde von verschiedenen Kindern in Beschlag genommen und beinahe entführt.
Zum Nachtessen waren wir dann in einem der Hotels eingeladen und wir genossen das grosszügige Buffet vor der Rückfahrt nach dem immer noch regnerischen Ljubljana.
Der Donnerstag war der letzte Konzerttag. In Postojna spielten wir am Mittag für etwa 200 Schülerinnen und Schüler. Auch hier stand uns zum Glück eine kompetente Dolmetscherin zur Verfügung, die Lindas englische Kommentare ins Slowenische übersetzte. Nach genau 60 Minuten musste das Konzert vorbei sein, weil dann die Busse die Schüler in ihre umliegenden Dörfer brachten. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit meinen paar Sätzen in Slowenisch und unser Damen-Kommentatorenteam mit ein paar Witzen mehr Erfolg hatten als wir mit der Musik. Elena kennt wohl die slawische Seele etwas besser und hat mich dann korrigiert. Sie sass mitten im Publikum. Die pubertierenden Teenager waren offenbar so überrascht über das Gebotene, dass sie vergassen, Unsinn zu machen und etwas erschlagen über das Musizieren der ungefähr Gleichaltrigen auf der Bühne waren, so dass sie eben eher ruhig als ausgelassen reagierten. Also ein Erfolg für uns!
Nach dem Mittagessen, zu dem uns ebenfalls wieder die Stadt Postojna eingeladen hatte, überbrückten wir die Zeit mit einem kurzen Ausflug zur faszinierenden Burg Predjama, die direkt in den Fels gehauen schien. Anschliessend besuchten wir die berühmten Höhlen von Postojna – ebenfalls auf Einladung der Stadt! Mit einer kleinen Eisenbahn fährt man zwei Kilometer weit in die Höhle und wandert dann eine gute Stunde zum Teil 125 Meter unter der Erdoberfläche durch diese faszinierende unterirdische Welt der Stalagmiten und Stalaktiten in ihren verschiedenen Formen und Farben. Zu bestaunen gab es auch die kreative Namensgebung: Spaghettisaal, der schiefe Turm von Pisa, die russische Brücke, der weisse und rote Saal und viele mehr. Auch den berühmten Grottenolm, eine Tierart, die nur in dieser Gegend vorkommt, bekamen wir vor Augen und das von der Führerin erzwungene Höhlenquiz gewannen wir 2:0 gegen Deutschland.
Zurück in Ljubljana kam dann die berühmte Frage nach dem verlängerten Ausgang der unteren Klassen am letzten Abend. Wir alle im Team verneinten das kategorisch. Wir haben aus den bisherigen Erfahrungen gelernt!
Am Freitagmorgen um 10 Uhr wollten wir wegfahren, aber es fehlten zwei. Die schliefen noch! Der eine war der, welcher mich am Abend vorher nach dem verlängerten Ausgang gefragt hatte… Zum Glück hatte Martin ihnen noch am Vorabend einen Pulli geliehen, den er am Morgen vermisste, denn aufgrund fehlender Kommunikation wusste das Team bei der Schlüsselkontrolle an der Rezeption nicht, dass es nach dem Chaos beim Einchecken noch einen Zimmerwechsel gegeben hatte. In Zukunft dürfte es vielleicht klar sein, weshalb ein Gruppenleiter über geänderte Zimmernummern Bescheid wissen muss. Schlussendlich haben die beiden es geschafft, in zehn Minuten aufzustehen und zu packen.
Auf der Rückfahrt gab es dann tatsächlich keinen Stau nach Venedig, nur am Gotthard verloren wir etwa 20 Minuten und auch das wäre nicht der Fall gewesen, wenn nicht die Polizei die Tunneleinfahrt der verschiedenen Fahrzeuge geregelt hätte.
Der Videoplayer funktionierte nun reibungslos und neben dem Chauffeur brachte Rubik’s Cube-Spezialistin Nadine aus der ersten Klasse Vizekapellmeisterin Eva bei, wie man das Rätsel des Würfels möglichst schnell löst. Die akustische Untermalung dieses Prozesses lautet in etwa: „Schau, nun machst du: Tägg-tägg, tägg-tägg, tägg-tägg. Und tägg-tägg!!“
Nicht einmal das schreckliche Wetter und die tiefen Temperaturen auf der Nordseite der Alpen konnten meine Freude darüber trüben, dass wir fünf irrsinnig gute gemeinsame Tage hinter uns hatten. Die Konzerte waren gelungen und wir hatten jedes Mal erfreulich viel Publikum. Die FM zeigte sich und handelte als homogene verantwortungsvolle Gruppe und jeder packte mit an, wenn es ums Herumschleppen der Kisten oder um das Aufstellen und Abbauen ging.
Ganz erfreulich war auch, dass P. Roman dieses Jahr wieder mit seinem roten Elektrobass dabei sein konnte und abgesehen vom Besuch der Höhle in Postojna machte er alles mit erstaunlich jugendlichem Elan mit. Ihm, aber auch den anderen Mitgliedern des Teams danke ich ganz herzlich.
Linda Morgenthaler (sie hat schon in Portsmouth und Luxemburg mitgearbeitet und hat mir auch diesmal wieder sehr viele Aufgaben abgenommen), Elena Stäger (unsere Physiklehrerin mit ihrem Humor hat uns allen einmal mehr gut getan) und Marcell Schuler (nicht verwandt und mir klar überlegen mit der Anzahl Buchstaben im Vornamen und den glänzenden Fähigkeiten im Chauffieren eines Busses).
Wir haben auch auf dieser Tournee sehr viel gelacht im Team; und es hat uns sehr gut getan. Aber wir waren ja nicht nur zum Lachen in Slowenien, sondern um unsere Aufgabe zu erfüllen. So bin ich Linda unglaublich dankbar für ihre Unterstützung vor und während der Tournee. Dann hat Elena die allabendlichen Kontrollen um 23 Uhr bei den jüngeren FM-Mitgliedern gemacht und mich damit und auch in anderen Dingen entlastet.
Besondere Erwähnung verdient auch unser Kapellmeister Samuel. Ganz selbstverständlich hat er die Führung übernommen, wenn es nötig war. Auch unser Materialchef Roman kümmerte sich vorbildlich um seine Kisten, Kabelrollen und all das andere Zeug. Auch das restliche Komitee war dieses Jahr präsenter und sich seiner Verantwortung bewusster als andere Jahre.
Eine ganz besondere Leistung hat wohl Dario, unser Internet-Verantwortlicher vollbracht. Jeden Tag wäre spätestens um Mitternacht der aktuelle Bericht mit Bildern auf unserer Homepage zu sehen gewesen, aber die Tücken der Technik machten ihm das Leben etwas schwer und so richtig funktionierte das erst ab Mittwoch, aber das war absolut nicht seine Schuld.
Übrigens sind diese Berichte immer noch unter www.studentenmusik.ch zu finden.
Zum Schluss danke ich allen, welche diese Konzertreise ermöglicht haben und den Leserinnen und Lesern für ihre Geduld.

Marcel Schuler

Reise nach Luxenbourg 2004

Created with Sketch.

Haben Sie gewusst, dass in Luxemburg Luxemburgisch, oder eben Lëtzebuergesch seit 1983 die offizielle Nationalsprache ist? Amts- und Gesetzsprache ist Französisch und Zeitungen erscheinen meist in Deutsch. Bis zum Januar wusste ich nicht einmal, dass es Lëtzebuergesch gibt.
Daat waert schon klappen, loussen mier Holz unpaken! Unter dem Motto dieses luxemburgischen Sprichwortes starteten wir also am Montag, den 26. April mit dem komfortablen zweistöckigen Schuler-Reisebus, um gegen Abend unser 500 km entferntes Ziel zu erreichen.
Im Hotel wurde es in einigen Zimmern etwas eng, weil das Material, welches wir am Dienstag für unser Ständchen auf der Place d’Armes brauchten, in die Zimmer genommen werden musste. Neben dem Sousaphon von Lorenz oder dem Gitarren-Verstärker-Monster von Mark wird wohl kaum mehr viel Platz gewesen sein.
Das Ständchen von 12 bis 13 Uhr war dann auch die einzige Verpflichtung am Dienstag. In dieser Zeit waren die umliegenden Strassencafés und Restaurants voll besetzt und so hatten wir mehrere Hundert freiwillige und unfreiwillige Zuhörer. Den Nachmittag nützten dann die meisten zur Stadtbesichtigung und wir erfuhren so, dass nicht nur die Schweizer Berge aushöhlten und darin Festungen bauten, sondern auch die Österreicher im 18. Jahrhundert, welche Luxemburg damals beherrschten. Die Kasemattengänge im weichen Sandstein waren einst über 40 km lang, heute sind noch 23 km vorhanden und einige Abschnitte kann man besichtigen. Im 2. Weltkrieg fanden hier 35'000 Luxemburger Schutz.
Beim Abendessen fanden wir dann heraus, dass die Hauptmotivation für unseren Chauffeur Marcell Schuler, uns nach Luxemburg zu begleiten, vermutlich die Crème brulée war, die er wohl am liebsten als Vorspeise, Hauptgang und Dessert genossen hätte. Es ging aber auch noch anderen so!
Der härteste Tag war dann der Mittwoch. Vier Konzerte standen auf dem Programm. Am Morgen bestritten wir zwei 45-minütige Auftritte in der École européenne mit ihren 3700 Schülerinnen und Schülern. Die meisten ihrer Eltern sind EU-Beamte und mit der Erweiterung der Union ist mit einer weiteren Zunahme an Schülern – und Sprachen! – zu rechnen.
Wie schon in Portsmouth im letzten Jahr, übernahm Linda die Aufgabe, die beiden Konzerte für die je etwa 350 Kinder zu kommentieren und sie machte das auf so begeisternde Art und Weise abwechselnd in Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch, dass die vorgesehene Zeit fast nicht ausreichte.
Am Nachmittag hatten wir einen kurzen Auftritt im Lycée Technique des Arts et Métiers. Heldenhaft hat dort unser Sousaphonist Lorenz mit einer Notenordnerkiste zusammen die Zeit im hängen gebliebenen Lift bis zu seiner Befreiung überstanden. Allerdings hat er nachher Lifte gemieden.
Am Abend spielten wir im Lycée Technique École de Commerce et de Gestion. Der Publikumsaufmarsch blieb weit unter den Erwartungen, so dass ich das Konzert etwas abkürzte; auch liess die Konzentration der FM bedenklich nach und von einem guten Konzert waren wir weit entfernt. Am perfektesten waren wohl die Klänge von Marcells Natel.
Der Donnerstag versprach wieder etwas ruhiger zu werden mit nur einem einzigen Konzert, und zwar etwas ausserhalb von Luxemburg, im Lycée Technique Josy Barthel in Mamer. 300 Schülerinnen und Schüler der im letzten Herbst fertig erbauten Schule mit ihrer besonderen Architektur besuchten unser Konzert und liessen sich begeistern. Besonders stolz waren wir natürlich, uns als erste Musikgruppe im Goldenen Buch der Schule nach dem Grossherzog von Luxemburg einzutragen.
Der Donnerstagnachmittag und –abend waren dann frei und wurde ganz verschieden genützt. Am schlechtesten wohl von jenen, welche aus ihrem Zimmer Knallkörper auf die Strasse warfen und uns beinahe einen Polizei-Besuch bescherten. Überhaupt haben nicht alle kapiert, dass ein Hotel keine Pfadihütte ist und ich werde meine Konsequenzen daraus ziehen. Es war nicht besonders angenehm für uns, jeweils am Morgen bei der Rezeption vorbeizukommen und von den Taten, oder eben Untaten der letzten Nacht zu hören. Die Situation besserte allerdings schlagartig, nachdem Linda in den verschiedenen Zimmern vorbeiging und an die Regeln erinnerte.
Mit dem Freitag begann der letzte Konzerttag. Wir fuhren nach Diekirch, um in der dortigen Hotelfachschule – es ist die einzige in Luxemburg – ein Ständchen zu geben. Zum Glück konnten wir draussen spielen, der Saal wäre sehr eng gewesen.
In kürzester Zeit war auch hier das Material auf- und am Schluss wieder abgebaut. Ein grosses Kompliment an die FM-lerinnen und FM-ler für das Engagement, mit welchem sie die Kisten rumschleppen und in kürzester Zeit ihre Aufgaben erledigen. Wenigstens die meisten. Es gibt natürlich immer solche, die sich zuerst einmal mit ihrem Instrument, dann langsam mit ihrer Uniform und möglichst nicht mit dem restlichen Material beschäftigen. Aber zum Glück ist das eine kleine Minderheit.
Auch in Diekirch waren wir zum Essen eingeladen. Und zu was für einem! Sechs Gänge von höchster Qualität, verteilt auf zweieinhalb Stunden. Dass einige das Essen nicht so toll fanden, gibt mir endgültig die Erklärung, weshalb immer wieder Schüler über das Essen in der Mensa der Stiftsschule schnöden. Wir haben nebst anderen unbedachten Kamikazefliegern offensichtlich auch kulinarische Tiefflieger unter uns… Ich hoffe, das die Betreffenden die Abschlussklasse der Hotelfachschule, die sich soviel Mühe gegeben hat, nicht so vor den Kopf gestossen haben, wie die FM-ler das mit der Hotelbesitzerin und den Angestellten an der Rezeption gemacht haben. Aber die meisten unter uns haben das Essen natürlich genossen.
Im Laufe des Nachmittags sind wir dann nach Wincrange im Norden des 82 km langen Landes gefahren, um uns für das letzte Konzert einzurichten.
In diesem sollten die Combo der Musikschule des Kantons Clerf auftreten und der Posaunist dieser Gruppe, der unglaublich begabte Laurent Lemaire, auch zusammen mit unserer Big Band. Er hat in zwei Stücken mit uns zusammengespielt und sogar die Big Band-Mitglieder staunten, wie perfekt und selbstverständlich das auf beiden Seiten klappte nach nur fünf Minuten Probe - und so wenig Schlaf in den vergangenen Nächten!! Trotz der geringen Zuhörerzahl wurde es ein gutes Konzert mit ganz toller Stimmung.
Auch wenn zwei Konzerte von relativ wenigen Zuhörern besucht worden waren, war diese Tournee wohl eine der Zuhörer-reichsten, da die anderen Säle meist bis auf den letzten Platz gefüllt waren.
Am Samstag nahmen wir Abschied von Luxemburg und wir begaben uns auf die Heimfahrt. Dabei reiste auch ein Zebrastreifen mit, der nun auf einer Luxemburger-Strasse fehlt! Ob er in der Zwischenzeit gewaschen wurde und nicht mehr so stinkt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Begleitet wurde die FM von Linda Morgenthaler (sie hat schon in Portsmouth mitgearbeitet und hat mir auch diesmal wieder sehr viele Aufgaben abgenommen), Elena Stäger (unsere Physiklehrerin mit ihrem Humor hat uns allen einmal mehr gut getan) und Marcell Schuler (nicht verwandt und mir klar überlegen mit der Anzahl Buchstaben im Vornamen und den glänzenden Fähigkeiten im Chauffieren eines Busses). Pater Roman konnte leider dieses Jahr nicht dabei sein. Ich hoffe, dass dies 2005 wieder möglich sein wird.
Wir haben sehr viel gelacht im Team auf dieser Tournee; und es hat uns sehr gut getan. Aber wir waren ja nicht nur zum Lachen in Luxemburg, sondern um unsere Aufgabe zu erfüllen. So bin ich Linda unglaublich dankbar für ihre Unterstützung vor und während der Tournee. Sie hat mich manchmal auch sehr heftig darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht alles alleine machen kann, sondern delegieren muss. Und sie hat dann die unangenehmsten Dinge gleich selbst übernommen! Dann hat Elena die allabendlichen Kontrollen um 23 Uhr bei den jüngeren FM-Mitgliedern gemacht und mich damit und auch in anderen Dingen entlastet. Ihr und unserem humorvollen Chauffeur Marcell danke ich ebenfalls ganz herzlich.
Besondere Erwähnung verdient auch unser Kapellmeister Raphael. So einen guten hatten wir schon lange nicht mehr und ich würde ihn gerne noch viele Jahre behalten! Auch unser Materialchef Roman kümmerte sich vorbildlich um seine Kisten, Kabelrollen und all das andere Zeug.
Eine ganz besondere Leistung hat wohl Dario, unser Internet-Verantwortlicher vollbracht. Jeden Tag war spätestens um Mitternacht der aktuelle Bericht mit Bildern auf unserer Homepage zu sehen. Der vom Samstag sogar bevor wir zu hause waren!
Übrigens sind diese Berichte immer noch unter www.studentenmusik.ch/tournee04 zu finden und auf unsere Homepage möchte ich an dieser Stelle ebenfalls hinweisen: www.studentenmusik.ch
Zum Schluss danke ich allen, welche diese Konzertreise ermöglicht haben und den Leserinnen und Lesern für ihre Geduld.

Marcel Schuler


POSTSKRIPTUM

Nach der letzten Tournee nach England war mein einziges Kriterium zur diesjährigen Mithilfe eigentlich besseres Essen am Zielort. Aber Luxemburg hat selbst meine kühnsten Erwartungen übertroffen, auch bezüglich des grandiosen Service, den wir überall erfuhren.
Luxemburg mit seinem Tal, welches mitten durch die Stadt verläuft, ist meiner Meinung nach einer der faszinierendsten und schönsten Orte Europas. Auch das Lëtzebuergesch (übrigens nicht ein niederländischer, sondern ein mosel-fränkischer Dialekt) und die dreisprachigen Zeitungen fand ich unglaublich interessant. Das Leiterteam empfand ich als perfekt eingespielt und das Klima untereinander war allgemein sehr angenehm und Lachmuskeln-strapazierend. Nur die Situation im Hotel trübte die Stimmung. Glücklicherweise schluckte Marcel das Ganze, als ob er Nerven aus Stahl hätte. Wohl wegen anderen, vergangenen Tourneen? Für die zukünftigen FM-ler hoffe ich, dass die nächste Tournee (wenn überhaupt – und dafür hätte ich vollstes Verständnis) ruhiger abläuft, denn ich habe alle, in denen ich mitwirken durfte, musikalisch, kulturell und kulinarisch genossen.
Aeddi Lëtzebuerg du schéints Land!

Linda Morgenthaler

Reise nach Portsmouth 2003

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Als Urs, Lorenz und Martin schlag fünf Uhr am Dienstagmorgen vor dem Bus standen, der uns zum Flughafen bringen sollte, konnte ich sicher sein, dass nun alle Einsiedler da waren und die Reise beginnen konnte. Etwas später wurden dann auch noch die Höfner in Schindellegi und Wollerau und am Schluss unsere Wädenswiler eingesammelt. Silvan hatte den Bus organisiert – wir hätten auch mit dem Zug nach Kloten fahren können – und wir alle waren ihm dankbar für diese bequeme und erst noch sehr kostengünstige Variante! An sämtlichen Treffpunkten waren alle FM-Mitglieder pünktlich da und um 06.15 trafen die 41 Bläserinnen und Bläser und das Team, bestehend aus Linda Morgenthaler, Pater Roman und mir als verantwortlichem Leiter wie geplant in Kloten ein.
Die Sicherheitskontrollen am Flughafen waren sorgfältiger als früher und dass man nicht mit offenem Sackmesser im Handgepäck in ein Flugzeug einsteigen kann, weiss nun auch Pater Roman.
Trotzdem flogen wir pünktlich ab und damit wir auch keine Minute vor der planmässigen Landungszeit in London-Heathrow ankamen, kreiste das Flugzeug eine geschlagene halbe Stunde lang über dem Osten der Stadt, was nicht jedem FM-Magen gut bekam.
Während der Busfahrt nach Portsmouth kam von Werni, unserem Material-Chauffeur ein SMS, dass er und Reisebegleiterin Elena, unsere Physiklehrerin, das Ziel ebenfalls bald erreichen würden. Sie waren bereits am Montagmorgen gestartet, haben in Calais übernachtet und sind durch den Kanaltunnel nach England gekommen. Den beiden bin ich unendlich dankbar, dass sie diese Strapazen auf sich genommen haben. Wir konnten so unser Grossmaterial bequem im Schulbus transportieren.
Nach dem Hotelbezug besuchten wir am Dienstagnachmittag die Historic Dockyard von Portsmouth und das war auch der einzige Moment, wo wir mit dem Irak-Krieg konfrontiert wurden. Auf der Hafenrundfahrt sahen wir zwei Schiffe, die gerade von ihrem Kriegseinsatz zurückgekehrt waren.
Einige Mitglieder nutzten den Nachmittag, um Portsmouth auf Inline-Skates zu erkunden. Ich hatte ihnen erlaubt, die Skates mitzunehmen unter der Bedingung, dass auch die entsprechenden Schoner mitgenommen und getragen werden. Auch unser Materialbus-Fahrer Werni hatte seine Skates dabei, vergass aber die Handgelenk-Schoner. Die Engländer staunten dann nicht schlecht, als ihnen jemand mit Inline-Skates an den Füssen und normalen Schuhen an den Händen entgegenfuhr.
Der Mittwoch war dann der anstrengendste Tag der Konzertreise. Auf dem Programm standen zwei Auftritte in verschiedenen Schulen und ein öffentliches Konzert am Abend.
Um 09.30 waren wir in der Corpus Christi R.C. Primary School bereit zum ersten Auftritt. Vor uns sassen am Boden die etwa 120 vier- bis siebenjährigen Kinder, eine Stunde später folgte dann in einer zweiten Abteilung die nächste Altersstufe (7-11 Jahre).
Dieses Konzert sollte zum ersten von mehreren höchst beeindruckenden Momenten für die FM werden. Wir hatten vorgesehen, dass gegen Schluss der Stunde die Kinder unsere Instrumente ausprobieren dürfen. Mit unglaublicher Neugierde, grossem Interesse und freudestrahlenden Augen bliesen die Kleinen in die verschiedenen Instrumente, traktierten das Schlagzeug oder bekamen Gitarre-Unterricht von Pater Roman. Echte Talente wurden dabei entdeckt und viele brachten sogar das Sousaphon von Lukas zum Tönen.
Dieser freudevolle Ausbruch der verschiedenen Töne stand in krassem Gegensatz zu der eher bedrückend wirkenden starren Disziplinierung der Kinder. In allen vier besuchten Schulen lief der Konzertbesuch nach demselben Muster ab. Die Kleinen marschierten in einer strengen Einerkolonne in die Halle, stellten sich in eine Reihe, liessen sich im Schneidersitz nieder und waren mucksmäuschenstill, dann folgte die nächste Reihe, bis der Saal gefüllt war. An einer Schule bemerkten wir sogar richtiggehende Angst der Kinder vor einzelnen Lehrern und in der zuletzt besuchten Schule waren die Lehrer erschreckt über die Aufforderung, dass die Kinder nun nach vorne kommen könnten um die Instrumente zu probieren. Offensichtliche Angst, die Kontrolle zu verlieren, war in ihren Gesichtern zu lesen.
Sehr befremdlich war auch, dass uns nicht gestattet wurde, auf dem Schulhof unser Mittags-Sandwich zu verzehren während die Schüler draussen waren. Direkter unbeaufsichtigter Kontakt wurde streng vermieden. Für uns fremd waren auch die Schuluniformen. Meiner Ansicht nach allerdings keine schlechte Einrichtung. Soziale Unterschiede sind damit in der Kleidung nicht ersichtlich.
Die negativen Wahrnehmungen änderten aber nichts am positiven Erlebnis unserer Auftritte an den Schulen. Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Mitglieder der FM waren überglücklich über diese Erlebnisse.
Am Mittwochnachmittag traten wir unter gleichen Bedingungen wie am Morgen in der College Park Infant School auf und am Abend stand das öffentliche Konzert in der St Agatha’s Church auf dem Programm. Man kann nicht gerade behaupten, dass das Publikum in hellen Scharen herbeiströmte, obwohl sich die Organisatoren mit der Werbung sehr grosse Mühe gegeben hatten und so entschlossen wir uns zu einem abgekürzten Programm, dessen zweiter Teil die Big Band alleine bestritt. 
Am Donnerstag folgten nochmals zwei Auftritte in Schulen, wobei wir jedes Mal dieselbe schöne Erfahrung mit den interessierten Kindern machten. So konnte sich Evelina einmal kaum dagegen wehren, dass eine Kleine ihr die Klarinette fast aus den Händen riss. Das Bedürfnis dieser Kinder, Musikinstrumente einmal live zu erleben und sogar selbst zu probieren, war gewaltig. Ich hoffe einfach, dass wir nach unserem Auftritt in der kleinen Halle der Westover Primary School keine Gehörschäden hinterlassen haben. Trotzdem bleibt es für mich ein Rätsel, wie der Kleine bei unserem Auftritt in der College Park Infant School einschlafen konnte – bis sein Kopf an die Rücken zweier vor ihm sitzender Kollegen kippte. So leise waren wir nicht!
Diese Erfolge mit den Auftritten in den Schulen wären niemals in dem Masse möglich gewesen ohne meine Assistentin und Reisebegleiterin Linda. Als Betriebswirtschafts-Studentin ist es ja nicht gerade selbstverständlich, vier- bis elfjährige Kinder interaktiv in ein Konzert der Studentenmusik einzubeziehen und zu begeistern. Genau das ist ihr aber gelungen. Sie hat vor der Tournee eine Spielstübli-Gruppe und mit meinem Sohn zusammen den Kindergarten und den Musikchindsgi besucht und dabei ganz offensichtlich das nötige Rüstzeug für diese Aufgabe geholt. Die Kinder bekamen Informationen zur Musik, zu den Instrumenten und wurden auch ins musikalische Geschehen aktiv miteinbezogen. Dafür und für noch mehr danke ich Linda ganz besonders. Im Bericht des EA vom 29. April über unsere Reise heisst es, dass dies die siebte Reise sei, die ich „mitorganisiere“. Da haben wir uns bei der Besprechung zum Artikel wohl etwas missverstanden, bei der diesjährigen Tournee stimmt es allerdings. Linda hat so viel organisiert, dass ich diesmal tatsächlich nur als „Mitorganisator“ gelte. Mit ihrem perfekten Englisch hat sie alle Kontakte geknüpft und gehalten, aber auch die ganzen Abläufe durchgedacht und wo nötig korrigiert und verbessert. Als ehemaliges Mitglied der FM weiss sie, was wann wo nötig ist und kennt den Laden ganz genau.
Das Wetter des letzten Konzerttages konnte allerdings auch sie nicht verbessern. Für den Auftritt in den Gunwharf Quays, einem grossen Einkaufscenter, mussten wir die Schlechtwettervariante unter Dach wählen. Nach 20 Minuten wurde unser Konzert allerdings gestoppt, die Lärmbelästigung für die einzelnen Shops sei zu gross… Von einer gedeckten Terrasse aus spielten wir dann noch eine weitere Stunde, allerdings etwas gar weit vom Publikum entfernt.
Zum letzten Mal wurde dann unser Materialbus gepackt und Chauffeur Werni schlängelte sich mittlerweilen routiniert durch den englischen Linksverkehr.
Gegen Abend wurde der Wind zum Sturm und die paar Tropfen vom Nachmittag verdichteten sich zu Bindfäden, so dass der letzte Auftritt abgesagt werden musste. Wir hätten in der Fussgängerzone von Fareham, einer Nachbarstadt von Portsmouth gespielt. Was aber trotzdem stattfand, war das gemeinsame Nachtessen im Hotel; deshalb erwähnenswert, weil es wohl einen Tiefpunkt unsere Reise darstellte und einen tiefen Blick in die englischen Kochtöpfe erlaubte! Nicht nur Lorenz, auch mich würde es interessieren, wie man Gemüse zubereitet, dass es nach gar nichts mehr schmeckt, von der dazu servierten Schuhsohle ganz zu schweigen. Gerettet hat uns dann allerdings die erstaunlich gute Eiscreme. An diesem Abend hatte auch ich endlich etwas Zeit, mit der FM in der Hausbar etwas zusammenzusitzen und die freien Stunden zu geniessen. Und das ist auch wichtig, sich ausserhalb des Schulalltags besser kennen zu lernen.
Nicht nur der Linksverkehr war für die meisten von uns ungewohnt. Es gab auch noch anderes, das erstaunte oder doch verwunderte. Da waren zum Beispiel die Sicherheitsvorschriften im Autobus. Wie im Flugzeug wurden alle Passagiere mit den Notausgängen (Fenster) und dem Standort des Feuerlöschers und der Bordapotheke vertraut gemacht. Angurten ist auch im Bus obligatorisch, das Durchsetzen hängt allerdings vom Chauffeur ab. Klar durchgesetzt wird dafür die Alkohol-Gesetzgebung. Unter 18 Jahren gibt’s nichts und das wird auch kontrolliert (im Zweifelsfall wird der Ausweis verlangt). Also etwas anders als bei uns, wo fast jeder Kindergärtler ein Bier kaufen kann, obwohl auch wir eine entsprechende Gesetzgebung hätten. Und Elena setzte auch meine Forderungen durch und schickte die jüngeren FM-Mitglieder um 23 Uhr ins Bett!
Leider kennt England keine Gesetze, die einen gewissen Minimalstandard in der Kochkunst verlangen! Allerdings gibt es phantastische indische, chinesische, mexikanische oder spanische Restaurants in Portsmouth.
Nicht nur die Mitglieder des Leitungs-Teams verdienen einen grossen Dank, sondern auch das Komitee der FM. Mit grossem Verantwortungsgefühl nahmen alle ihre Aufgaben wahr, insbesondere unser Materialverwalter Lukas.
Mir ist bewusst, dass dieser Reisebericht nur meine Sicht zeigen kann. Jede und jeder hat die Zeit in England etwas anders erlebt!
Was für mich auch diesmal wieder ganz extrem war: einer langen Vorbereitungszeit (8 Monate) steht die kurze Zeit der fünftägigen Konzertreise gegenüber und da stellt sich natürlich die Frage, ob sich so ein Unternehmen lohnt, ob das Sinn macht. Wenn ich an die strahlenden und interessierten Kinder in den vier Schulen zurückdenke, muss ich sagen, ja!

Marcel Schuler


POST-POSTSKRIPTUM

Als ich ein paar Monate nach Vermittlung meines Kontaktes in Portsmouth von Marcel gefragt wurde, ob ich bereit sei, auch etwas weiter zu helfen und auch neue Kontakte zu knüpfen, habe ich ohne viel zu überlegen eingewilligt. Bald nach einigen britischen E-Mails merkte ich, wie sich meine Vorstellung von „etwas übersetzen und helfen“ auf „telefonieren“, „Informationen nachjagen“, „Sachen berichtigen“, „Schlafplatz suchen“ u.v.m. ausweitete. Es brauchte viel mehr als ich gedacht hatte! Da die Reko-Reise in meine Semesterferien fiel, brauchte es nicht allzu viel Überredensarbeit, bis ich einwilligte. Und in England merkte ich dann selbst (auch mit einigen Lachern), dass das Englisch von Marcel nicht ausreichte, auf der Tournee durchzukommen, geschweige denn, die Konzerte zu kommentieren. Also verschrieb ich mich voll und ganz der Sache.
Bereut habe ich es nicht. Ich wurde von den FM-lern freundlich wieder aufgenommen und respektiert, übersetzte wacker überall und alles, wobei ich bei den Safety-Talks im Bus froh war, dass der Chauffeur mich nicht verstand. Er wunderte sich einfach, wieso alle sich so amüsierten, als ich erklärte, wo die Notausgänge sind. Einige Male liess ich das Übersetzen aber lieber bleiben, es war herrlich zu betrachten, wie der Security-Mann im Flughafen Pater Roman erklären wollte, dass er seine Schuhsohlen zeigen sollte.
Gewisse Sätze und Sprüche wurden ohne weiteres verstanden, worauf Gelächter folgte und/oder pantomimische Drohungen gegen mich fielen. Noch heute hoffe ich, dass einige meiner Witze nicht in den FM-internen Thesaurus eingehen werden.
Andere Male konnte ich - soviel ich es auch wollte - nicht übersetzen. So die Bitte beim letzten Konzert, „the old guy with the duck“ zu verschieben, um den Lift für Passanten freizuhalten. Als ich realisierte, was gemeint war, lachte ich schallend: Pater Roman hielt gerade das Maskottchen im Arm und stand hinter unserer Truppe, da für seinen E-Bass kein Strom da war.
Abschliessend war es für mich mehr als eine interessante Erfahrung, die andere Seite einer Tournee zu erleben. Ich bewundere Marcel, der das Ganze sonst alleine organisiert und betreibt und kann mir fast nicht vorstellen, wie das möglich ist. Denn: egal, ob es sich lohnt oder nicht, der Aufwand bleibt gleich hoch! Doch auch ich würde die Frage mit Ja beantworten. Und wenn das Essen im nächsten englischsprachigen Land besser ist, wird meine anfängliche Entscheidung wieder gleich ausfallen!

Linda Morgenthaler

Reise nach Paris 2002

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„Sie sind verrückt! Sie wollen wirklich mit einem Buschauffeur aus dem Kanton Schwyz nach Paris kommen und hier herumfahren?“ Das sagte mir jemand in Paris, als ich ihm erzählte, was ich im Sinn habe. In etwas anderem Zusammenhang schrieb mir jemand: „Keiner ist so verrückt, dass er nicht noch einen Verrückteren findet, der ihn versteht.“
Oft kam es mir wirklich als Verrücktheit vor, diese Konzertreise nach Paris auf Biegen und Brechen auf die Beine zu stellen. Beim ersten Versuch vor einem Jahr bin ich gescheitert und trotzdem hat diese Konzerttournee schlussendlich stattgefunden.
Ich möchte in diesem Bericht nicht die vielen Mühseligkeiten der Vorbereitung, sondern das Resultat beschreiben.
Wie schon letztes Jahr begann die Tournee mit einer Probe am Vortag der Abreise. Nach zwei Wochen ohne gemeinsame Probe mussten wir uns in zwei Stunden wieder in Form bringen, damit wir mit gutem Gewissen vor unser Publikum treten durften. Das Ergebnis war sehr ermutigend und so konnte ich in Ruhe den Morgen der Abreise abwarten.
Pünktlich um 06.15 chauffierte also ein weiterer Verrückter seinen komfortablen zweistöckigen Reisebus hinter das Theater. Zusammen mit ihm würden wir die 720 km nach Paris unter die Räder nehmen, täglich ein bis zweimal den Place de l’Étoile (Arc de Triomphe) mit seinem für Nicht-Pariser erschreckenden Kreiselverkehr durchqueren und an allen möglichen Orten legal und illegal parken.
Was mein Namensvetter Marcell (mit zwei „l“) Schuler in den nächsten Tagen am Steuer leistete, war phantastisch! Er meisterte die unmöglichsten Situationen wortwörtlich mit dem kleinen Finger am Steuer, so dass P. Roman nun überzeugt ist, dass es überhaupt keine Kunst ist, dieses vier Meter hohe mit 500 PS bestückte Vehikel zu lenken und er sich nun auf die Car-Prüfung vorbereitet. Die ersten Fahrstunden hat er bereits in Paris erhalten. Er weiss, wie man den Motor startet (abstellen wird dann in einer der nächsten Lektionen folgen), wo die Hebel für die Heizung sind und was alles im Kühlschrank vorhanden ist (war).
Nach gut elf Stunden Fahrt sind wir in unserem Hotel in Saint Germain-en-Laye ca. 20 km westlich von Paris angekommen.
Der Dienstag brachte unseren FM-lerinnen und FM-lern den ersten direkten Kontakt mit Paris. Um einen kleinen Überblick über diese riesige Stadt mit ihren etwa 14 Millionen Einwohnern zu schaffen, machten wir am Nachmittag eine stündige Schifffahrt. An wenigen Orten wirkt Paris so romantisch wie auf der Seine.
Am frühen Abend sollte das erste Konzert im Conservatoire Jacques Ibert stattfinden. Ohne allzugrosse Schwierigkeiten fanden wir mit unserem Bus einen freien Platz auf dem Radstreifen vor dem Conservatoire…
Dass drei Minuten vor dem vorgesehenen Konzertbeginn erst 15 Personen im Zuhörerraum waren, frustrierte uns natürlich ein wenig, aber 20 Minuten später war dann die Aula recht anständig besetzt und wir konnten den Kampf mit der trockenen Akustik des Saales aufnehmen. Da sind unsere Musikerinnen und Musiker über sich selbst hinausgewachsen und haben mit unheimlicher Konzentration eine so gute Leistung gezeigt, dass sowohl der Direktor des Konservatoriums als auch die Vertreterin des 19. Arrondissements von Paris uns am liebsten schon im nächsten Jahr wieder einladen würden. Mme Forestier, die stellvertretende Bürgermeisterin, hat dann unserem Chauffeur den Busszettel aus der Hand genommen mit der Bemerkung, da wir so gut gespielt hätten, würde sie das schon erledigen…
Zu meinen französischen Konzert-Kommentaren meinte ein Zuhörer, dass ich viel besser französisch spreche als die meisten Franzosen deutsch. Ich fasste es nicht unbedingt als Kompliment auf und antwortete: „j’ai compris“.
Schon vor der Konzertreise drückten mich die Sorgen um den 1. Mai. Ich hatte die Bewilligung erhalten, am Nachmittag hinter Notre-Dame ein Ständchen zu geben. Also der ideale Ort zum idealen Zeitpunkt. Nur hatte ich nicht mit dem Resultat des ersten Wahlganges der Präsidentschaftswahlen gerechnet! Die Gefahren für uns wurden zwar sowohl von der Schweizer Botschaft als auch von der Pariser Polizei für unbedenklich erachtet, allerdings konnte mir niemand eine Bewilligung erteilen, unser Material mitten in die Stadt zu führen. Es wurden ganz massive Demonstrationen erwartet und die ganze Innenstadt abgesperrt. Um unsere Bläserinnen und Bläser nicht zur Teilnahme an den Demonstrationen zu ermutigen, musste ich mir in kürzester Zeit ein Alternativ-Programm einfallen lassen. So besuchten wir das Château de Saint Germain-en-Laye. Hier wurde Louis XIV. geboren und heute ist im Schloss die weltweit wichtigste Gallorömische Sammlung untergebracht. Den Nachmittag verbrachten wir dann im Schlosspark von Versailles.
Zwei Höhepunkte waren für den Donnerstag vorgesehen. Der Besuch in der Schweizer Botschaft und der Auftritt im Lycée Carnot.
Das Wetter war nicht gerade ermutigend, als wir am Morgen wegfuhren – es goss wie aus Kübeln - und schon bald meldete sich auf meinem Natel Madame Chollet, die Kulturbeauftragte der Botschaft, wie ich das mit unserem Auftritt sehe. Ich meinte, dass das kein Problem sei, bei uns sei es völlig trocken – wir fuhren gerade durch den Tunnel unter La Défense. Und tatsächlich, das Unwahrscheinliche geschah und wir spielten unser Ständchen im Hof der Botschaft unter einigermassen blauem Himmel zur Freude von Botschafter Bénédict de Tscharner und seiner Gattin und der Botschaftsangestellten.
Hochinteressant, was uns der Botschafter beim anschliessenden Apero in den altehrwürdigen Empfangsräumen über das Haus und seine eigenen Aufgaben zu berichten wusste. Ohne Ausweichen beantwortete er auf äusserst sympathische Art und Weise die gestellten Fragen.
Den freien Nachmittag nützten viele, um endlich Paris vom Eiffelturm aus zu betrachten.
Mit Gustave Eiffel machten wir am Abend nochmals indirekt Bekanntschaft. Die Halle des Lycée Carnot – an dieser Schule bestand einst Jacques Chirac seine Matura – hat Eiffel mit einer Stahl-Glas-Konstruktion überdacht. Nach dem natürlich wieder illegalen Parken des Busses (wie sollte es in dieser von Autos verstopften Stadt anders möglich sein) richteten wir uns im Saal ein und waren erst einmal erschlagen von der halligen Akustik des Saales. Für uns Ausführende eine brutale Klangmasse, für die Zuhörer aber doch erstaunlich differenziert.
Der Rektor des Gymnasiums hat sich wahnsinnig Mühe gegeben, für uns Werbung zu machen und er war überzeugt, dass bestimmt 400 Zuhörerinnen und Zuhörer zu unserem Konzert kämen. Aber eben, auch er hat nicht mit Le Pen gerechnet! Die Franzosen waren in der Mehrheit wirklich geschockt über dieses Wahlresultat und dieser Schreck hat sich dann auch auf den Konzertbesuch ausgewirkt. Nur wenige hatten offenbar während dieser Woche Lust, ein Konzert zu besuchen. Das demokratische Frankreich wirkte schockiert und verwundet.
Umso herzlicher wurde dann von den Anwesenden unsere Leistung applaudiert und die Zugaben trotz unangenehmer Kälte im Saal mit einer Standing Ovation entgegengenommen. Mir ist es auf meinen Tourneen nie passiert, dass so viele Zuhörerinnen und Zuhörer nach dem Konzert so spontan auf mich zukamen und sich begeistert über unser Musizieren äusserten.
Und zu Recht, muss ich sagen. Unsere Musikerinnen und Musiker haben wirklich eine tolle Leistung in diesen Konzerten vollbracht.
Nicht nur musikalisch ist die Studentenmusik aufgefallen, sondern auch durch ihr Verhalten. Mehrfach durfte ich hören, dass unsere jungen Leute ausserordentlich anständig seien. Die Hilfsbereitschaft – alle packen mit an, wenn es darum geht, das Material herumzuschleppen (allerdings empörte sich unser Chauffeur Marcell zu Recht, dass die Mädchen immer die grössten Kisten herumtragen) -, der Umgangston und die gegenseitige Toleranz sind wirklich auffallend. 
Dann auch das Interesse am Neuen! Besonders die unteren Klassen nützten jede Gelegenheit, Paris zu erkunden. So machte sich am Donnerstagmorgen gleich eine Gruppe von 13 Bläserinnen und Bläsern schon morgens um 07.20 auf den Weg, um noch möglichst viel von Paris zu sehen vor dem Auftritt in der Botschaft. Um trotzdem den Kontakt zu meinen Schäfchen immer zu halten, war das Natel ein unverzichtbares Werkzeug.
Die Studentenmusik ist ja eine der wichtigsten Möglichkeiten an unserer Schule, über die Klassen hinweg Kontakte zu knüpfen. Es war lustig zu sehen, wie gerade die ältesten Schülerinnen den Kleinsten in den Abendausgang mitgenommen haben. Prompt kam schon am ersten Abend ein Anruf auf mein Natel, ob unser Schlagzeuger Mathias – er ist in der ersten Klasse – noch etwas länger als ich das im Programm erlaubt habe im Ausgang bleiben dürfe. Er durfte. Ich glaube sogar, dass er diese verlängerten Abendausgänge besser überstanden hat als seine älteren Begleiterinnen.
Und dass ich selbst diese Konzertreise so gut überstanden habe ist nicht nur der Liebenswürdigkeit und Disziplin der jungen Leute, sondern auch dem begleitenden Team zu verdanken. Die Lachmuskeln wurden oft schon beim Frühstück arg strapaziert. Was ich im Voraus vermutete und erhoffte, hat sich dann als richtig herausgestellt: ein Leitungsteam, das sich versteht, sich gegenseitig stützt und mit viel Humor das Zusammensein zum unvergesslichen Erlebnis macht.
P. Roman findet nicht nur als Begleitperson, sondern auch als Mitglied der Studentenmusik – als Bassgitarrist - nach wie vor mühelos den Draht zu den jungen Leuten. Abgesehen davon ist seine Erfahrung von unschätzbarem Wert. Ruth Oswald, die uns zum zweiten Mal auf eine Tournee begleitet, kennt mittlerweilen sowohl die Eigenheiten der Studentenmusik als auch des Leiterteams und ihre Energie und Präsenz hat sehr zum guten Gelingen beigetragen. Nicht einmal gewisse Widrigkeiten in ihrer Unterkunft konnten ihre gute Laune verderben. Wie sie das Problem mit dem Reise-Fön mit kurzem Stromkabel und der einzigen im Zimmer vorhandenen Steckdose – blöderweise 10 cm über dem Fussboden gelegen – gelöst hat, weiss ich nicht. Auf jeden Fall schaffte sie es, ihre Haare zu trocknen. Und warum ihr Fernseher nur dann funktionierte – falls überhaupt – wenn sie im Bett lag, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Marcell (mit zwei „l“) Schuler erwähnte ich im Programm nicht nur als Chauffeur sondern frecherweise gleich als Mitglied des Leitungsteams; und das war richtig so. Er erwies sich nicht nur als gewiefter Fahrer, sondern wirkte auch bei allen Entscheiden mit und trug viel zur gelösten Stimmung bei. Und abgesehen davon weiss ihn P. Roman als Fahrlehrer zu schätzen… Nur einmal hat er das Handtuch geworfen, und zwar in Richtung Badezimmertüre, als das Wasser beim Duschen sein Zimmer zu überfluten drohte. Obwohl unsere Unterkunft sehr gut war, auf den Luxus eines Duschvorhangs hatte die Hotelleitung verzichtet.
Nicht nur die Mitglieder des Teams verdienen einen grossen Dank, sondern auch das Komitee der FM. Mit grossem Verantwortungsgefühl nahmen alle ihre Aufgaben wahr, insbesondere unsere Kapellmeisterin Andrea.
Dass für die meisten dieser Aufenthalt in Paris viel zu kurz war, ist verständlich und ich bin überzeugt, dass viele diese riesige und grossartige Stadt wieder besuchen werden; auch ich! Die Tourismusbranche wird es uns danken…
Mir ist auch bewusst, dass dieser Reisebericht nur meine Sicht zeigen kann. Jede und jeder hat die Zeit in Paris etwas anders erlebt, aber in einem stimmen wir mit Sicherheit überein: es war ein ganz tolles und positives Erlebnis!
Und wer immer noch nicht genug von uns, aber einen Zugang zum Internet hat: www.studentenmusik.ch

Marcel Schuler


POSTSKRIPTUM

In vorgerücktem Alter beginnt man zurückzudenken und Erlebtes zu glorifizieren. Ich versuche täglich dieser Senioren-Träumerei zu entflie­hen.
Wenn aber mein Freund und Nachfolger Marcel ein Postskriptum wünscht, erlaube ich mir 2 Punkte zu erwähnen:
1. Das Überraschende auf der Tournee „Paris 02“ war für mich der Umgang der 30 Bläserinnen und 20 Bläsern mit dem 82-jährigen E-­Bass-Zupfer. Ich fühlte mich in der Sousaphonreihe von Reto, Lukas und Marc angenommen. In meiner Zelle habe ich nach der Tournee einen kleinen grünen Zettel an die Wand geklebt: Billet für das Bähn­chen im Schlosspark von Versailles: 5,10 EURO. 6 Bläserinnen hatten mich im Park überfallen und luden mich zu einer Fahrt ein. Das ist ein Unikum in meiner FM-Geschichte. Diese Einladung hat alle meine Bedenken, in der FM weiterzuzupfen ausgeräumt.

2. Ein interessanter Programm-Vergleich 1985 / 2002
a) Anschlag 1985 am Kloster-Mitteilungsbrett („Klagemauer“): „99 Jung-Einsiedler und 1 Rentner sind 6 Tage auf das Gebet der Klostergemeinschaft sehr angewiesen. Merci „PR“
b) Aus dem Elternbrief 1985: Hier die Pauschal-Offerte des Reise­büros Mittelthurgau Winterthur:
Bahnfahrt 2.Klasse in direkten Wagen ab Einsiedeln nach Paris und zurück / Anschlussextrazug Thalwil-Zürich / IC-Zuschlag auf der Hin- ­und Rückfahrt / Transfer mit Autocars Bahnhof-Hotel und zurück / inklusiv Extra-VW-Bus für das Grossmaterial / Stadtrundfahrt mit zwei Führern / Busfahrten zu den Konzerten in die Stadt, nach Versailles, Beauregard und Rueil-Malmaison / Unterkunft in Mehrbettzimmern und Frühstück / Miete des Instrumentenmagazins im Hotel Leo La­grange; Reisekosten = 393.- Sfr.
Dazu kommt die Verpflegung für 5 Tage: 6 Hauptmahlzeiten à 12.­- Sfr. plus 2 Lunch-Verpflegungen durch "Le petit quin-quin", Paris, à 9.- Sfr. Für die Hinreise decke ich mich mit Proviant aus der Kloster­küche ein, die Tranksame stiftet Alt-Feldmusikant Alois Gmür, Brauerei Rosengarten Einsiedeln. / Gesamtkosten PARIS OSTERN 1985 = 483.- ­Sfr.
c) Konzerte: Montag, 15.April 85: 14.00 Konzert auf dem CHAMP DE MARS / 15.30 Konzert im Jardin des CHAMPS-ELYSEES / Dienstag, 16.April: 09.30 Konzert im Cour de Marbre du CHATEAU DE VERSAI­LLES / 15.00 Konzert vor dem CHATEAU DE BEAUREGARD / Mitt­woch 17.April: 15.30 im PARK der Firma SANDOZ / 20.45 Galakonzert im THEATRE ANDRE-MALRAUX für das Collège in Passy-Buzen­val und für Rueil-Malmaison.

Pater Roman Bannwart

Reise nach Freiburg im Breisgau 2001

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Dieser Bericht fehlt leider im Archiv.

Reise nach München 2000

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Vieles war auffällig und manches anders auf der diesjährigen Reise der Studentenmusik im Vergleich zu anderen Jahren. Das hat schon damit begonnen, dass wir nach längerer Zeit wieder einmal mit dem Bus gereist sind und uns nicht durch die Lüfte zu unserem Ziel schwangen. 
Um 9 Uhr am Donnerstagmorgen war der Doppelstöcker-Bus des Carunternehmens E.Schuler aus Feusisberg hinter dem Theater zum Beladen bereit und schon 40 Minuten später starteten wir Richtung München. Dies die erste Auffälligkeit: wir sind zu früh. Das lag einerseits an den Transportunternehmen, die uns betreuten und anderseits am engagierten Anpacken der jungen Leute. 
Dass der komfortable Reisebus nebst WC und 500 PS auch noch eine Videoanlage hatte, bemerkten einige schon vor der Abfahrt und organisierten noch schnell ein paar Filme, so dass die Fahrt nach München für viele sehr kurz wurde. Etwas länger kam sie P.Roman vor, da er direkt unter einem Lautsprecher sass, aber keinen Bildschirm vor sich hatte. 
Beeindruckt hat uns die überlegene und sichere Fahrweise unseres Chauffeurs, der sich mir bei seiner Ankunft am Morgen lachend mit seinem Namen vorstellte: Marcel Schuler! 
Kurz vor München tauchte das erste kleine Problem auf (grössere gab es zum Glück gar keine). Mein Natel, mit dem ich unsere Ankunft mitteilen wollte, damit wir offene Türen finden, um unser Instrumentarium im Klenze-Gymnasium zu deponieren, wo geprobt werden sollte, meldete mir, dass ich keinen Zugang zu diesen Nummern habe. Dank grosser Natel-Dichte in unserem Team war diese Schwierigkeit sehr schnell gelöst und bis am Abend kam auch mir wieder in den Sinn, mit welcher speziellen Zahlenfolge ich mein Natel-Easy auch im Ausland gebrauchen kann. 
Trotz viel zu früher Ankunft in München tauchte Herr Leisch, der ehemalige Direktor des Klenze-Gymnasiums, sehr bald auf, begrüsste uns in seiner offenen und herzlichen Art und öffnete uns die Türen. 
Die Hälfte unseres Teams begab sich zu Fuss ins nahe Hotel und die anderen fuhren weiter zur Jugendherberge Burg Schwaneck in Pullach. Dass die Burg erst 1843 von einem Münchner Bildhauer erbaut wurde, wollten einige nicht so recht glauben, sieht sie doch zum Teil fast echt alt aus. Wirklich alt ausgesehen habe eher ich selber nach der zweiten Nacht. Vor der Reise erwähnte ich immer wieder die strengen Hausregeln und wir alle mussten feststellen, dass sich nicht einmal die Herbergsleitung daran hielt. 

Freitag - erster Probetag. Im Programm habe ich geschrieben: "Wecken geschieht nicht durch das Team. Jede und jeder ist dafür verantwortlich, am Morgen rechtzeitig aufzustehen." Aber wer weckt das Team? Nach ein paar Nächten haben dann offenbar auch Marlies, unsere Posaunen- und Pia, unsere Saxophonlehrerin, einen Wecker gefunden. 
Im Klenze-Gymnasium begann nun die Probenarbeit in Gesamt- und Registerproben. Schon nach kurzer Zeit tauchte in Motorradhelm und Lederjacke, gerade seiner im Schulhof parkierten Harley entstiegen, der Musiklehrer des Klenze-Gymnasiums auf und wollte nachsehen, was wir aus seinem toll eingerichteten Musikzimmer gemacht haben. Als er unseren Bassgitarristen sah, meinte er, dass wir in der Schweiz doch sehr langdauernde Langzeitgymnasien hätten! Dr. Grätz bot am letzten Tag, als wir unser Material wieder abholten, ein ganz anderes Bild. Mozartklänge im Rücken stand der Rockmusiker im Anzug in der Tür des Musikzimmers und erstaunte damit unsere FMler(-innen). 
Am Freitag, am Samstagnachmittag und am Montag wurde intensiv geprobt. Jedes Register hatte seinen Leiter oder seine Leiterin. Dass unser Arzt Dr. med. Erwin Oechslin sich nicht nur mit Herzklappen, sondern auch mit Ventilen und Posaunenzügen auskennt, hat vielleicht einige etwas erstaunt. Karin und Marlies, die in Luzern Musik studieren, betreuten ihre Instrumentengruppen (Klarinette und Posaune), während Beda (HSG St.Gallen) die Schlagzeuger durch das Rhythmengestrüpp führte. Mein Freund und ehemaliger Schüler Michael Hess (von Beruf Historiker) hat seine Wette schlussendlich gewonnen und es doch erreicht, dass unser Hornist Lorenz bis zum Schluss in den Proben nebst den Worten "ja" oder "nein" doch noch einen vollständigen Satz von sich gab. 
P.Roman gab sein Wissen als Militär-Tenorhornist weiter (seit ein paar Jahren ist er das allerdings nicht mehr), während ich meist mit den Flöten probte. 
Ich habe gestaunt über die Energie und den Willen und vor allem die Disziplin, mit der unsere jungen Leute (die meisten) in den doch recht vielen Probestunden gearbeitet und auch entsprechend etwas erreicht haben und so war der freie Sonntag verdient. 
Über die Kulturbeflissenheit einiger unserer Bläserinnen und Bläser habe ich wirklich gestaunt. Voller Begeisterung erzählten sie mir über die gesehenen Meisterwerke in der Alten und Neuen Pinakothek. Viele haben natürlich das Deutsche Museum besucht und sich von den technischen Exponaten begeistern lassen, während sich die älteren Teammitglieder bei Weisswürsten und einem ausgedehnten Spaziergang im Englischen Garten erholten. 
Am Sonntagabend stiess auch unsere Flötistin Kathrin zu uns, die wegen Krankheit am Donnerstag nicht mitreisen konnte, so dass die FM nun fast vollständig in München war. Eine Klarinettistin musste leider krankheitshalber zu hause bleiben. Dass sich unser Saxophonist Raphael so gut von seiner Blinddarmoperation erholt hat, ist vielleicht einer von unserem Arzt verschriebenen Bierkur zuzuschreiben, aber darüber bekam ich wegen des Arztgeheimnisses keine Auskunft. 

Seit Samstag wohnten wir nun im Jugendgästehaus München mit seinen 350 Betten. Strikte achtete hier der Sicherheitsdienst auf die Nachtruhe, leider aber weniger auf die Finger von Carmen. Fachfrauisch inspizierte unsere Technikerin ihre Bettlampe und stellte dabei schlagartig (wörtlich zu nehmen!) eine beschädigte Installation fest. Mit blossen Händen entdeckte sie das 220-Volt-Leck. Das Problem habe ich der Herbergsleitung mitgeteilt; die Lampe wird umgehend repariert. 

Dienstag – Konzerttag. Ich stehe schön früh auf, damit ich mich in einer der wenigen Duschen für den Tag frisch machen kann. Da habe ich mich aber schön verrechnet. Ich war nicht der erste, sondern offenbar so ziemlich der letzte Aufsteher an diesem Morgen. Die ganze FM schon fit und munter. Eine Etage höher habe ich dann doch noch eine freie Dusche gefunden. So wenig erfreulich wie die Duschsituation war, zeigte sich im Gegenteil die Disziplin unserer jungen Leute. Topfit (man beschränkte sich offenbar auf einen Kinobesuch am vorangegangenen Abend und ging anschliessend zu Bett) waren alle (wieder etwas zu früh) beim Klenze-Gymnasium, um das Material in den überlangen Sittenauer-Bus zu verladen, um zum Studienkolleg des Freistaates Bayern zu fahren und dort ein halbstündiges Ständchen zu geben. In der Schule begrüsste uns die Direktorin, Frau Leisch (sie ist die Gattin des ehemaligen Direktors des Klenze-Gymnasiums) in ihrer herzlichen und energievollen Art. 320 Studentinnen und Studenten aus 51 Ländern hörten uns begeistert zu und viel zu schnell mussten wir uns zum nächsten Konzertort, dem Klenze-Gymnasium begeben. Unsere dortigen Zuhörerinnen und Zuhörer waren etwas unterschiedlich begeistert. Die Musiklehrer und weiteren Lehrkräfte fanden unsere Leistung echt toll, die Schülerinnen und Schüler zum Teil ebenso und einige fühlten sich in ihren Gesprächen offenbar von uns gestört. 
Erholen konnten wir uns bei einem sehr, sehr, sehr reichlichen Mittagessen im Restaurant "Zum blauen Stern", wo uns dann P.Roman verliess. Er reiste mit dem Zug nach Einsiedeln zurück, da er am Mittwoch in Luzern wieder zu unterrichten hatte und pflichtbewusst wie er ist, lässt er natürlich keine Minute ausfallen. 
Vor dem dritten Konzert machten wir noch einen Abstecher zum Schloss Nymphenburg, wo wir die grossartigen Parkanlagen geniessen konnten, mich aber einige dunkle Wolken etwas zu beunruhigen begannen und prompt kamen die ersten Tropfen kurz vor dem Aussteigen am dritten Konzertort, der Münchner Fussgängerzone. Allzu schlimm war es noch nicht und alle packten einmal mehr kräftig an und schleppten das ganze Material zum Richard-Strauss-Brunnen. Wiederum war alles in Rekordzeit aufgestellt und wir begannen das Konzert eine Viertelstunde zu früh. Nach drei Stücken kam auch nicht mehr der kleinste Tropfen vom Himmel (das Gebet von P.Roman im Zug tat seine Wirkung), dafür trat unser Schlagzeuglehrer Beda zu mir und meldete mir den Besuch eines verkleideten Polizisten, der wissen wollte, ob wir denn wirklich hier spielen dürfen. Wir durften! Dass wir etwas zu früh mit dem Konzert begonnen hatten, machte dem jungen Mann im blauen T-Shirt nichts aus, aber auch er staunte, dass wir die Erlaubnis für dieses Konzert bekommen hatten; es gibt nämlich an diesem idealen Ort in der Fussgängerzone nur zwei Bewilligungen jährlich! Wir durften nicht nur spielen, sondern auch einen Trompetenkoffer hinlegen, der nach einer Stunde 284 DM und Fr. 1.20 enthielt. Zum Gaudi aller sortierte ein Kleinkind die Münzen im Koffer immer wieder neu. 
Leider hat unser Trompeter Jonas seine Sonnenbrille vergessen; die am Morgen kunstvoll gestylte Frisur hätte damit noch mehr gewirkt. 
Dieses stündige Konzert hat nicht nur den Zuhörern sondern auch uns unheimlich Spass gemacht und am liebsten hätten wir noch weiter gespielt, aber das erarbeitete Repertoire war am Ende und einmal mehr packten wir unser Zeug zusammen und schleppten es zum Bus, dessen Fahrer sich wiederum begeistern liess von der flinken Arbeit unserer jungen Leute. 

Der letzte Abend, die letzte Nacht in München lag nun vor uns. Aus der Erfahrung der letzten Tage durfte ich mich darauf verlassen, dass die jungen Leute auch das im Griff hatten. Einmal mehr zeigte sich eine weitere Auffälligkeit dieser Reise: Man ging nicht in kleinen Gruppen aus, sondern man vergnügte sich im grösseren Verband über die Klassengrenzen hinaus und blieb zusammen. Das Team traf sich im Donisl, einer typisch bayrischen Gaststätte. Nachdem der dortige Akkordeonist sich genügend Mut angetrunken hatte, setzte er sich an unseren Tisch und wollte uns etwas vorspielen. Das "Vo Luzärn gäge Wäggis zue" gelang nicht so ganz, trotz unsere Hilfe. Auch glaubte er nicht so ganz, dass Erwin Schreiner und Michael Weichenwärter von Beruf sind. Wir haben offenbar seine Menschenkenntnis unterschätzt. Er meinte: "Da sitzen Musiker am Tisch, wahrscheinlich sogar Pianisten, ihr verarscht mich!" 

Der letzte Morgen lief ziemlich ruhig ab. Die Bewegungen einiger waren etwas langsamer als sonst, aber trotzdem klappte fast alles wie am Schnürchen. Wenn ich Vera und Esther nicht zur Bank geschickt hätte, um unsere Kollekte zu wechseln, hätte sogar die Schlüsselabgabe zur Zeit stattgefunden. Aber dafür können die beiden wirklich nichts. Weder sie noch ich haben damit gerechnet, dass das Münz auf dieser Bank noch mühsam von Hand gezählt wird. Aber trotzdem – wir waren wieder zu früh! Um 9.45 starteten wir in München und nachmittags um 15 Uhr war das ganze Material schon wieder in Einsiedeln versorgt und die ersten schon fast zu hause. 

Nebst dem musikalischen Resultat waren für mich die Disziplin, der Teamgeist und die Hilfsbereitschaft die auffälligen Merkmale dieser München-Reise. Sicher ist das dem guten Geist der diesjährigen Maturaklasse, aber bestimmt auch dem Komitee unter der Führung unserer Kapellmeisterin Maja und schlussendlich jedem einzelnen zuzuschreiben. 
Ich bin sehr erfreut über diesen Aufenthalt in München und stolz auf die musikalische, aber vor allem auf die menschliche Leistung meiner Studentenmusik.

Marcel Schuler


Fussnoten des FM h.c. Seniors zu Marcel's Reisebericht

Ich gehörte zum 8er-Team, das die Registerproben übernahm und in den Gesamtproben aktiv mitwirkte. Das war ein Novum, eine Glanzidee des Leiters und Organisators Marcel Schuler. Unser langjähriger, verdienter Tournee-Arzt Dr. Erwin Oechslin meldete sich für 7 Tage beim Unispital ab und übernahm das Trompetenregister. Als führender und verantwortungsbewusster Posaunist der Harmoniemusik Egg brachte er es auch fertig, Samstag früh mit dem München-Zürich IC zur Probe in Egg zu fahren, da das Kantonale Musikfest bevorsteht. Sonntag Abend meldete er sich bei uns zurück und brachte die Flötistin Kathrin mit. 
Gut, dass Erwin sein Natel bei sich trug, jeden Tag wurde er vom Unispital gesucht. Als 'Natelisten-Gegner' musste ich einsehen, dass ein Natel auch seine guten Seiten hat, besonders bei Herzspezialisten im Ausland. 
Auch die anderen Team-Mitglieder brachten für die FM 'Opfer': Karin und Marlies verzichteten auf drei Unterrichtstage am Konsi Luzern; als Lehrer an der gleichen Musikhochschule konnte ich brieflich den Rektor wegen der Absenzen beruhigen. Die Geschwister Pia und Beda mussten die ETH und die UNI St.Gallen im Stich lassen. Michael nahm Urlaub in der Bank und der Einsiedler Choralmussolini hatte nach fünf neumenlosen Tagen Entzugserscheinungen. 

Donnerstag sind wir mit einem Doppelstock-Bus weggefahren. Das weckte in mir, wie könnte es in meinem FM-Alter anders sein, Erinnerungen an die einzige Doppelstock-Busfahrt der FM – die Fahrt nach Würzburg. Im Vergleich zum Schuler-Luxus-Bus war der damalige deutsche Bus eine Bauernstube: Holzbänke und vermutlich Vollgummiräder, vor allem aber zu hoch. Bei der Bahnunterführung an der Zürcher Langstrasse musste der Chauffeur stoppen und umkehren, sonst hätten wir kein Dach mehr über uns gehabt. Der Bus wurde nach der Rückkehr scheint's verschrottet. Doch einen Vorteil hatte die deutsche Rumpelkiste: kein Videoschirm und keine gehörschädigenden Lautsprecher. Erwin fand aber offenbar Gefallen an der modernen Unterhaltungstechnik – fünfmal hat er den Kasten mit seinem wertvollen Kopf begrüsst. Das Nachtessen im Vietnamesischen Restaurant machte manches wieder gut, nicht nur die scharfen Tintenfischresten – auch die kleine Serviererin in langem Weiss meinte es gut mit mir. Ich bestellte als notwendiges Verdauungsmittel einen Wodka. Sie fragte: "Eine Flasche?" Dazu fehlte mir der Mut. 

Weisser Sonntag: keine Proben, dafür Gelegenheit zum Gottesdienstbesuch und zu Streifzügen durch das kulturelle München. Ich entschied mich als Kuttenträger selbstverständlich für das erste und kam liturgisch voll auf die Rechnung. St.Margaretha empfing mich 08.30 Uhr festlich in ihrer hohen und schmucken Kirche. Das beruhigte mein schlechtes Gewissen wegen meiner Absenz in Einsiedeln, wo zu gleicher Zeit Choral ohne Leithammel gesungen wurde – "Gott sei Dank" werden meine Mitbrüder gedacht haben. 
Was ich in der St.Margrethen Basilika erlebte, übertraf meine Erwartungen: ein feierlicher Gottesdienst mit 12 (!) Ministrant(inn)en, inszeniert wie ein perfektes Schauspiel. Vor dem Einzug erklärte ein junger Mönch in schwarzer Kutte ein Lied, dessen 'Alleluia' im 11.Jahrhundert entstanden sei. Er sang vor – die Gemeinde sang nach. Ich reduzierte meine Stimmstärke, um nicht aufzufallen, wenn ich die Töne nicht treffen würde. Und dann begann die feierliche Liturgie, jeder Schritt, jede Verbeugung mit deutscher Perfektion, aber ruhig und würdig, fast wie in Einsiedeln. Warum "fast"? Zwei Rauchfass-Schwinger arbeiteten von Anfang an bis zur Wandlung, mit Unterbruch während der Predigt des Benediktiners. Zwischen den beiden Schwingern stand ein dritter Ministrant mit dem Weihrauchreservoir in der Hand – er war für den Weihrauch-Nachschub verantwortlich. Das war notwendig, denn die zwei schwangen ihr Silbergefäss mit 180° Grad-Kurven und zwar synchron. Ich wartete vergebens auf einen Zusammenstoss. 
Der Zusammenstoss anderer Art geschah nach dem Gottesdienst im 'Augustiner', wo ich endlich meine zwei Weisswürstel bekam und mit einem gehaltvollen Bier mit Marcel, Karin und Michael anstossen durfte. 

Abschliessend: mir war nicht nur in der Kirche und im 'Augustiner' wohl, sondern auch in der neu aufgebauten FM. Ich fühlte mich von den Jungen akzeptiert, nicht nur, weil ich zur Zeit Sousaphone mit dem roten E-Bass ersetzen soll: ein positives Zeugnis für unsere Jungen.

P.Roman, E-Bass

Reise nach Rom 1999

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Bericht einer Flötistin

Wie jedes Jahr lassen sich von der Tournee gute und weniger gute Dinge berichten, wobei das Gute wie immer bei weitem überwog und das Schlechte gut gehandhabt wurde. Und wie jedes Jahr haben wir unglaublich viel erlebt. 
Das Erste, was wir in Rom unternahmen, war eine Stadtrundfahrt im FM-Bus. Das hat uns geradewegs mit zwei Faktoren bekannt gemacht, die in Rom allgegenwärtig sind: die ungeheuren Dimensionen Roms und das Verkehrschaos. In Rom gibt es immer Stau. So nahm das Busfahren oft viel Zeit in Anspruch. Andererseits wurde es uns im Bus nie langweilig: die Manöver der Vespafahrer waren oft ebenso halsbrecherisch wie amüsant. Trotz den unzähligen Poliziotti am Strassenrand werden Strassenregeln bestenfalls als Empfehlungen angesehen. Ein Härtefall, bei dem sogar die Polizisten aktiv werden, ist einzig das Fahren auf Einbahnstrassen in verkehrter Richtung. Wieso es trotzdem so wenige Unfälle gibt, habe ich auf der ganzen Tournee nicht herausgefunden. Unser Busfahrer hat uns jedenfalls immer sicher durch Rom gelotst. 
Als wir abends unsere Freiheiten nutzten, kamen wir zum ersten Mal mit Römern in Kontakt. Wir mussten einige Passanten ansprechen, um unseren Weg zur Piazza di Spagna zu finden. Die Römer sind jedoch ausgesprochen nette Leute. Meist haben sie nicht nur die gewünschte Information, sondern ihre ganze Lebensgeschichte dazu geliefert. 
Tags darauf hatten wir unseren grossen Tag. Wir sollten bei der Papstaudienz spielen. Man hatte uns eine Minute Zeit gegeben, um den Papst zu beeindrucken. Das liessen Herr Schuler und Bani sich natürlich nicht entgehen und kramten unser lautestes Stück hervor. Leider machte die FM den beiden einen Strich durch die Rechnung, indem wir hundsmiserabel spielten.
Der Massenandrang an der Audienz war beachtlich. Jede Gruppe war mit Fähnchen ausgerüstet erschienen, und versuchte, durch Schreien und Brüllen die Aufmerksamkeit des Papstes zu erlangen. Dieser wartete aber ruhig und gelassen in seinem Sessel darauf, dass alle wieder abzogen. 
Die Papstaudienz war für unzählige Helfer und Helfershelfer ein guter Grund sich aufzuspielen: Jeder gab Befehle weiter. Sogar die anwesenden Kardinäle durften sich nützlich machen: Alle fünf Minuten musste einer von ihnen sich erheben und würdevoll der Kappe des Papstes nachwieseln, da der Wind diese respektlos immer wieder davontrug. 
Gleich nach dem Mittagessen fuhren wir wieder los, um die Katakomben der heiligen Priscilla zu besichtigen. Baudenkmäler dieser Art sind natürlich immer interessant - aber ehrlich gesagt war ich froh, wieder ans Tageslicht zu kommen. Die Glaubensgenossen dort unten waren mir ein wenig zu zahlreich und trotz allem noch zu präsent, um mich unter ihnen wohl zu fühlen. 
Am Abend sollten wir unser einziges Saalkonzert geben. Im Auditorio San Leone Magno sind gerade soviele Gäste erschienen, um ohne Frust spielen zu können. Anders als auf der letzten Rom-Tournee (1977), wo nur gerade einige Schweizergardisten erschienen sein sollen. 

Donnerstag Morgen war zu unserer freien Verfügung. Weil Rom eine wundervolle Stadt ist, begnügten wir uns mit wenig Schlaf. Um halb neun standen wir schon an der Bushaltestelle der Vatikanlinie. Zumindest den Petersdom wollten wir gesehen haben. Das war aber gar nicht so einfach! Den ersten Bus mussten wir wieder abfahren lassen, so vollgepfropft war er schon. Der zweite Bus war zwar nicht weniger voll, aber wir hatten dazugelernt: Rein ins Getümmel! An jeder Haltestelle liess der Bus eine grosse Menschenmenge stehen; es hätte beim besten Willen niemand mehr hineingepasst. Auch das Aussteigen war schwieriger als gedacht. Wer nicht rücksichtslos genug zum Ausgang gedrängelt ist und: “uscire, uscire” gekräht hat, der musste es halt an der folgenden Haltestelle noch einmal versuchen. Herr Schuler hat uns zwar vorgewarnt und gesagt, Busfahren in Rom sei nicht so einfach, aber zumindest ich habe es ihm nicht recht geglaubt. Da die Römer sich scheinbar an überfüllte Busse gewohnt sind, war die Atmosphäre darin noch nicht einmal unangenehm. So ein römischer Bus ist besser als der aufregendste Erlebnispark. 
Schlussendlich sind wir beim Petersdom angekommen, sind auf die Kuppel gestiegen und haben gestaunt. Mich persönlich hat der Obelisk sehr beschäftigt. Als ich nämlich vor einigen Jahren in Ägypten gewesen bin, hat mich ein Reiseleiter auf einen leeren Sockel aufmerksam gemacht und bemerkt, dass eben der dort fehlende Obelisk jetzt auf dem Petersplatz in Rom stehe. 
Zwei Ständchen sollten wir noch halten. Das eine in der Schweizerschule, das andere auf der Piazza del Popolo, welches aber buchstäblich ins Wasser fiel. Dafür war der Besuch in der Schweizerschule um so lustiger. Unser Publikum bestand aus lauter fünfjährigen Knirpsen. Das wahrscheinlich erste und letzte Mal, dass zu FM - Musik Ringelreihe getanzt wird. Und sicher das letzte Mal, dass ich für musikalische Leistungen ein Autogramm geben durfte!
Dafür hielten wir am letzten Konzert-Tag trotz strömendem Regen zwei Ständchen. Das eine unter Dach, in der Gregoriana, der Päpstlichen Theologischen Hochschule in Rom, das andere in den Kolonnaden des Petersplatzes. Die vielen angehenden Theologen und Theologinnen machten manchen nicht wenige Sorgen. Würden sie sich bei unserem “Krach” die Ohren zuhalten und sich nach Orgelmusik sehnen? Alle diesbezüglich geäusserten Sorgen erwiesen sich jedoch als unbegründet: Die Studenten liessen sich mitreissen, einige tanzten sogar ausgelassen, und Applaus bekamen wir barmherzigerweise mehr als wir verdient hätten. 
Unser letztes Konzert sollte gewissermassen das “Highlight” werden. Wir sollten ja bekanntlich mit der Schweizergarde zusammen spielen. 
Ich habe mit der FM schon an manchen besonderen und sehr besonderen Orten gespielt, aber dieses Konzert hat diesbezüglich alles geschlagen. Unter den unzähligen, riesigen Säulen um den Petersplatz haben wir uns eingerichtet. Während die FM ziemlich disziplinlos vor allem daran interessiert war, nicht nass zu werden, marschierte die Garde militärisch über den Petersplatz. Auch später machte sich die Disziplin in der Garde immer wieder bemerkbar. Der Kontrast zur FM machte wohl auch das Zuhören reizvoll. Die militärischen Gewohnheiten wirkten auf uns schon etwas befremdlich. Aber man hatte und ja vorgewarnt: Lachen wäre unangebracht. Leider sahen die Gardisten auch gar nicht so lustig aus. Ihre hübschen farbenfrohen Uniformen mussten sie im Schrank lassen; sie dürfen nur in päpstlichen Angelegenheiten getragen werden. So mussten wir uns mit der Nachtuniform begnügen, die weit weniger spektakulär ist. Schlussendlich sah die FM, wenigstens was das Outfit betrifft, wahrscheinlich militärischer aus. Ich werde nie vergessen, wie ich in Wien gefragt wurde, ob wir eine Militärmusik aus Moskau (!) seien. Nach dem Ständchen wurden wir vom Gardekommandanten grosszügig bewirtet. Es entstanden interessante Gespräche mit Gardisten, wobei nicht wenig Eigenwerbung gemacht wurde. Tatsächlich hat die Schweizergarde uns unseren Kapellmeister Johann abgeworben. Sozusagen als Gegenleistung haben sie uns mit vollendeter Höflichkeit mitgeteilt wo man am besten Ausgehen könne. So sind am Abend viele FM-ler und viele Schweizergadisten in der selben Bar gelandet. Zusammen haben wir das ganze Lokal okkupiert. Ich glaube, die wenigen verbliebenen Italiener hatten fast ein wenig Angst vor uns. 
Den Samstag nutzten wir noch einmal tüchtig aus. Einerseits um einige Sehenswürdigkeiten aufzusuchen, andererseits um durch die wunderschöne Stadt Rom zu flanieren. Um eine Stadt kennenzulernen, muss man sich darin die Füsse wund laufen. Natürlich - wie könnte man in Italien auch anders - haben wir noch einmal viel und gut gegessen. 
“Alla tavola non s’invecchia,” - “ Am Tisch wird man nicht älter”, sagen die Italiener. Ich glaube, sie haben Recht. 
Dann ging alles sehr schnell. Zurück zum Hotel, zum Flughafen. Ganz so schnell waren wir dann doch nicht zu Hause. Unser Flug hatte ziemlich Verspätung. Um ehrlich zu sein: ganz so unglücklich war ich darüber nicht. So hat sich das Ende meiner letzten Tournee doch noch etwas verzögert...

Dominique Munz